TFrüh am Morgen: Buxtehudes größte Baustelle erwacht
Erst um 7 Uhr geht es auf der Baustelle richtig los. Bis dahin gibt es Baubesprechungen und Arbeiten in Innenräumen. Foto: Fehlbus
6 Uhr morgens: Es ist mucksmäuschenstill zwischen Kränen und Baugerüsten. Das Orchideenquartier ruht - bis ein Lkw vorfährt. Für Mensch und Tier beginnt ein neuer Arbeitstag.
Buxtehude. Zwei gelbe Blinkleuchten am Dach des Fahrzeugs kündigen den Schwertransport aus der Ferne an. Um 6.25 Uhr bewegt sich der Lkw mit einem Bagger auf dem Anhänger über die Baustraße im Buxtehuder Orchideenquartier. Insgesamt 27.200 Quadratmeter Grundstücksfläche, auf der Stück für Stück mehr als 250 Ein- bis Vier-Zimmer-Wohnungen entstehen. Bis 2028 soll alles fertig sein.
Auf gute Nachbarschaft: Die ersten Arbeiten sind leise
Langsam und leise bewegen sich die ersten Menschen und Fahrzeuge über die Baustelle. Es gibt eine Absprache mit den Nachbarn - vor allem die Siedlung Königsdamm ist nah: „Erst ab 7 Uhr wird mit den lärmintensiven Arbeiten begonnen“, erklärt Felix Martin, der Teil des Projektteams der HBI Hausbau-Immobiliengesellschaft mbH ist. Das Buxtehuder Unternehmen baut die Wohnungen, zum größten Teil für Investoren.

Der Spielplatz ist noch zweigeteilt: Der Teil vom Königsdamm wird schon fleißig bespielt. Der fertige Teil vom Orchideenquartier muss noch abgenommen werden. Foto: Fehlbus
Bis zu 600 Menschen werden im Orchideenquartier einmal leben. Der erste Bauabschnitt mit dem Hof Elbe hat 65 Wohnungen und ist seit Juni dieses Jahres vollständig bezogen. 49 Wohnungen des zweiten Bauabschnittes Hof Este folgen - alle Wohnungen sind auch hier bereits vermietet.
Grünachsen verbinden die Höfe auf ungewohnter Ebene
Hof Lühe, Hof Schwinge und einige Stadtvillen machen den Abschluss. Für die um Innenhöfe angeordneten Wohnkomplexe sind Elbe und Nebenflüsse Namensgeber. Am Ende wird kein Wasser zwischen den Gebäuden fließen, sondern Grün.
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Die Gartenanlagen in den Innenhöfen entstehen auf den großen Garagen, die Stell- und Ladeplätze für E-Autos und Fahrräder bieten.

An der Seite wird bald ein Erdwall auf den Innenhof führen. Der 25-Tonnen-Bagger wird hierfür gebraucht. Foto: Fehlbus
Zwischen den Höfen Este und Lühe fließen Wiesenflächen bald an den Seiten über Böschungen hinab - bis auf Bodenniveau - und an der anderen Seite wieder hinauf. Der Grund für diese aufwendige Begrünung liegt tiefer im Boden.
Torfschicht und CO2: Bauen auf und nicht im Boden
„Wir haben hier eine drei bis vier Meter dicke Torfschicht“, sagt Niels Kohlhaase, Referent der Geschäftsführung bei der HBI. Um möglichst kein Kohlstoffdioxid daraus freizusetzen, wurde nicht in die Erde, sondern darauf gebaut. Die Garagen sind ebenerdig befahrbar.

Der erste Innenhof ist schon fertig. Die Optik täuscht: Er befindet sich im ersten Stock, auf dem Dach der Garage. Foto: Fehlbus
Auf ihren Decken befinden sich mindestens 45 Zentimeter Erdboden. Am Hof Elbe läuft schon der Rasensprenger. Wer aus seiner Wohnung auf die Terrasse mit kleiner Buchenhecke geht, kann schnell vergessen, dass er ein Stockwerk höher steht.
Baustraße wird später durch Pflaster ersetzt
Während der Rasensprenger nur leise rhythmische Geräusche von sich gibt, muss René Boss einmal laut werden. Um 6.45 Uhr fährt er den Bagger vom Auflieger herunter.

René Boss fährt den 25-Tonnen-Bagger auf die Baustraße. Foto: Fehlbus
Früh morgens sind der Mitarbeiter von Hanse Baumaschinen und sein Hund Mailo in Braak in Schleswig-Holstein losgefahren. Nun muss die Durchfahrt im Orchideenquartier wieder frei gemacht werden.

Sie sind an diesem Morgen mit die Ersten auf der Baustelle: René Boss und sein Hund Mailo, der im Lkw immer mitfährt. Foto: Fehlbus
„Gut, dass wir hier eine Baustraße haben, die am Ende komplett zurückgebaut wird“, sagt Felix Martin und blickt auf die Spuren des Kettenantriebs, die der 25-Tonnen-Bagger im Asphalt hinterlassen hat. Am Ende wird die Straße durch das Quartier eine Pflasterstraße an allen Häusern entlang in Richtung einer neuen Streuobstwiese sein.
Einer von drei Kränen wird bald verschwinden
Ein weiterer Lkw bahnt sich seinen Weg in Richtung vierter Bauabschnitt. Er hat Kalksandstein geladen. Für den Hof Schwinge sind zwei Turmdrehkräne aufgebaut. Ein Kranführer sorgt in luftiger Höhe jeweils dafür, dass immer genug Material für Mauerwerks- und Stahlbetonarbeiten am richtigen Platz ist.

