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Fußball-Regionalliga

TErfahrungsschatz und Mentalität: So geht Stanislawski das D/A-Projekt an

Holger Stanislawski, Unternehmer und Geschäftsführer des Rewe-Centers Hamburg-Winterhude, während einer Sitzung der Handelskammer.

Holger Stanislawski, Unternehmer und Geschäftsführer des Rewe-Centers Hamburg-Winterhude, während einer Sitzung der Handelskammer. Foto: Charisius/dpa (Archiv)

13 Jahre lang hat Holger Stanislawski Angebote aus dem Profifußball abgelehnt und sich auf seine Unternehmensführung konzentriert. Warum schließt er sich jetzt also D/A an?

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Von Jan Bröhan
Donnerstag, 11.06.2026, 10:05 Uhr

Drochtersen. Holger Stanislawski ist zurück im Fußballgeschäft - als sportlicher Berater für den ambitionierten Regionalligisten SV Drochtersen/Assel. Diese Nachricht schlug ein. Für D/A und Präsident Rigo Gooßen ist diese Zusammenarbeit ein vielversprechender Personalcoup.

Aber was reizt den 56-Jährigen, der als Spieler, sportlicher Leiter und Trainer beim Kultclub FC St. Pauli Legendenstatus hat, an dem Job?

„Das ist ein extrem spannendes Projekt“, sagt Stanislawski, das er „Rigos Baby“ nennt. Ihm imponiere, was bei D/A schon jetzt in den vergangenen Jahren entstanden ist. Zumal der Standort, noch ohne Autobahnanschluss, schwierig ist. „Schöne Gegend“, nennt Stanislawski das Kehdinger Land. Er sieht Potenzial.

Der Zeitpunkt passt und Leidenschaft steckt an

2013 löste Stanislawski seinen Vertrag beim damaligen Zweitligisten 1. FC Köln auf. Ein Jahr später machte er Schlagzeilen, weil er die Geschäftsführung eines Rewe-Marktes übernahm.

„In den ersten sechs, sieben Jahren kamen immer wieder Anfragen“, sagt er bezüglich diverser Trainerangebote. „Aber ich hatte mich entschieden, etwas anderes zu machen, wollte mich voll auf die Unternehmensführung konzentrieren - das ist gut gelungen“, sagt Stanislawski.

Mehr als 6000 Quadratmeter hat die Verkaufsfläche des Hauptmarktes, 1000 des Getränkemarktes. Später eröffnete er auch ein Tierfachmarkt.

„Ich habe mich auf die Aufgabe fokussiert, hatte aber natürlich auch immer ein Auge auf den Fußball“, erzählt Stanislawski. Jetzt laufe alles so gut, dass er auch bei anderen Aufgaben „mehr einsteigen kann“.

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Rigo Gooßen lernte er bei „einem gemeinsamen Projekt“ kennen, bei dem Stanislawski für den Bereich Sport zuständig war. „Fußball ist seine Leidenschaft“, sagt Stanislawski über Gooßen. So näherten sie sich an. „Und dann habe ich mir das Ganze mal angeguckt.“ Er habe sich dann „mehr und mehr mit der Sache angefreundet“, so Stanislawski.

Er will mit seinem Erfahrungsschatz weiterhelfen

„Ich habe ja alles irgendwie erlebt“, sagt Stanislawski über seine Profizeit. Als Spieler ist er mit St. Pauli zweimal in die Bundesliga aufgestiegen, war Weltpokalsiegerbesieger, als sie Bayern München bezwangen. „Aber natürlich auch bis in die dritte Liga abgestiegen“, sagt Stanislawski.

2007: Holger Stanislawski trainierte den FC St. Pauli in der 2. Bundesliga.

2007: Holger Stanislawski trainierte den FC St. Pauli in der 2. Bundesliga. Foto: picture-alliance/ dpa (Archiv)

Von 2003 bis 2007 spielte St. Pauli in der Regionalliga Nord und hatte mit finanziellen Problemen zu kämpfen. „Ich habe die Niederungen der dritten Liga miterlebt“, sagt Stanislawski. 2006 wurde er als sportlicher Leiter auch Trainer und schaffte den Aufstieg. „Ein unerwarteter Erfolg“, der dadurch umso schöner gewesen sei.

„Wir hatten kein Geld und haben eine tolle Mannschaft aufgebaut“, sagt Stanislawski. Die 18 Jahre bei St. Pauli seien eine „bewegende Zeit“ gewesen. „Was mir immer noch wichtig ist, dass da ganz viel Dankbarkeit und Demut bei mir war und ist.“ Er sei kein Messi gewesen, habe sich aber mit bescheidenden Mitteln und ganz viel Mentalität durchgesetzt.

2011: Holger Stanislawski hörte nach dem Abstieg aus der 1. Bundesliga bei St. Pauli auf und ging zur TSG 1899 Hoffenheim.

2011: Holger Stanislawski hörte nach dem Abstieg aus der 1. Bundesliga bei St. Pauli auf und ging zur TSG 1899 Hoffenheim. Foto: Wittek/dpa (Archiv)

Leidenschaft und Mentalität will er auch bei D/A einbringen. „Wir müssen eine Begeisterung schaffen. Alle müssen das Gefühl haben, immer alles investiert zu haben“, sagt Stanislawski. Niederlagen werde es natürlich trotzdem noch geben.

Die folgenden Stationen sind für ihn keine Rückschläge

Nach dem Aufstieg in die 1. Bundesliga stieg St. Pauli 2011 direkt wieder ab. Stanislawski hatte schon während der Saison bekanntgegeben, dass er aufhören wird. Er wurde Trainer bei der TSG 1899 Hoffenheim.

„Ich wollte ein anderes Projekt kennenlernen“, sagt Stanislawski, den Club, den keiner wollte, der sich aber Schritt für Schritt entwickelt und nach oben gearbeitet hatte. „Das hat mich nicht dümmer gemacht“, sagt Stanislawski. Dass er vorzeitig entlassen wurde, bereue er nicht. „Das hatte keine sportlichen Gründe“, sagt er.

Danach war beim 1. FC Köln wieder Tradition angesagt. Trotz eines großen Umbruchs spielte Köln gut, verpasste aber den Aufstieg. Stanislawski löste seinen Vertrag auf. „Die Planungen für die nächste Saison waren vage, da habe ich gesagt, dass den zweiten Entwicklungsschritt ein anderer machen soll“, erzählt Stanislawski. „Das war alles schick für mich.“ Es folgte die Fußballabstinenz.

Bei D/A ist er schon involviert

Stanislawski schaute sich bei seinem Findungsprozess das D/A-Spiel in Lübeck, das Pokalendspiel und das Heimspiel gegen Meister Meppen an. Er traf sich mit Sportdirektor Sören Behrmann.

Auch mit Trainer Oliver Ioannou tauschte er Erfahrungen aus. „Alle haben große Lust“, sagt Stanislawski. Derzeit erörtern sie den Kader, ob dieser in der Breite noch abgerundet werden könne.

Stanislawski möchte bei dem D/A-Projekt mit seinem Erfahrungsschatz „die paar Prozent“, die es vielleicht fehlt, dazugeben. „Ich will mithelfen, etwas aufzubauen.“ So ein Projekt anzustoßen, um alles schrittweise anzupassen, brauche zwei, drei Jahre, sagt er.

Und wenn es eventuell nicht so laufen sollte, wie es sich alle vorstellen, „dann sind wir alle erwachsene Leute“, so „Stani“.

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