TFredenbecks Siebenmeter-Spezialisten lieben diese Eins-gegen-eins-Duelle
Justin Rundt jubelt nach einer starken Parade. Foto: Struwe (nomo)
Siebenmeter können Spiele mitentscheiden. Wie viele gehen im jetzigen Heimspiel in die Statistik ein? Fredenbecks Justin Rundt und Jan Möller erklären die Drucksituation.
Fredenbeck. Siebenmeter sind im Handball für die Fans, aber auch für die Spieler, elektrisierende Momente. Sie können Spiele entscheiden, sorgen aber stets für erhöhten Pulsschlag bei den beteiligten Spielern und Fans.
In der laufenden Saison bekam der VfL Fredenbeck in den bisher absolvierten 19 Spielen 75 Siebenmeter zugesprochen, knapp vier im Durchschnitt pro Spiel. 37 wurden gegen den VfL verhängt. 80 Prozent (60 von 75) aller Siebenmeter verwandelte der VfL, 19 Prozent (7 von 37) der gegen den VfL verhängten Siebenmeter wurden pariert.
Jan Möller gehört beim VfL Fredenbeck zu den Siebenmeter-Spezialisten. Foto: Potreck (nomo)
Linksaußen Jan Möller ist gemeinsam mit Daniel Pollak Spezialist für die Ausführung der Siebenmeter. Patzen beide, springt Mannschaftskapitän Pelle Fick ein. Jan Möller und Daniel Polak entscheiden vor Spielbeginn, wer den ersten Siebenmeter vollstreckt. Dabei geht es nach Bauchgefühl. Wer fühlt sich gut?
Besonderer Druck im Duell Eins-gegen-eins
Gewechselt wird in der Regel dann, wenn der Schütze ein zweites Mal patzt. Obwohl der Druck, Erfolg zu haben, klar beim Schützen liege, mache ihm der Siebenmeter Spaß, meint Möller. „Das ist ein persönliches Duell - Eins-gegen-eins. Niemand sonst hat Einfluss darauf“.
Dem stimmt Rundt zu. „So ein Duell zu gewinnen, ist schon was Schönes, ein enormer Schub für die ganze Mannschaft“. Der Druck beim Siebenmeter laste einseitig auf dem Schützen. „Klar, der Torwart kann nur gewinnen“, sagt Rundt.
Beide, Torwart wie Schütze, setzen alle Mittel ein, um ihr Gegenüber in die Irre zu führen. „Es macht Spaß mit dem Torwart zu spielen“, so Möller. Wenn Möller zum Siebenmeterstrich geht, beobachtet er den Torwart genau. „Stellt er sich weit raus, bleibt er hinten, bietet er eine Seite an?“ Er vermeidet dabei den Augenkontakt mit dem Torwart. Möller macht stets eine Antäuschbewegung. Die Entscheidung, welchen Wurf aus seinem Repertoire er wählt, trifft er aber erst bei der Beobachtung der Reaktion des Torwarts. „Dann entscheide ich aus dem Bauch heraus, wie ich werfe“.
Torhüter bereiten sich auf die Gegner vor
Für den Torwart beginnt die Siebenmeter-Parade nicht mit dem Schiedsrichterpfiff, sondern lange vorher in der Vorbereitung. Beim Torwart heißt das heute zu wesentlichen Teilen das Video-Studium von Spielen des jeweiligen Gegners. „Ich denke zuerst, wer wirft?“ Im Videostudium haben die Torwarte die in Frage kommenden Schützen analysiert. Versuchen Wurfmuster zu erkennen und sich darauf einzustellen.
„Jeder Siebenmeterschütze bildet ein Wurfmuster heraus,“ so Rundt. Dass müsse man in der Spielsekunde abrufen können. Man müsse dem Werfer eine Falle stellen. Er müsse in seiner Routine bleiben und nicht erkennen, dass der Torwart die entschlüsselt habe.
Siebenmeter könne man nur sehr begrenzt trainieren. Da sind sich Werfer und Torwart einig. Natürlich, so Möller, könne man Wurfvarianten als Solche trainieren, „aber die Situation, wenn es darauf ankommt, das ist etwas ganz anderes.“
Als Torwart könne man versuchen, sein Stellungsspiel zu variieren, man könne Abläufe automatisieren, „aber groß trainieren kannst Du es eigentlich nicht“, sagt Rundt. Heute sei, wiederholt der Keeper, das Video-Studium der Gegner entscheidend. „Das bedeutet für den Erfolg des Torwarts sehr, sehr viel“.
Außenspieler sind oft die besseren Siebenmeterschützen
Die Siebenmeterschützen der Mannschaften in der 3. Liga rekrutieren sich ganz überwiegend aus den Außenspielern. Warum ist das so? Für Justin Rundt ist es die Erfahrung der Außenspieler in Eins-zu-eins-Situationen, die sind sie gewohnt. Hinzu komme, dass die Distanzen zwischen Werfer und Torwart bei Aktionen von Außen oder dem Siebenmeterstrich mit 3 bis 4 Metern sehr ähnlich seien.
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Für Möller verfügen die Außen über mehr Wurfvarianten. Sie stünden als Spieler auf der Außenposition oft vor der Frage, „wie bekomme ich den Ball noch um den Keeper herum“.
Nicht alle Siebenmeter gelingen, zum Leid des Werfers, zur Freude des Torwarts. Rundt und Möller sind sich einig, dass der Misserfolg mit der nächsten Aktion schnell abgeschüttelt wird. Wichtiger sei der erfolgreiche Wurf oder die erfolgreiche Parade. Das freue den Spieler selbst, nähme aber die ganze Mannschaft mit.
Wie viele Siebenmeter gehen beim Heimspiel in die Statistik ein?
Am Sonnabend (19.30 Uhr) empfängt der VfL Fredenbeck den derzeitigen Tabellenzweiten und Aufstiegskandidaten TuS Vinnhorst. Vinnhorst, mit dem ehemaligen Fredenbecker Nikolaj Petrov im Tor, hat das Hinspiel mit 35:23 klar gewonnen. Der TuS braucht den Sieg, um die Aufstiegschancen zu wahren. Insgeheim hoffen die Fredenbecker, dem Favoriten ein Bein zu stellen - und dass sie dabei geballte Fanunterstützung haben.
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