TFredenbecks Badesee: Mit 78 noch auf der Suche nach neuen Abenteuern
Der Betreiber des Fredenbecker Badesees, Klaus Kläre, kann in Notfällen mit der Rettungsboje wie David Hasselhoff zur Hilfe eilen. Foto: Meyer
Klaus Kläre ist Pächter des Fredenbecker Badesees und originell wie speziell. Über einen Freigeist, die fantasievollen Fragen seines Lebens und die Zukunft am Badesee.
Fredenbeck. 13 Grad und ein bewölkter Himmel, das hat sich Klaus Kläre anders vorgestellt. Bei seinem Job ist er abhängig vom Wetter: viel Sonne und warme Tage spülen Geld in die Badesee-Kasse. Der Blick aufs Wochenende sollte ihn heiter stimmen.
Ebbe in der Kasse - die Laune bleibt gut
Der Pächter des Fredenbecker Badesees trägt eine grüne Arbeitshose, eine orangefarbene Jacke, einen grauen Pullover, darunter ein oranges Poloshirt. Seine Haare sind grau und weiß. Kläre sitzt mit seinen 78 Jahren in einem geflochtenen Gartenstuhl am Unterstand des Eingangsgebäudes.
Am 2. Mai ist die Badesaison gestartet. Sechs Gäste zählte Kläre am ersten Badewochenende, und an diesem milden Mainachmittag kommt kein weiterer dazu. Der Wetterabhängige lässt sich die Laune trotz Ebbe in der Kasse nicht verderben.
78-jähriger Buxtehuder tüftelt gerne
Seit neun Jahren betreibt der Buxtehuder den Badesee mit Freizeitaktivitäten wie Minigolf, Fußballbillard, Airhockey, einem Basketball- und einem Beachvolleyballfeld, Kinderkarussell, Liegeflächen und Grillplätzen sowie mit Imbiss und Bar.
Ein blaues Holzbrett dichtet ein Fenster der Bar ab. Darüber hängen bunte Getränkekarten und jede zeigt einen Cocktail: Zombie, Pina Colada oder Mai Tai. Für seine Gäste lässt er sich viel einfallen. Dabei fällt auf, dass er ein DIY-Typ ist - do it yourself, also: mach es selbst. Das war schon im Freizeitpark Nottensdorf so, wo ihm der Vertrag nicht verlängert wurde.

Keine Sonne und Wärme, keine Coktails: Am Badesee gehen Imbiss und Bar ineinander über. Bei gutem Wetter schüttelt Kläres Sohn hier Coktails, zudem helfen zwei Angestellte Klaus und Sylvia Kläre. Foto: Meyer
Gehen oder fahren Gäste durch das Eingangstor, fallen sofort bunte Reifen in Rot, Gelb und Grün auf, manche sind ohne Bemalung schwarz geblieben. Die Reifen sollen Tische und Sitze für Gäste sein, die auf seiner 18-Loch-Minigolfanlage die Bälle putten.

Früher war diese Minigolfanlage im Nottensdorfer Freizeitpark aufgebaut, den Kläre bis Januar 2023 betrieben hat. Foto: Meyer
Kein Rettungsschwimmer? Kläre macht es selbst
Selbst machen war auch das Motto, als die Samtgemeinde Fredenbeck ihm 2024 zunächst den Pächtervertrag kündigte, weil unter anderem eine zertifizierte Badeaufsicht fehlte.
Einen Rettungsschwimmer einzustellen wäre zu teuer gewesen - „da kann ich die Tür gleich zumachen“, so Kläre. Deswegen ließ er sich mit damals 76 Jahren zum Rettungsschwimmer ausbilden.

Nichts los, das könnte sich dieses Wochenende ändern: Das Wetter bestimmt, wie viel Leben am Badesee herrscht. 200 bis 300 Leute kommen an Top-Tagen für Kläre. Foto: Meyer
Die „Bild“-Zeitung verpasste Kläre daraufhin den Namen „Baywatch-Klaus“ und verglich ihn augenzwinkernd mit dem Rettungsschwimmer Mitch Buchannon aus der Fernsehserie „Baywatch“ alias David Hasselhoff. Bislang blieb der Badeseebetreiber und Rettungsschwimmer von einem dramatischen Vorfall, nämlich Besucher vor dem Ertrinken zu retten, verschont.
Spiritueller Kläre: „Ich habe mein Universum gefragt...“
Der Badesee alleine rechne sich nicht, sagt Kläre. In Buxtehude betreibt er zusätzlich einen Fahrradshop. Vormittags arbeitet er dort und nachmittags am Badesee. Trotz Rentenalters sei er mit seinen 78 Jahren darauf angewiesen, etwas zu verdienen, denn er habe nicht lange genug in Deutschland in die Rentenkasse eingezahlt, um davon leben zu können, erzählt er. Das liege an Südamerika.
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Der gebürtige Hamburger kann sich noch genau erinnern: Es war der 15. April 1950, als er als Zweijähriger mit seinen Eltern auswanderte. „Nach dem Zweiten Weltkrieg hat mein Vater gesagt: Hier ist alles kaputt. Wir gehen weg.“
Kläre fasst seinen Lebensweg zusammen: Jahre später kehrte er nach Deutschland zurück, weil er ein Stipendium bekam, damit in Essen studierte und Maschinenbauingenieur wurde. Nach dem Studium lebte er wieder in Ecuador, wo er in der Chemiebranche arbeitete und sich um Farbenherstellung kümmerte. Aus kuriosem Anlass besuchte er Hamburg in den 1980ern, er gibt Einblicke in seine Fantasie.

Klaus Kläre blickt in die Vergangenheit und auf seine Abenteuerlust. Foto: Meyer
„Ich meditiere auch gerne“, so Kläre. „Durch meine Meditation habe ich mein Universum gefragt: Wo ist die Frau meines Lebens?“ Die Antwort für ihn: Er werde sie in Hamburg in zwei Monaten kennenlernen. Kläre flog über den Atlantik in die Hansestadt, sei in einem Gebäude am Gänsemarkt eine Treppe hochgegangen und seine heutige Frau Sylvia ihm entgegengekommen. So Kläres Blick auf die Dinge.
Zusammen lebten sie in Ecuador, ehe das Paar 2001 in seine Geburtsstadt zog und endgültig nach Deutschland zurückkehrte. Kläre ist offenbar abenteuerlustig und wie er sich selbst bezeichnet: „kreativ“.
Warum Klaus Kläre gerne schuftet
„Ich bin 78, fühle mich aber wie ein 30-Jähriger“, sagt Klaus Kläre, der bald nach Neukloster ziehen will. Er will weitermachen am Badesee.

Die wichtigste Neuheit: Auf dem See schwimmt eine neu erweiterte Badeinsel. Foto: Meyer
Kläre liebt seinen Job dort: „Für mich ist das hier keine Verpflichtung, sondern eine Freude. Wir haben hier alle Elemente.“ Erde, Wasser, Luft und Feuer - wenn einer grillt.
Der 78-Jährige findet den Badesee paradiesisch. Allerdings sind einige Stellen aus der Zeit gefallen, zum Beispiel das Eingangsgebäude. Doch Kläre behauptet: „Das ist wirklich ein schönes Gebäude.“
Es hätte nur einen Eimer Farbe nötig, sagt der Aktivrentner. Das würde Klaus Kläre schon selbst machen, denn auch mit Farbe kennt er sich aus - dank seiner Abenteuerlust und Experimentierfreude.
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