TExperten in Buxtehude: Bringt der Bauturbo mehr bezahlbare Wohnungen?
Das Foto zeigt das Baugebiet Orchideenquartier in Buxtehude. Dort entstehen bis 2028 circa 250 Neubauwohnungen. Foto: Sulzyc
Wie Bauen wieder preisgünstiger werden könnte, diskutieren Fachleute in Buxtehude. Während Politiker klare Aussagen scheuen, redet ein Immobilienanalyst Tacheles.
Buxtehude. Schätzungsweise knapp 1,35 Millionen Wohnungen fehlen laut dem „Bau-Monitor 2026“ in Deutschland. Der Neubau nimmt zwar leicht zu, verharrt aber auf schwachem Niveau. Das Ifo-Institut geht davon aus, dass in diesem Jahr lediglich etwa 185.000 Wohnungen fertig werden.
Baubranche in der Krise
Die Branche sei seit drei bis vier Jahren im Krisenmodus, sagt Dr. Olaf Krüger. Der Vorstand der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Süderelbe AG moderiert das Expertenforum am Tag der Bauwirtschaft 2026 an der Hochschule 21 in Buxtehude.

Dr. Olaf Krüger von der Süderelbe AG moderiert den 6. Tag der Bauwirtschaft in der Hochschule 21 in Buxtehude. Etwa 70 Menschen nehmen teil. Foto: Sulzyc
Der sogenannte Bauturbo gilt als ein Ausweg aus der Misere. Dabei handelt es sich um ein Gesetz zur Beschleunigung des Wohnungsbaus und zur Wohnraumsicherung, das der Bundestag im Oktober 2025 beschlossen hat. Damit können Städte und Gemeinden zusätzliche Wohnungen bereits nach einer dreimonatigen Prüfung zulassen. In diesen Fällen sind Aufstellungen oder Änderungen von Bebauungsplänen nicht mehr notwendig. Das gilt befristet bis 31. Dezember 2030.
T Buxtehude zündet den „Bauturbo“: Antworten auf die wichtigsten Fragen
Kann der Bauturbo den Wohnungsbau ankurbeln?
Diese Frage steht im Mittelpunkt des 6. Tags der Bauwirtschaft. Experten diskutieren, etwa 70 Besucher aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung hören ihnen zu.

Experten diskutieren beim 6. Tag der Bauwirtschaft in der Hochschule 21. Foto: Gina Kühn - Vertelln
In einer Liveübertragung per Video äußert sich Niedersachsens Wirtschafts- und Bauminister Grant Hendrik Tonne (SPD), ob der Bauturbo denn bereits Wirkung zeige. „96 Kommunen in Niedersachsen sagten, sie wenden den Bauturbo an oder werden ihn anwenden“, sagt der Minister. Aber was der Bauturbo bereits leistet, lässt sich daraus nicht ablesen.

Dr. Olaf Joachim, Staatssekretär im Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen: „In Hamburg 750 Wohnungen durch den Bauturbo genehmigt.“ Foto: Gina Kühn - Vertelln
Wie viele Wohnungen in diesem Jahr in Deutschland seiner Meinung nach gebaut werden, will Olaf Krüger deshalb dann von dem Staatssekretär im Bundesministerium für Wohnen und Bauwesen wissen. Immerhin gilt Dr. Olaf Joachim als ein Architekt des Bauturbos. Aber der Spitzenbeamte scheut sich, eine konkrete Zahl vorauszusagen.
„Mieten werden weiter steigen“
Nur so viel: „Der Bauturbo beginnt zu wirken“, sagt Olaf Joachim. In Dortmund seien auf diese Weise Büroimmobilien in Wohnungen umgewandelt worden. Und in Hamburg seien innerhalb von vier Monaten ungefähr 750 Wohnungen durch den Bauturbo genehmigt worden.
Die Versprechen der Politik gleicht der Immobilienanalyst Prof. Dr. Thomas Beyerle mit der Realität ab. Der Lehrstuhlinhaber für Immobilienforschung an der Hochschule Biberach dämpft die Erwartungen um den Bauturbo.

Immobilienanalyst Prof. Dr.Thomas Beyerle: „Mieten werden bis 2030 steigen.“ Foto: Gina Kühn - Vertelln
„In den nächsten fünf Jahren wird sich auf dem Wohnungsmarkt wenig ändern“, sagt Thomas Beyerle. „Die Mieten werden steigen.“ Und das trotz 146 unterschiedlichen Fördertöpfen für Wohnungsbau in Deutschland, wie der Experte provokant hinzufügt.
Das kann den Wohnungsbau beschleunigen
Ein Instrument, das den Wohnungsbau beschleunigen könnte: „Ich bin ein Freund der Genehmigungsfiktion“, sagt Beyerle. Das bedeutet: „Die Baugenehmigung wird erteilt, wenn die Behörde nicht innerhalb von vier Monaten entscheidet.“
Meinungsstark ist Prof. Dr. Thomas Beyerle. Und der eloquente Experte schürt Optimismus. Als einziger wagt er, eine konkrete Zahl zum erwarteten Wohnungsbau in Deutschland zu nennen: „Wir können 325.000 Wohnungen pro Jahr bauen.“
T Expertenrunde in Buxtehude: Kann es bezahlbares Wohnen noch geben?
Aber wie sichern wir, dass Wohnungen auch bezahlbar sind? Das will Moderator Olaf Krüger von Andreas Breitner wissen. Der Vorsitzende des Verbandes norddeutscher Wohnungswirtschaft vertritt gut 500 Unternehmen.
Wohnungsbau sei zu teuer, erklärt Breitner die Zurückhaltung in der Branche. 4000 bis 5000 Euro Baukosten pro Quadratmeter fielen an. Das sei erst wirtschaftlich, wenn Mieten von 18 bis 20 Euro kalt pro Quadratmeter verlangt würden. Solche Mieten seien für die meisten Menschen nicht bezahlbar.

Referenten und Gastgeber des 6. Tages der Bauwirtschaft vor dem Eingang der Hochschule 21 (von links): Sönke Pickenpack (Arbeitskreis Bauen im Bestand im Bauindustrieverband Niedersachsen-Bremen), Prof. Dr. Ingo Hadrych (Präsident Hochschule 21); Dr. Olaf Joachim (Staatssekretär im Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen), Dr. Olaf Drude (WK Consult), Marcus Hübner (Geschäftsführer Hochschule 21), Immobilienanalyst Prof. Dr. Thomas Beyerle und Dr. Olaf Krüger (Süderelbe AG) Foto: Sulzyc
Was die Kosten reduzieren könnte: „Wir müssen an die Baustandards ran“, sagt Breitner. Ein Beispiel: Gebäude seien nicht schlechter, würden Decken weniger dick sein - 16 statt 20 Zentimeter.
Aber lässt sich das politisch durchsetzen? „Ich hätte meinen Vortrag gerne mit etwas Positivem beendet“, sagt Breitner. „Mir fällt aber spontan nichts ein.“
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