TFlohzirkus: So kamen die Mini-Artisten beim Publikum in Himmelpforten an
Carolin Birk haucht den Floh an - der warme Hauch beflügelt den Floh, der die Wärme braucht. „Nicht pusten, nur hauchen“, sagt die Flohzirkusdirektorin. Foto: Klempow
Ein Flohzirkus? Das gibt‘s doch nicht. Doch. Einen gibt es noch - und der war zum Gastspiel in Himmelpforten. Skepsis und Entzücken beim Publikum.
Himmelpforten. Ein Junge mustert die Häuschen vor der Manege. „Wohnen da Flöhe drin?“, fragt er neugierig. Nein. Die Flöhe leben angeleint dort, wo sie am liebsten sind - im Dunklen. In diesem Fall in kleinen Schachteln.
Carolin und Robert Birk vom gleichnamigen Flohzirkus haben die Kulisse mit dem kleinen Fußballfeld auf einem Tisch im Schul- und Heimatmuseum aufgebaut. Hier ist es schön warm, Strahler beleuchten ein weißes Feld. So sind die Flöhe zu sehen. Und sie strengen sich an, um ihren Job zu erledigen.
Oktoberfest-Klassiker
T Lupen und Mini-Artisten: Der letzte Flohzirkus Europas in Himmelpforten
„Sie sind konditioniert darauf, dass sie wieder ins Dunkle dürfen, wenn sie ihre Aufgabe erledigt haben“, erklärt Carolin Birk. Sie zeigt mehrere Vorstellungen hintereinander, immer vor rund 20 Zuschauern.
Der Letzte seiner Art
Die Kinder staunen - die Älteren auch. Vor allem, wenn sie unter der Lupe die Flohdame betrachten können, die in der Fadenschlaufe angeleint ist. Der Flohzirkus ist vermutlich der Letzte seiner Art.
Wie auch Zirkusdirektor Robert Birk. „Die Flöhe anzuleinen ist eine Kunst, die nur noch er beherrscht“, sagt Carolin Birk über ihren Mann. Dafür braucht es ein vergoldetes Fädchen, genau 0,13 Millimeter stark, „nicht mehr und nicht weniger“, so die Flohfachfrau. Ist der Faden zu dick, können sich die Flöhe nicht bewegen. Ist er zu dünn, hängt er durch.

Der etwa drei Millimeter große Floh zieht eine Miniatur-Kutsche. Foto: Klempow
Mit Humor und bayerischer Warmherzigkeit gibt Carolin Birk Einblicke in das Flohzirkusleben. Sie erzählt, dass sie 20 Jahre lang Flöhe über ein Forschungsinstitut in Rosenheim beziehen konnten. Dass das seit einigen Jahren nicht mehr geht. „Da bräuchten wir, ganz ehrlich, zwei Seuchenschutzbeauftragte. Die hamma net.“
Flöhe aus dem Forschungsinstitut
Also schickt jetzt ein Institut aus Berlin Flöhe, wenn Birks ihre Mini-Artisten nach dem Oktoberfest-Rummel freilassen. Knackpunkt ist das Geld: „200 Flöhe kosten 1176 Euro“, erzählt sie. Lohnt sich ein Flohzirkus noch? Nein, antwortet sie, höchstens auf dem Oktoberfest.
Eintritt zahlen die Besucher nicht. Der Flohzirkus bittet stattdessen um Spenden für den Kindergarten Himmelpforten. Mit einem Lächeln auf dem Gesicht verlässt das Publikum das Museum. Die Skepsis ist gewichen.
Ein Springtalent als Torschütze
So ein bisschen skeptisch war Sabrina Christ vorher. Sie ist mit Sohn Leo aus Drochtersen zur Vorstellung gekommen. „Sehr interessant, vor allem, dass die Flöhe so ihre Eigenheiten haben“, sagt sie. Leo hat vor allem das Fußball-Kunststück gefallen. Das zeigt der Floh „Herr Beckenbauer“. Der ist ein Springtalent und pfeffert den weißen Wattebausch ins Miniatur-Tor.

Sabrina und Leo Christ sind aus Drochtersen zum Flohzirkus gekommen.
„Das war super. Richtig gut - ich hoffe nur, dass keiner entflohen ist“, sagt Ilse von Lacroix und lächelt. Sie ist aus Stade gekommen - einen Flohzirkus kennt sie noch aus ihrer Kindheit. „Das haben wir immer gespielt, wir haben so getan als ob“, sagt sie - in Himmelpforten hat sie jetzt einen echten Flohzirkus erlebt. Ein nostalgisches Vergnügen und faszinierende „alte Varietékunst“ ist der Flohzirkus für Familie de Vries.

Ilse von Lacroix ist vom Flohzirkus begeistert. Foto: Klempow
„Etwas ganz Besonderes“
„Ich bin entzückt“, sagt Iris Freyer aus Hüll. Sie kennt Geschichten vom Flohzirkus - ihre Mutter hat als Kind einen gesehen. So ganz mochte die Tochter das nicht glauben. Sie hatte schon das Internet durchforstet und den Flohzirkus auf dem Oktoberfest gefunden. Dass ausgerechnet der jetzt in Himmelpforten für einen Tag ein Gastspiel gibt, lässt sie strahlen. „Das ist wirklich etwas Besonderes“, sagt sie. Tochter Aisha mochte „das Fußballspiel“ am liebsten. Zusammen gehen sie jetzt gleich noch ein zweites Mal in die Vorstellung.

Iris Freyer und Tochter Aisha gucken sich gleich noch eine zweite Vorstellung an. „Entzückend“ sei der Flohzirkus, sagt Iris Freyer. Foto: Klempow
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