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TFilialen dicht: Wie sich die Kreissparkasse Stade für die Zukunft aufstellt

Die beiden Chefs der Kreissparkasse: Berend Bohlen (links) und Matthias Lühmann stehen vor der Hauptstelle in Stade. Sie wird gerade komplett umgebaut - und nicht nur sie.

Die beiden Chefs der Kreissparkasse: Berend Bohlen (links) und Matthias Lühmann stehen vor der Hauptstelle in Stade. Sie wird gerade komplett umgebaut - und nicht nur sie. Foto: Strüning

Der Strukturwandel im Bankengewerbe setzt sich unvermindert fort: Die Kreissparkasse Stade stellt sich neu auf für die Zukunft. Filialen im Landkreis müssen dran glauben.

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Von Lars Strüning
Mittwoch, 11.02.2026, 19:00 Uhr

Stade. Das Vorstandsduo der Kreissparkasse Stade, Behrend Bohlen und Matthias Lühmann, wollten es wissen. Wie viele Geschäfte und Nachfragen werden noch klassisch am Schalter getätigt und wie viele auf anderen Wegen, sei es online per App oder Homepage, sei es telefonisch oder per Chat? Einen Monat führten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an allen Standorten Protokoll über die Kundenströme. Das eindeutige Ergebnis überraschte selbst die beiden Chefs.

Der Schalter wird nur noch selten aufgesucht

Das Verhältnis liegt bei 1:25. Kaum noch jemand kommt in die Filialen, um seine Bankgeschäfte zu erledigen. Das Personal dort ist nicht ausgelastet. „Der Kunde gibt den Weg vor“, sagt Behrend Bohlen. Die Sparkasse folge ihm - mit einschneidenden Konsequenzen.

Das Institut wird in einige Standorte massiv investieren, andere dagegen abbauen. Neben der Hauptstelle in der Großen Schmiedestraße in Stade, die derzeit für zehn Millionen Euro komplett umgebaut wird, sollen die Standorte in Harsefeld, Horneburg, Fredenbeck, Drochtersen und Himmelpforten profitieren. In Horneburg und Harsefeld sind Neubauten angedacht. Die Gebäude aus den 90er Jahren entsprächen nicht mehr dem geschrumpften Raumbedarf und seien energetisch völlig überholt.

Der neueste Clou beim Banking: Dialog-Inseln

Neue Anlaufstellen gibt es in Zukunft auch in Ahlerstedt, Apensen und Wischhafen. Hier werden die jetzigen Filialen aufgegeben und Service und Beratung getrennt, so die beiden Vorstände. Für ausführliche Beratungen sollen zentral in den Ortschaften gelegene Büros angemietet werden. Der Service soll über „Dialog-Inseln“ abgearbeitet werden. „Das ist ein Bekenntnis zur Fläche“, sagt Matthias Lühmann.

Diese Art des Kundenangebots gäbe es bereits 50 mal in Deutschland, sagt Bohlen. Bei den Dialog-Inseln handelt es sich um einen, so das Versprechen, leicht zu bedienenden Videoservice mit echten Ansprechpartnern auf großen Bildschirmen, die im Kundencenter in Stade sitzen. Das ist, so Matthias Lühmann, ohne Vorwissen gut zu meistern. Vorteil hier: Die Video-Insel ist 53 Stunden die Woche geöffnet und nicht nur 19 wie manch Filiale derzeit.

Klar ist aber auch, dass auf kurz oder lang, nach einer womöglich einjährigen Übergangsphase, das Personal von den Service-Standorten abgezogen wird. Eine Dialog-Insel wird auch in Stade installiert, allein schon, weil die Stele in 25 Sprachen simultan übersetzen kann. An einem extra Bildschirm sollen auch Unterschriften geleistet werden können.

Diese vier Standorte bleiben auf der Strecke

So weit so gut. Es gibt aber auch Verlierer bei der Restrukturierung. Die Standorte in Oldendorf, Freiburg, Kutenholz und Deinste werden in naher Zukunft der Vergangenheit angehören. Die Kreissparkasse spricht von „Zusammenlegung mit größeren Einheiten“ zum 1. Januar 2027, die da wären: Himmelpforten, Wischhafen und Fredenbeck. Bis auf Deinste soll an den genannten Orten nach der Schließung eine SB-Infrastruktrur für Bargeld, Überweisungen und Kontoauszüge vorgehalten werden.

Diese SB-Angebote werden in Hammah, Düdenbüttel, Dollern, Bargstedt und Assel aufrecht erhalten, auch wenn die Auslastung zum Teil sehr gering sei. Damit solle die Bargeldversorgung sichergestellt werden, zum Teil auch in Zusammenarbeit mit anderen Geldhäusern.

Um die Kunden mitzunehmen, wurden alle angeschrieben und über die Änderungen informiert. Selbstredend wurden auch die eigenen Mitarbeiter während einer Personalversammlung mit 280 Leuten in der Festhalle Kutenholz über den zukünftigen Kurs aufgeklärt. Auch die Bürgermeister der betroffenen Standorte seien in die Kampagne mit einbezogen worden. Für die Menschen vor Ort sollen Bürgersprechstunden eingerichtet und Schulungen fürs Online-Banking angeboten werden.

Im Herbst ist die neue Hauptstelle in Stade fertig

Die Maßnahmen werden Schritt für Schritt umgesetzt und sich über Jahre hinziehen. Lühmann und Bohlen gehen davon aus, dass das, was sie jetzt anschieben, für die nächsten 30 Jahre Bestand haben könnte. Als erstes sichtbares Zeichen wird bereits im Herbst des Jahres die neu gestaltete Hauptstelle in Stade in Betrieb genommen. Das alles soll nicht nur den - gerne auch jungen - Kunden entgegenkommen, sondern zudem die Kreissparkasse als Arbeitgeber attraktiv machen.

Just fertig: So sieht der neue Servicebereich der Kreissparkassen-Hauptstelle in der Großen Schmiedestraße in Stade aus.

Just fertig: So sieht der neue Servicebereich der Kreissparkassen-Hauptstelle in der Großen Schmiedestraße in Stade aus. Foto: Kreissparkasse

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