T„Feuerlöscher der Nation“: Das treibt die Helfer beim DRK an
Franziska-Sophie Göttsch (links) und Katharina Schwanemann engagieren sich ehrenamtlich im DRK. Foto: P. Meyer
Sie opfern ihre Freizeit, um anderen Menschen zu helfen - und sie im Zweifel zu retten. Stellvertretend für viele berichten drei Ehrenamtliche des Roten Kreuzes, was ihr Antrieb ist.
Harsefeld. Es sind Erlebnisse wie diese, die Dirk Lilienkamp aus seiner langen Zeit beim DRK besonders im Gedächtnis geblieben sind: Bei einem Hilfstransport nach Kaliningrad brachten die Helfer vom Deutschen Roten Kreuz 1994 Lebensmittel nach Russland.
„Wir konnten dort mehrere Tage bei einer älteren Dame übernachten“, erinnert sich der 58-Jährige. Sie sei früh morgens um vier Uhr aufgestanden und habe den Helfern Frühstück gemacht - aus Dankbarkeit. „Sie hatte selber nichts und hat trotzdem mit uns geteilt“, erzählt Lilienkamp. „Das vergisst man nicht.“
Dirk Lilienkamp engagiert sich seit 1988 ehrenamtlich im DRK. Foto: P. Meyer
Für Helfer wie Dirk Lilienkamp applaudierten am Samstag die Gäste in der voll besetzten Festhalle in Harsefeld. Der DRK-Kreisverband Stade hatte zur 23. Einsatzkräfte-Versammlung eingeladen. Der Abend stand ganz im Zeichen der Anerkennung für mehr als 200 Helferinnen und Helfer, die sich im Kreisverband ehrenamtlich in Bereitschaften und im Katastrophenschutz engagieren.
Seit mehr als drei Jahrzehnten ist Dirk Lilienkamp aus Bützfleth beim DRK aktiv. 1988 begann der Airbus-Mitarbeiter sich dort zu engagieren, heute ist er Bereitschaftsleiter für Logistik und Technik. Seine Einheit sorgt unter anderem dafür, dass Behandlungsplätze aufgebaut, mit Strom, Heizung und Licht versorgt werden.
Die Rotkreuzfamilie als „Feuerlöscher der Nation“
„Meine beiden Brüder waren damals schon beim DRK“, erzählt Lilienkamp. So habe auch er seinen Weg ins Ehrenamt gefunden. Was ihn bis heute hält, sei das Miteinander. „Man ist Teil einer Rotkreuzfamilie“, sagt er. „Und man kann etwas Sinnvolles für andere tun.“
Katastrophenschutz
T Nach dem Blackout in Berlin: Ist der Kreis Stade für so etwas gewappnet?
Dass der Katastrophenschutz in den vergangenen Jahren wieder stärker in den Fokus gerückt ist, sieht Lilienkamp als Notwendigkeit. „Wir sind der Feuerlöscher der Nation. Es ist gut, wenn man ihn nicht braucht. Aber für den Notfall muss er da sein und funktionieren.“
Realitätsnah üben: Retter lernen mit Menschen unter Schock umzugehen
Eine ganz andere, aber ebenso wichtige Rolle übernimmt Katharina Schwanemann beim DRK. Die 30-Jährige arbeitet hauptberuflich in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderungen und leitet beim Roten Kreuz die Notfalldarstellung. Mit dem Ehrenamt ist sie aufgewachsen.
„Ich bin quasi ins DRK hineingeboren“, sagt sie. Ihre Eltern haben sich damals über das Rote Kreuz kennengelernt, viele Mitglieder kenne sie daher seit ihrer Kindheit.
Ohne sie geht es nicht
T Neujahrsempfang: Stade zeichnet drei Ehrenamtler aus
Blutspenden
DRK warnt: Deutschlandweit fehlen Blutspenden
In der Notfalldarstellung übernehmen Ehrenamtliche für Übungszwecke die Rolle von Verletzten oder Betroffenen. Hierfür schminken sie sich auch realistische Wunden. Alles, damit die Einsatzkräfte möglichst realitätsnah üben können.
„Mit Dummies zu trainieren ist etwas anderes, als wenn das Gegenüber reagiert“, erklärt Schwanemann. Gerade der Umgang mit Schock oder Stress lasse sich so besser lernen. Genau das mache das Training so wertvoll. „Es geht auch darum, die eigenen Grenzen zu erkennen.“

Der DRK-Kreisverband Stade lud am Wochenende zur Einsatzkräfte-Versammlung in die Harsefelder Festhalle ein. Foto: P. Meyer
Franziska-Sophie Göttsch aus Buxtehude fand ihren Weg eher spontan ins DRK-Ehrenamt. Die wissenschaftliche Mitarbeiterin der TU Hamburg kam zu Beginn der Corona-Pandemie zur Bereitschaft Buxtehude. „Ich hatte etwas Zeit und bin einfach zum Dienstabend gegangen“, erzählt sie.
In der Bereitschaft habe sie gelernt, was medizinische Hilfe bedeutet: vom Pflasterkleben bis zur Versorgung bewusstloser Personen. Nach ihrer Sanitätsausbildung macht sie derzeit zusätzlich die Rettungssanitäter-Ausbildung, die etwa drei Monate in Anspruch nehmen wird. „Es ist viel Zeit, die man investiert“, sagt sie. „Aber es ist einfach cool, anderen zu helfen.“ Besonders schätzt sie den Zusammenhalt und die regelmäßigen Treffen.
Rolle der Katastrophenschützer wird immer wichtiger
Durch den Abend in Harsefeld führten Kreisbereitschaftsleiterin Jenny Fromke, die später für besondere Verdienste ausgezeichnet wurde, und der Katastrophenschutzbeauftragte Kai Schulz, der in diesem Jahr die Nachfolge vom Kreisverbands-Geschäftsführer Uwe Lütjen antreten wird.

Kreisbereitschaftsleiterin Jenny Fromke und Katastrophenschutz-Beauftragter Kai Schulz führten durch die Einsatzkräfte-Versammlung des DRK-Kreisverband Stade. Foto: P. Meyer
In seiner Rede verwies Schulz auf wachsende Herausforderungen: Klimawandel, Extremwetter, geopolitische Krisen oder Cyberangriffe erforderten ein starkes Ehrenamt, betonte er. „Ihr seid das Gesicht der Hoffnung in der Krise“, so Schulz weiter. Ein Lichtblick sei, dass der Stader Kreistag mehr Mittel für den Katastrophenschutz bereitstellen wolle.
Auch der Präsident des DRK-Kreisverbandes, Michael Roesberg, dankte den Ehrenamtlichen: „Ihr packt an ohne Murren, opfert eure Zeit und stärkt damit unsere Demokratie.“
Gefrorene Gewässer
T Notfall auf dem Eis in Harsefeld – So läuft ein Rettungseinsatz der DLRG ab
Harsefelds Bürgermeisterin Susanne de Bruijn betonte abschließend die Bedeutung des Ehrenamts als demokratische Säule. Sie wünschte sich stärkere politische Anerkennung - hierfür habe sie in Berlin auch einen Antrag zur rentenrechtlichen Würdigung ehrenamtlichen Engagements eingereicht.
Copyright © 2026 TAGEBLATT | Weiterverwendung und -verbreitung nur mit Genehmigung.