TEr trifft den Nerv der Millennials: Stader Hobbyfotograf geht viral
Michael Gos ist Hobbyfotograf und bezeichnet sich selbst als Pflanzenvater. Foto: Stehr
Im Winter veröffentlichte er auf Instagram Drohnenfotos aus Stade - mit mäßigem Erfolg. Heute erreicht Michael Gos alias Streunner mit seinen Kurzvideos Zigtausende.
Stade. Zu alt für TikTok, zu jung für Kreuzfahrt - so beschreibt sich Michael Gos alias Streunner auf seinem Instagram-Profil. Regelmäßig veröffentlicht der 34-jährige Stader hier Kurzvideos, sogenannte Reels, die teilweise von bis zu 80.000 Menschen mit einem Herzchen markiert werden. Wie schafft er das?
Manche Clips haben mehr als eine Million Aufrufe
„Ich treffe wohl den Zeitgeist, manche Clips haben sogar mehr als eine Million Aufrufe“, sagt Michael Gos, der knapp 13.000 Follower hat. In seinen Videos präsentiert er sich gern als typischer Millennial, der im Pokémon-Kostüm alte Anime-Serien wie Sailor Moon oder Dragon Ball guckt und sich und seine Generation dabei auf die Schippe nimmt.

Michael Gos ist ein Kind der 90er Jahre und steht noch immer total auf Pokémon. Foto: Stehr
Zur Erklärung: Millennials sind Menschen, die zwischen den frühen 1980er und späten 1990er Jahren geboren wurden und heute mitten im Berufsleben stehen. Statt feiern zu gehen, kümmern sie sich laut Streunner lieber um ihre Pflanzen, gehen rechtzeitig ins Bett und schwelgen in Erinnerungen an Zeichentrickfilme und Videospiele. Der Erfolg gibt ihm recht.
„Auf die Reels bekomme ich unglaublich viele positive Rückmeldungen“, sagt Michael Gos. Und er erzielt damit deutlich mehr Reichweite als mit den aufwendig bearbeiteten Fotos, die er eigentlich viel lieber zeigt. Michael Gos ist nämlich Hobbyfotograf.

Die Stader Altstadt aus der Vogelperspektive, aufgenommen mit der Drohne von Michael Gos alias Streunner. Foto: Streunner
„Mein Herz schlägt für Stade und für die Fotografie“, sagt er. Wann immer es geht, sucht er nach Motiven in der Stader Altstadt und in der Natur. Seine Lieblingsplätze sind aktuell der Fischmarkt und die Burgwiesen. Fischotter, Reiher und Nutrias kamen ihm hier schon vor die Linse seiner Spiegelreflexkamera. Ein Hingucker sind auch seine Drohnenfotos.

Die Wilhadi-Kirche - eingefangen im vergangenen Winter von Michael Gos. Foto: Streunner
„Ich liebe es, neue Perspektiven zu entdecken“, sagt Michael Gos. Weil er dafür schon immer gern durch die Gegend zog, gaben ihm Freunde irgendwann den Spitznamen Streuner, erzählt er. Für sein Instagram-Profil kam noch ein N für die Wiedererkennung dazu.
Etwa zwei Stunden täglich - häufig auch mehr - Zeit verbringe er täglich mit der Pflege seines Insta-Profils, sagt Michael Gos. Seinen Lebensunterhalt kann er sich als Influencer allerdings nicht finanzieren.

Diesen Fischreiher hat Michael Gos in Stade fotografiert. Foto: Streunner
Hauptberuflich arbeitet Streunner als Erzieher in einer Stader Kita. Bevor er umsattelte, machte er in Hamburg eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann und war eine Zeit lang im Betriebsrat eines Handelsunternehmens tätig. Seine Freizeit verbringt Streunner nicht nur hinter der Kamera. Er ist außerdem stolzer Hunde- und „Pflanzenvater“.
Streunner hat 300 Pflanzen
In Streunners Altbauwohnung wuselt der 16-jährige Malteser-Havaneser-Rüde Max zwischen zahlreichen Grünpflanzen herum – 300 sind es nach Angabe von Michael Gos. Die hohe Luftfeuchtigkeit scheint allen gut zu bekommen. Einige der riesigen Monstera-Pflanzen, auch bekannt als Fensterblatt, seien inzwischen 15 Jahre alt, manche Kakteen noch älter. Dabei hatte Michael Gos nicht immer einen grünen Daumen.

Michael Gos und sein Hund Max leben in einer Altbauwohnung in Stade.
„Eine Orchidee, dich ich mal geschenkt bekam, ging kläglich nach einer Woche ein, das tat mir unglaublich leid“, sagt Streunner. Er habe sich daraufhin mit Photosynthese und allgemeiner Pflanzenkunde befasst - und wurde zum Experten.

Das ist selten: Die Monstera von Michael Gos wird bald blühen. Foto: Stehr
Sein Handwerk versteht er offenbar so gut, dass eine seiner Monsteras kurz vor der Blüte steht - ein äußerst seltenes Phänomen in Zimmerkultur. „Diese Blüten sind für mich wie der Heilige Gral“, sagt Michael Gos. Wenn die Frucht reif ist, könnte der Pflanzenvater sie sogar essen.
Im Gegensatz zu allen anderen Pflanzenteilen der Monstera sind die reifen Früchte nämlich nicht giftig. Ob Streunner seine Monstera-Frucht tatsächlich verspeist, wird seine Fangemeinde in circa zwei Wochen erfahren.

Michael Gos liebt Pflanzen und die Fotografie. Foto: Stehr

Die Stader Altstadt im Winter. Foto: Streunner

Michael Gos entdeckt gerne neue Perspektiven und bearbeitet seine Fotos aufwendig nach. Hier steht ein Baum in der Nähe der Stader Hafencity im Fokus. Foto: Streunner
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