Ab dem 29. Juli werden nur noch zwei Kräne gebraucht. Foto: Fehlbus
Der dritte Kran wird planmäßig am Mittwoch, 29. Juli, zurückgebaut. Er steht mitten im Gebäude von Hof Lühe, von der Garage aus ist der Blick nach oben durch die Öffnung frei. Wenn das Kranloch frei ist, wird es planmäßig geschlossen.
Hof Lühe: Rohbauarbeiten vor dem Abschluss
In demselben Gebäude knirscht es aus einem Raum. Nichts für schwache Nerven: Basia Kapüscinska aus Polen trennt mit einem Werkzeug Styroporplatten an der passenden Stelle auf, legt routiniert das rechteckige Stück in die Lücke zwischen Wand und zweiter Reihe.

Basia Kapüscinska und ihre Kollegen verlegen schon seit 6 Uhr die Dämmung. Foto: Fehlbus
Sie und ihre Kollegen verlegen in Haus Lühe die Dämmung für den Fußbodenaufbau. Zwei dicke Schichten weißes Material, dann kommen Fußbodenheizung und Estrich darauf.
Die Rohbauarbeiten stehen unmittelbar vor dem Abschluss. Die Fenstermontage ist bereits abgeschlossen. In den Gebäuden, die mit Klinkersteinen verkleidet sind, werden derzeit Fensterbänke eingebaut. Parallel zur Herstellung des Estrichs werden Innenputzarbeiten ausgeführt.
Eine Frage der Taktung: Alles folgt einem Plan
Kurz vor 7 Uhr: Immer mehr Lkw und Wagen von spezialisierten Handwerksbetrieben aus der Region fahren auf Buxtehudes größter Baustelle vor. Alle Arbeiten sind aufeinander abgestimmt. „Dies ist ein wesentlicher Bestandteil der zur Ausführung kommenden sogenannten LEAN-Taktplanung“, erklärt Felix Martin. LEAN ist ein Managementansatz, der darauf abzielt, Prozesse effizient und reibungslos zu gestalten. Im Bauwesen wird dieser Ansatz genutzt, um einen schlanken und optimal abgestimmten Bauablauf sicherzustellen.
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Im Orchideenquartier wird aktuell an drei Gebäuden zeitgleich gebaut. Alle befinden sich in verschiedenen Bauphasen.
Jede Fachfirma muss ihre Termine genau einhalten
Küchen werden gerade verbaut, eine auch schon in das Gebäude des dritten Bauabschnitts. Hier wird in Kürze die neue Musterwohnung einziehen. Sie ersetzt die erste Wohnung für Besichtigungen aus Hof Elbe - ab da reiner Wohnraum.

Links wird schon gewohnt, rechts in LEAN-Taktung am Baufortschritt gearbeitet. Foto: Fehlbus
Der dritte Bauabschnitt wird im Frühjahr 2027 fertiggestellt. In wenigen Wochen - wohl noch im September - geht es schon mit dem Vermietungsstart hierfür los. Für Basia Kapüscinska und die vielen anderen Arbeiter auf der Baustelle heißt das: Sie müssen unbedingt rechtzeitig fertig werden. Nur dann kann der nächste Betrieb ebenfalls im Zeitplan bleiben.
Fünf Stadtvillen zum Schluss: Und alles klimaneutral
„Der vierte Bauabschnitt Hof Schwinge mit 50 Wohnungen wird im Sommer 2027 fertiggestellt“, erklärt Felix Martin. Im Jahr 2028 folgen dann als letztes die südlichen fünf Stadtvillen mit jeweils acht bis neun Wohnungen.
Eine Besonderheit hat das Quartier noch zu bieten: Am Ende wird das letzte große Neubaugebiet der Hansestadt Buxtehude „eines der ersten Deutschlands sein, das im Betrieb, einschließlich des Mieterstroms, bilanziell klimaneutral ist“, sagt Niels Kohlhaase.

Niels Kohlhaase (links) und Felix Martin betreuen für die HBI Buxtehudes größte Baustelle. Foto: Fehlbus
Auf der Baustelle gehen um Punkt 7 Uhr die Arbeiter zu ihren Einsatzorten. Jeder weiß, was er heute zu tun hat. Es ist noch kühl an diesem Morgen. Im Orchideenquartier, in dem schon auf einer Seite gewohnt wird, auf der anderen Stahl für Betondecken liegt, beginnt ein weiterer Tag für den Wohnungsbau.
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Der mittlere Kran nimmt ein Paket Dämmstoff an den Haken, hinauf aufs Dach, von dem der Blick bis zur Elbe reicht. Übrigens wissen diese Nähe auch tierische Bauarbeiter zu schätzen: In den Nistkästen an den Wänden von Hof Este wird fleißig für den Vogelnachwuchs eingerichtet. „Das ist Erstbezug in Eigenregie“, sagt Niels Kohlhaase zufrieden und lacht.
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