TFestivalsterben im Kreis Cuxhaven: Für „Frida rockt“ wird es eng
Das Festival „Frida rockt“ lockt immer wieder zahlreiche Besucher nach Elmlohe. Foto: rm
Kleines Festival, große Fragen: Während andernorts bereits abgesagt wird, kämpft „Frida rockt“ ums finanzielle Überleben. Reicht der Vorverkauf – oder steht das Festival bald auf der Kippe?
Elmlohe. Zwischen Bierbänken, Lichterketten und einer Bühne im Garten in Elmlohe (Landkreis Cuxhaven) wird Anfang August wieder Punkmusik durch die Nacht hallen. Aber: Die Anzahl der Ticketverkäufe lässt auch bei „Frida rockt“ zu wünschen übrig. Die gute Nachricht: „Das Festival findet auf jeden Fall statt“, sagt Nico Schmitz, der gemeinsam mit Felke Schloßhauer das Festival organisiert. Ganz selbstverständlich klingt das allerdings nicht mehr.
Denn während gerade erst das Rockhouse Festival in Loxstedt wegen zu geringer Ticketverkäufe abgesagt wurde, kämpfen auch kleinere Festivals wie „Frida rockt“ zunehmend ums Überleben. Was 2020 während der Corona-Pandemie als improvisierte Gartenparty mit Beamer, über den Livekonzerte abgespielt wurden, begann, ist inzwischen ein etabliertes Festival mit rund 200 Wochenendtickets, Bands aus ganz Deutschland und einem großen ehrenamtlichen Organisationsteam geworden. Doch mit dem Wachstum steigen auch die Kosten.
Bisher klappte alles trotz schlechter Voraussetzungen
„Eigentlich sind alle Voraussetzungen, die wir haben, superschlecht“, sagt Schmitz. Gewinn machen die Veranstalter mit dem Festival nicht. Die Ticketpreise sollen niedrig bleiben, Bands trotzdem faire Gagen bekommen. Finanziert werde das Ganze zu etwa zwei Dritteln über Tickets und Spenden, dazu komme der Getränkeverkauf. Aber auch Fördergelder haben den Organisatoren zuletzt weitergeholfen.

Nico Schmitz ist Mitveranstalter des Festivals „Frida rockt“ in Elmlohe. Foto: Hornbostel Foto: Hornbostel
Im vergangenen Jahr erhielt „Frida rockt“ mehr als 9000 Euro aus dem bundesweiten Festivalförderfonds der Initiative Musik. Geld, das vieles möglich machte: nachhaltige Toilettenanlagen, Infrastruktur und Anschaffungen, die langfristig genutzt werden können. In diesem Jahr allerdings ging der Antrag leer aus. „Man merkt einfach, dass weniger Geld da ist und gleichzeitig immer mehr Projekte darauf angewiesen sind“, sagt Schmitz. Besonders alternative Kulturorte im ländlichen Raum gerieten zunehmend unter Druck.
Weniger Förderung, steigende Kosten und zögerlicher Vorverkauf
Die Probleme treffen viele kleine Festivals gleichzeitig: steigende Preise für Technik, Transport und Infrastruktur, weniger öffentliche Förderung und ein Publikum, das Tickets oft erst kurzfristig kauft. Genau das könne gefährlich werden. „Wenn Leute wissen, dass sie kommen, sollten sie die Tickets früh kaufen“, appelliert Schmitz. Planungssicherheit sei inzwischen überlebenswichtig. Das merkte man zuletzt auch in Loxstedt, als die Ticketverkäufe einfach nicht ausreichten, um das Rockhouse Festival stattfinden zu lassen.
Eigentlich sind alle Voraussetzungen, die wir haben, super schlecht.
Nico Schmitz, Mitveranstalter von „Frida rockt“
Bislang wurden für „Frida rockt“ rund 75 Wochenendtickets verkauft – für die Organisatoren ein ordentlicher Zwischenstand, aber noch weit entfernt von der Auslastung. Trotzdem versuchen die Veranstalter, an ihrem Konzept festzuhalten: keine Werbung, keine großen Sponsorenflächen, stattdessen Solidarität. Mit einem Support-Ticket für 64 Euro finanzieren Besucher günstigere Tickets für Menschen mit kleinerem Budget. Ein Angebot, das laut Schmitz oft genutzt wird.
Veranstalter bleiben trotz aller Sorgen optimistisch
Dass das Festival bislang funktioniert, liegt auch am Netzwerk dahinter. Lebensmittel kommen über Kontakte aus Bremerhaven günstiger an das Gelände, vieles wird geliehen, repariert oder weiterverwendet. „Ohne ehrenamtliches Engagement würde das alles gar nicht gehen“, sagt Schmitz.
Trotz aller Sorgen blickt er vorsichtig optimistisch nach vorne. Doch er glaubt auch: Wenn kleine Festivals und Clubs überleben sollen, müsse sich kulturell und politisch etwas ändern. „Die Rahmenbedingungen werden immer schlechter“, sagt er. Aber trotzdem wird in Elmlohe vom 7. bis 9. August wieder Musik laufen. Und welche Bands würden auf der Bühne stehen, wenn Geld keine Rolle spielen würde? „Darüber hat Schmitz bereits nachgedacht – rein hypothetisch: „Blond, Kraftklub oder auch Madsen.“
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