TFaszinierendes Schauspiel am Himmel und auf dem Boden
Ralf Erichsen mit einem seiner Standdrachen. Foto: Felsch
Die Drachen sind los auf Krautsand. Sie kommen gerne her. Auch wenn das Wetter nicht optimal ist. Wie wichtig die richtige Windstärke ist, erklärt Ralf Erichsen.
Krautsand. Der Hamburger Drachenfreak Ralf Erichsen ist seit Freitag auf dem Platz auf Krautsand. Angereist ist er mit seinem Wohnmobil und etwa 100 verschiedenen Drachen im Gepäck - von rund 300. Noch herrscht Flaute zum Auftakt am Sonnabendvormittag.
Nur ab und an frischt es leicht auf, Sonne und Nieselregen wechseln sich ab. „Zweieinhalb Windstärken sind perfekt und kein Wasser von oben“, erklärt der Fachmann, der den Wind aus Erfahrung einschätzt. Es gebe Drachen, die bis Windstärke 7 oder 8 ausgelegt sind, aber weniger sei besser - dadrüber nicht, das halte selbst das beste Material nicht aus. Chinaware schon gar nicht.
„Obwohl die Asiaten aufgeholt haben, was Qualität angeht“, gibt der 70-Jährige zu. Er stellt seine Drachen alle selbst her - weil ihm das riesigen Spaß macht, mehr noch als das Steigen lassen.
Comic-Figuren liegen im Trend
„Ich habe ja Zeit und entwickle gerne neue Figuren. Ganz beliebt sind in der Szene Comic-Figuren. Sobald eine neue auf den Markt kommt, wird die nachgebaut“, erklärt der ehemalige Maschinenbauer und Elektroniker, der einen gut drei Meter großen Super-Mario sein Eigen nennt.
„Wenn jemand den Prototyp entwickelt, stellt er einem auserwählten Kreis seine Schablone zur Verfügung“, weiß Erichsen. Einen Winter lang ist er dann schon mal damit beschäftigt, wenn aus hundert Meter Stoff und mehr neue Drachen entstehen. So wie die 60 Meter lange Moräne, die an diesem Wochenende zum Einsatz kommen soll - wenn der Wind noch etwas zunimmt.
Bis Mittag herrschen seiner Ansicht nach nur eineinhalb Windstärken, was eindeutig zu wenig sei. Aber damit müsse man rechnen. Trotzdem bereut er es nicht, nach Krautsand gekommen zu sein - wie alle anderen. „Das Wetter können wir nicht beeinflussen, aber die Leute kommen trotzdem jedes Jahr gerne gerade zu uns, wegen der familiären Atmosphäre und weil wir viel für Kinder anbieten“, so Veranstalter Dirk Ludewig, der das zehnte Drachenfestival organisiert und diesmal noch mehr Anmeldungen hatte als üblich - etwa 50 Gruppen.
Auch Ludewig hofft auf optimales Drachenwetter, damit die acht Großdrachen steigen können und viele Besucher den Weg an den Elbstrand finden, denn der Erlös der Veranstaltung ist für den Kindersport gedacht.
Weltweit zu Drachenfesten unterwegs
Weniger am Himmel, dafür mehr am Boden sind Drachen und Banner zu sehen. Ein Eisbär, ein Kürbis und zwei Dinos hat Ralf Erichsen als sogenannte Standdrachen auf der Wiese aufgestellt. „Die fliegen nicht, die sind nur zum Bewundern“, erklärt er und freut sich, wenn kleine Kinder ganz fasziniert schauen. „Das ist für mich überhaupt das Schönste, wenn ich die Augen der Kleinen leuchten sehe.“
Seine Kollegen halten es ähnlich, nur vereinzelt sieht man Drachen zwischen den Wolken schweben. Einmal die einfachen dreieckförmigen Drachen, die die Kinder im Zelt bauen und dann die der Profis: knallbunte Fische, rosa Schweinchen, übergroße Bienen oder die beiden lustigen Maulwürfe - die persönlichen Favoriten von Ralf Erichsen.
Jetzt als Rentner könne er sich noch mehr seinem Hobby widmen, meint er. Ein Hobby, das er im Urlaub kennengelernt und seit seiner Kindheit immer weiterentwickelt hat.
Bis zu neunmal im Jahr auf Drachen-Festivals
In der Szene ist er mittlerweile bekannt wie ein bunter Hund und wird immer wieder von den Veranstaltern von Drachenfestivals eingeladen. Etwa neunmal im Jahr. „Das kostet mich nur die Anfahrt, der Rest wird uns Drachenbesitzern gesponsert. Dafür präsentieren wir dann unsere Exemplare.“ In Frankreich, wo die Weltmeisterschaft ausgetragen wird, ist er regelmäßig zu Gast. Vor kurzem war er in Berlin Tempelhof mit 5000 Zuschauern und einmal in Brasilien. Überall trifft er alte Bekannte und findet neue Freunde, die die Faszination für die bunten Drachen teilen.
Anfängern rät der Profi, es mit stinknormalen, preiswerten Drachen zu versuchen. Wenn man dann Blut geleckt habe, empfiehlt er, etwas mehr Geld in die Hand zu nehmen, so um die 100 bis 150 Euro, um sich einen schönen, stabilen Drachen im Fachgeschäft zu kaufen. Eine Auswahl an fertigen Produkten gibt es auch an einem Stand am Elbstrand, wo das Drachenfest noch bis Sonntagabend andauert.

Schauen bedröppelt drein: Die Kürbisse müssen am Boden bleiben. Foto: Felsch

Die ersten Drachen zeigen sich am bewölkten Himmel. Foto: Felsch

Chef-Organisator Dirk Ludewig mit den jüngsten Helfern: Talia, Male und Elli. Foto: Felsch
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