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Kritik

TFeelgood und Dödelwitze? Sven Bensmann beweist im Stadeum: Das passt!

2022 trat Sven Bensmann noch vor 30 Besuchern in der Drochterser Kulturscheune auf. Vier Jahre später schaut er im Stadeum in knapp 900 Gesichter.

2022 trat Sven Bensmann noch vor 30 Besuchern in der Drochterser Kulturscheune auf. Vier Jahre später schaut er im Stadeum in knapp 900 Gesichter. Foto: Buchmann

Was darf man beim Essen sagen, aber nicht beim Sex? Wer Sven Bensmann erlebt hat, kennt die Antwort. Sein Ziel: Jeden irgendwie abholen. Ein Schreckmoment ließ den Saal kurz verstummen.

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Von Steffen Buchmann
Freitag, 29.05.2026, 15:12 Uhr

Stade. Wer am Donnerstagabend etwas zum Lachen suchte, hatte zwei Möglichkeiten: Entweder das vorab aufgezeichnete Finale von Heidi Klums Magerquark-Stadl im Fernsehen zu schauen oder Sven Bensmanns gesungenen Dödelwitzen live im Stadeum zu lauschen. Die 880 Besucher im Hansesaal trafen definitiv die richtige Entscheidung. Die Topmodell-Gewinner kursierten ohnehin schon seit Tagen durchs Internet und dürften bald wieder vergessen sein. Den Abend in Stade hingegen vergisst Sven Bensmann wohl nicht so schnell.

Eigentlich wollte der 33-Jährige mal „Pauker“ werden, studierte Geschichte und Englisch auf Lehramt in Osnabrück. Das Studium hat er zwar abgebrochen, seine pädagogische Ader verlor Bensmann nicht. „Alles gut bei euch?“, fragt er über den Abend immer wieder ins Publikum, geht dabei in die Skihocke, auf Augenhöhe.

Bekannt durch viralen Dino-Hit

Was die Zuschauer in den nächsten zwei Stunden erwartet, erklärt Bensmann direkt zu Beginn locker, wenngleich langatmig. Wie ein Lehrer beim Klassenausflug ins Museum, kurz bevor der Reisebus auf den Parkplatz fährt. Bensmann ist jedoch die Sorte cooler Lehrer, der im Gepäckfach schon eine Kiste Bier für die Rückfahrt kalt gestellt hat.

Einen Großteil seines Comedy-Programms untermalt Sven Bensmann musikalisch.

Einen Großteil seines Comedy-Programms untermalt Sven Bensmann musikalisch. Foto: Buchmann

Sein Internetruhm eilt ihm auf seiner Tour voraus. Sein Billy-Joel-Cover „Alle Menschen lieben Dinos“ avancierte schnell zum viralen Millionenhit in den sozialen Medien.

Der Altersschnitt im Stadeum liegt an diesem Abend entsprechend niedrig, einer der jüngsten Besucher ist gerade mal elf Jahre alt.

Sex-Kalauer aus dem Witzesack

Das hinderte den feixenden Bensmann nicht daran, über das „Resteficken“ in der Heinbockeler Disco zu sinnieren und Sex-Kalauer aus seinem Witzesack vorzusingen. Seine augenzwinkernde Ausrede: Die Witze kommen nicht von ihm, sondern seine Zuschauer hätten sie aufgeschrieben.

Euphorische Zwischenrufe brechen das sonst so brave „Auf 1 und 3“-Klatschen, wenn Bensmann seine parodierten Disney-Arien über Stoffwechselprobleme, Hack aus Reiswaffeln und Lippenherpes schmettert.

Eine Zuschauerin bekommt von Bensmann die Konfettikanone gereicht. Sie darf sie zünden, „wenn es nicht mehr besser geht“.

Eine Zuschauerin bekommt von Bensmann die Konfettikanone gereicht. Sie darf sie zünden, „wenn es nicht mehr besser geht“. Foto: Buchmann

Neben Dinos, Disney und Dödelwitzen bedient Bensmann noch ein weiteres D: Dorfkinder. Charmant bandelt er mit Zuschauern aus Helmste und Drochtersen an; seine musikalischen Anekdoten über das perfekte Cola-Korn-Verhältnis und Ausfahrten zum Ortskreisel treffen einen hörbaren Nerv im Publikum.

Medizinischer Notfall im Stadeum

Als Bensmann nach der Pause mit einem lockeren Gespräch über seine Recherche zum Helmster Ortsbrandmeister ansetzt, bringt ein Aufschrei den Hansesaal urplötzlich zum Verstummen. Ein medizinischer Notfall zwingt Bensmann zum Unterbrechen. Ein Teil des Publikums muss den Saal verlassen, um Platz für die Ersthelfer zu schaffen.

Nach zehn Minuten kommt Bensmann zurück auf die Bühne, der Schreck steckt ihm noch merklich in den Knochen. „So eine Situation hatte ich noch nie“, gesteht er. Er bedankt sich ausdrücklich bei den aufmerksamen Helfern im Stadeum und schickt Besserungswünsche an die Person. Stadeum-Sprecherin Lea Redlich gibt am Folgetag Entwarnung: Der betroffenen Person gehe es gut, sie sei noch am selben Abend eigenständig nach Hause gekommen.

Viel Raum für Nerdkram und Liebe

Bensmann und sein Freund Jan Niermann am Klavier schaffen es innerhalb kurzer Zeit, den Wohlfühlregler beim Publikum wieder auf Maximum zu drehen. Einen emotionalen Höhepunkt erreicht die Show, als Sven Bensmann sich selbst an den Steinway-Flügel setzt und seine Gefühlswelt in einer nerdigen Liebesballade über Horkruxe, Gollum und Game of Thrones in den Saal ergießt.

Was dem Zuschauer letztlich nach dem Abend langfristig im Gedächtnis bleibt, sind weder die Disney-Parodien, angestaubten „super dummen“ Dödelwitze noch die Imitationen von Chewbacca oder Herbert Grönemeyer. Sondern das Gefühl, dass Sven Bensmann das teilt, was er liebt: gemeinsam zu lachen im Konfettiregen - und Dinos.

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