TFluffys, Fleisch und Salat: So essen Schüler in Stade und Fredenbeck
Marlon Uhl und Laura Weddemann zeigen ihre Brotdosen. Die Grundschüler haben Wurstbrot, Obst und Salat, aber auch etwas Süßes dabei. Foto: Stehr
An der Geestlandschule und der Grundschule im Bildungshaus Hahle fließen Landesmittel in den „Lernort Mensa“. Was passiert mit dem Geld? Ein Blick über den Tellerrand.
Stade, Fredenbeck. Die Geestlandschule in Fredenbeck und die Stader Grundschule im Bildungshaus Hahle gehören zu insgesamt sieben Schulen in Niedersachsen, die vom Land mit 1,2 Millionen Euro gefördert werden. Das Geld für das Programm „Lernort Mensa - Ernährungsbildung stärken“ muss noch in diesem Jahr vollständig eingesetzt werden, sonst verfällt es.
In diese Projekte fließt das Fördergeld
Grundschule im Bildungshaus Hahle: Der Grundschule stehen 81.500 Euro aus dem Programm Lernort Mensa zur Verfügung. 20.000 Euro davon fließen in Kooperation mit der Stadt in den Kauf und den Aufbau eines Kulturküchencontainers. In dem Außenstandort der Mensa sollen einerseits Eltern aktiv werden und in den Pausen selbst zubereitete Snacks aus verschiedenen Herkunftskulturen anbieten. Außerdem soll der Container für Fitness und Bewegungsangebote genutzt werden und bietet einen Rückzugsraum.
25.000 Euro Fördergeld investiert die Schule zudem in eine neue, größere Küche. In der alten Küche finden schon jetzt regelmäßig Kochkurse statt, bei denen Kinder gemeinsam Gerichte planen, einkaufen, zubereiten und essen. Künftig soll hier auch gemeinsam mit Eltern gekocht werden. Kooperationen mit externen Partnern sind geplant, um über das gemeinsame Kochen auch Sprachbarrieren abzubauen.
Darüber hinaus sollen die Lehrkräfte speziell im Bereich Ernährung geschult werden. Eine ausgebildete Ökotrophologin - also eine Haushalts- und Ernährungswissenschaftlerin - vermittelt ihr Wissen an die Schülerinnen und Schüler.
Geestlandschule Fredenbeck: Die 140.000 Euro fließen in verschiedene Bereiche, aber kommen hauptsächlich wieder der Arbeit an der Geestlandschule zur Ernährung zu Gute. Zum Beispiel investiert die Geestlandschule laut Schulleiterin Tanja Bovenschulte in den frisch eingeweihten Gemüsegarten - das angebaute Gemüse wird in der Mensa weiterverarbeitet -, in mobile Küchenausstattung und in Exkursionen und Workshops.
Das kommt in den Mensen auf den Tisch
Grundschule im Bildungshaus Hahle: Hier liefert die Qualifizierungsküche Stade täglich das Essen. Es gibt täglich zwei Speisen zur Auswahl. Serviert wird zum Beispiel Fisch mit Kartoffelpüree, Kaiserschmarrn, Tomaten-Brokkoli-Suppe, Nudeln, vegetarischer Burger oder Kasseler Nacken. Täglich können die Kinder zudem über ein EU-Programm kostenfrei Obst, Gemüse und Milch naschen.
Geestlandschule Fredenbeck: In Fredenbeck kochen Schüler für Schüler - Schüler von „Geestlandia“, der größten Schülerfirma Niedersachsens, bereiten jeden Dienstag das Mittagessen zu. Auf den Teller kommen unter anderem Nudelauflauf, Pizzasuppe, Rührei, Würstchengulasch oder Matjestatar. Bald soll auch ein Rezeptbuch erscheinen, das die Schüler selbst zusammenstellen.

Köche und Food-Fotografen für das Rezeptbuch: Der 15-jährige Amatus (links) und der 16-jährige Kevin helfen jeden Dienstag in der Mensa der Geestlandschule. Heute Teil der Speisekarte: Pizzabrötchen. Foto: Meyer
Das Besondere: Gekocht werden Gerichte aus elf internationalen Küchen, beispielsweise aus der Niederlande, Ukraine, aus Italien und den USA - den Nationalitäten der Geestlandschüler.
Was mögen die Kinder am liebsten?
Grundschule im Bildungshaus Hahle: Die beliebtesten Mensa-Gerichte sind Fluffys - kleine Pfannkuchen - mit Apfelmus, Pizza Margherita, Bratwurst mit Kartoffelpüree, Gurkensalat sowie Nudelgerichte.
Geestlandschule Fredenbeck: Fleisch ist beliebt. Schüler Amatus mag „alles mit Fleisch“. Er und Kumpel Kevin lieben Schnitzel - „vor allem, wenn Jessica es kocht“, sagt Kevin. Jessica Tietjen, pädagogische Mitarbeiterin, sowie Lehrerin Dörte Wellm machen die Küche der Geestlandschule mit den freiwilligen Köchen zum Lernort.

