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Kommunalwahl 2026

TEnrico Bergmann (FDP): Deswegen will er in Stade Bürgermeister werden

Ganz entspannt, kann aber auch Attacke: FDP-Bürgermeisterkandidat Enrico Bergmann.

Ganz entspannt, kann aber auch Attacke: FDP-Bürgermeisterkandidat Enrico Bergmann. Foto: Strüning

„Der einzelne Mensch ist verloren gegangen in der Politik“, sagt Enrico Bergmann. Auch deswegen will er Bürgermeister in Stade werden. Motiviert hat ihn ein prominenter Politiker.

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Von Lars Strüning
03.08.2026, 17:35 Uhr

Stade. Das war schon eine Überraschung, als Enrico Bergmann (44) kurzfristig seinen Hut in den Ring warf, um sich für das höchste Amt in der Stadt in Stellung zu bringen. Gewählt wird am 13. September. Bergmann kandidiert für die FDP und ist einer von insgesamt sechs Bewerbern.

Wer ist dieser Mann und was motiviert ihn?

Bergmann ist in Stade Vorsitzender des FDP-Ortsvereins und im Rat Fraktionsvorsitzender der FDP/UBLS-Gruppe. Er sagt, er habe sich fast ein Jahr lang den früh gestarteten Wahlkampf von Arne Kramer (CDU) und Kai Koeser (SPD) angeguckt. Überzeugend findet er beide nicht. In ihm gärte es. Auf Rückfragen, ob er kandidieren solle, habe er gute Resonanz bekommen. Eine Stimme gab den letzten Anschub.

Christian Dürr, einst FDP-Bundesvorsitzender, habe ihn zur Kandidatur ermutigt. Das pusht die FDP vor Ort und selbstredend auch Bergmann. Er legte einen Blitzstart hin. „Wenn ich etwas mache, dann richtig“, sagt er, der sich selbst als konservativen Liberalen beschreibt. Damit konkurriert er vor allem mit Arne Kramer um die Stimmen aus diesem Lager. Dessen Freude hielt sich entsprechend im Rahmen.

Auf Wahlkampf getrimmt: die Jacke mit Webadresse und QR-Code.

Auf Wahlkampf getrimmt: die Jacke mit Webadresse und QR-Code. Foto: Strüning

Bergmann ist sehr präsent in den sozialen Medien, wie auch Kramer oder Koeser. Mit seinem konservativen Mitbewerber hat er sich auch schon gefetzt. Es geht um Kramers Wahlplakat und seine Aussage zur Wirtschaftsförderung. Kramer reagierte postwendend. Ein nicht wirklich wichtiger Streit, der aber zeigt, dass Bergmann auf Attacke geschaltet hat. In Stade eher ungewöhnlich.

Bergmann: Stadt muss schneller und digitaler werden

Bergmann sagt, die Stadt sei seit sieben Jahren politisch führungslos. Eine Breitseite gegen den amtierenden Bürgermeister Sönke Hartlef (CDU), der aus Krankheitsgründen sein Amt seit Monaten schon nicht mehr ausführen kann. Bergmann will vieles verändern.

Mehr digitale Angebote im Rathaus, schnellere Abwicklung, mehr Bürgernähe. Er selbst musste vor kurzem wegen einer Angelegenheit an vier verschiedenen Türen klopfen. Das könne es nicht sein. Auch das meint er damit, wenn er sagt, dass der Einzelne aus dem Blick verloren wurde.

Das nicht funktionierende Easy-Park-Angebot am Stadthafen hat ihn geärgert, sein Antrag ging im Rat unter. Ein typisches Bürgermeister-Thema sei auch die zeitaufwendige Wiederbelebung des Restaurants Elbblick auf Stadersand gewesen. Bergmann: „Es muss einen im Rathaus geben, der sich solcher Sachen annimmt.“

Liberale Grundwerte und mehr Fingerspitzengefühl

Bergmann will auf liberale Grundwerte und mehr Fingerspitzengefühl setzen. Das Spannende an der Kommunalpolitik sei, dass er direkt etwas bewegen könne, auch wenn es manchmal nur kleine Stellschrauben sind.

In seinen kurzen Videos auf Instagram verspricht er, Recht und Gesetz strenger durchzusetzen, aber auch Hundewiesen zum Freilauf auszuweisen. Noch eine Bergmann-Idee: Jedes größere Kind solle den Bürgermeister in der Stadt kennen. Er will dafür die Schulen besuchen.

Bergmann, in Thüringen geboren und in Hessen aufgewachsen, zog im Jahr 2000 mit seiner Familie nach Neu Wulmstorf, wurde bei Möbel Meyn zum Einzelhandelskaufmann ausgebildet. Er ist heute mit einem Mann verheiratet und hat zwei Kinder (beide 11).

Über Sushi, Basteln und Elternarbeit im Kindergarten

Mit seinem Ehemann führt er Bergmann Foods, das Sushi für Supermärkte produziert. Politik entdeckte er für sich durch die Arbeit in der Stadtelternvertretung der Kindergärten. „Basteln ist nicht so mein Ding, aber das Offizielle habe ich gern geregelt“, sagt er mit einem Lachen.

Seit 2021 sitzt er im Rat der Stadt. Wer ihn kennt, weiß, dass Enrico Bergmann kein Freund von wenigen Worten ist. Er geht auf Menschen mit einem fröhlichen „Moin“ zu, lacht, kommt ins Gespräch, ist schnell beim Du. Bergmann gibt sich nahbar. Er sagt, er sei ehrlich, sage direkt seine Meinung - häufig auch ungefiltert.

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