Dörte Wellm, 2. Vorsitzende des Mensavereins Geestlandschule, holt hier ein Brot aus der Brotbackform und unterstützt die Schüler beim Kochen. Foto: Meyer
Ebenfalls beliebt ist die Fleisch-Mahlzeit „Gyros-Art“, weil es ähnlich wie Döner schmeckt, erklärt Wellm. Auch Nudeln mit Bolognesesoße oder Käse-Spinat-Sauce sowie Pfannkuchen - sowohl süß als auch herzhaft - kommen gut an. Ein Renner bei den Beilagen sind Kartoffelecken mit Quark.
Was kostet ein Mensa-Essen?
Grundschule im Bildungshaus Hahle: Ein Essen kostet 4,50 Euro. Schulleiter Marc Rohde stellt fest, dass manche Familien sich das nicht immer leisten können und die Bestellungen zum Ende des Monats abnehmen. Betroffen sind dabei Kinder aus Familien, die keinen Anspruch auf Leistungen aus dem Bildungs- und Teilhabepaket haben, weil sie knapp über der Einkommensgrenze liegen.
Geestlandschule Fredenbeck: Pro Essen zahlen die Geestlandschüler 3 Euro und Erwachsene 50 Cent mehr. Für alle kostet ein großer Salatteller 2,50 Euro, eine kleinere Schale mit Salat 1 Euro. Dieser kleine Salat ist immer im Preis des Mittagessens mit drin. Täglich essen ungefähr 100 Schulkinder in der Mensa sowie 40 Senioren.
Was essen die Kinder, die nicht in der Mensa bestellen?
Grundschule im Bildungshaus Hahle: Wer kein Mittagessen bestellt, ist „Brotdosenkind“. So wie Viertklässler Marlon Uhl und Laura Weddemann aus der dritten Klasse. Sie bekommen von ihren Eltern zum Beispiel kleine Pizzen, Wurstbrot, Salat und Käse mit. „Viele andere Kinder werden aber leider nicht so gut unterstützt“, sagt Schulleiter Marc Rohde.

Schulleiter Marc Rohde und Schulsozialarbeiterin Simone Bolten von der Grundschule im Bildungshaus Hahle vermitteln den Kindern die Grundlagen von gesunder Ernährung. Foto: Stehr
Seine Forderung: Gesundes Essen sollte allen Kindern kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Es dürfe nicht sein, dass Kinder aus finanziellen Gründen vom Mittagessen ausgeschlossen werden.
Geestlandschule Fredenbeck: Wie in Stade kann jeder sein mitgebrachtes Essen in der Mensa essen. Wie an Schulen üblich dürfen die Geestlandschüler während der Mittagspause nicht das Schulgelände verlassen und in Fredenbeck zum Supermarkt, Bäcker oder Imbiss gehen.
Und wer in der Schulzeit nichts isst und mit knurrendem Magen im Unterricht sitzt, kann oft auf seine Mitschüler zählen: Dörte Wellm erzählt, wie ein Schüler im Nachmittagsunterricht geweint hat, weil er bis dahin nichts gegessen hat. Ein Mitschüler gab ihm etwas aus seiner Brotdose, unter anderem einem Stück Schokolade.
Was gehört in eine Schulbrotdose - und was nicht?
Dabei sind sich alle einig: Wichtig sei vor allem, dass die Kinder überhaupt etwas essen. Leider komme es nämlich durchaus vor, dass manche Kinder gar nichts dabei haben. Am besten dürfen sie auch über ihr „Büfett in der Brotdose“ mitentscheiden. Zu empfehlen sind Vollkornbrot, das Lieblingsobst, Nüsse, dazu ein Müsli mit Joghurt oder Quark oder selbstgemachtes Porridge. Auch eine Süßigkeit dürfe mal sein.

28 Hände packen am Dienstag mit an, um das Essen für knapp 100 Schüler und 40 Senioren vorzubereiten. Foto: Meyer
Tabu sind Süßgetränke. Sie sind an der Grundschule im Bildungshaus Hahle komplett verboten.
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