Umjubelter Schuss

TGastronom schreibt in Bremervörde Geschichte: Wieder Schützenkönig

Der neue König Nicholas Ipsen freut sich über die Gratulationen.

Der neue König Nicholas Ipsen freut sich über die Gratulationen. Foto: Theo Bick

Das gab es seit 1890 nicht mehr: Nicholas Ipsen krönt sich erneut zum Würdenträger. Das hat historische Ausmaße.

Von Thomas Schmidt 23.06.2026, 14:00 Uhr

Bremervörde. Bremervörde hat einen neuen Schützenkönig: Nicholas Ipsen konnte den fairen Wettkampf nach rund zwei Stunden für sich entscheiden. Königswürden sind für ihn kein Neuland: Bereits 2024 war der Zevener Gastronom Schützenkönig - ein historischer Moment.

Denn nach dem Zweiten Weltkrieg ist das noch keinem Schützen gelungen. Kommandeur Christian Harms muss nach dem umjubelten Königsschuss tief in die Geschichte der traditionsreichen Schützengesellschaft einsteigen, um den historischen Moment zu belegen: Denn nur im 19. Jahrhundert gab es drei Schützen, die zweimal Königswürden in Bremervörde trugen: Johann Friedrich Dauber im Gründungsjahr 1843/44 und 1865/66, Johann Carl Friedrich Döscher 1844/45 und 1848/49 sowie Christoph Tomforde 1888/89 und 1889/90.

„Papa, schieß nicht in den Sand!“

Doch bis zum Königsschuss in diesem Jahr ist es ein langer Weg für Nicholas Ipsen, der von seinen Freunden Nico genannt wird: Er muss sich gegen acht Mitstreiter durchsetzen und braucht 29 Schüsse bis zum Königsglück. Insgesamt werden sogar 86 Schüsse auf den sehr widerspenstigen Vogelrumpf abgegeben: Zwei Anwärter meinen es besonders ernst im Wettstreit um den Thron. Claus Bösch schießt insgesamt 21 Mal auf den Königsvogel - immer wieder angefeuert von seiner Tochter Tessa: „Papa, schieß nicht in den Sand!“, ermutigt sie ihren Vater.

Doch auch Christian Timme will es wissen: Sein Name wird von der resoluten Adjutantin Viviane Wellbrock insgesamt 25 Mal aufgerufen. Mit großer Entschlossenheit geht Timme zur Sache, sogar von „Tunnelblick“ ist die Rede bei seinen Schützenkameraden, als er mit ernstem Blick durch den Schießstand schreitet und zum Gewehr greift.

Auch „Hänschen“ Schlüter will es wissen - und feuert fünfmal auf den Rumpf.

Auch „Hänschen“ Schlüter will es wissen - und feuert fünfmal auf den Rumpf. Foto: Theo Bick

Auch „Hänschen“ Schlüter greift in das Geschehen ein und feuert insgesamt fünfmal auf den Rumpf, der sich allerdings nicht rührt, auch wenn einmal zumindest ein kleiner Feuerschein von aufmerksamen Schützen gesehen wird bei nächsten Fehlversuchen. Die Explosion bleibt allerdings aus. Auch Friedrich-Wilhelm „Fidi“ Topp, dessen Sohn Keke in der neuen Garde mitmischt, legt zweimal an - genauso oft versucht es Martin Preckel - vergeblich. Unterdessen heizt Gunnar Thomas seitens der Königsanwärtergruppe die Stimmung an und appelliert an weitere potenzielle Bewerber, sich zu trauen. Sein Appell bleibt nicht ungehört: Jeweils einmal feuern August Haase, Patrick Wellbrock und Ulf Werner auf den Rumpf.

Die Ungeduld wächst, die Spannung steigt

„Stimmt vielleicht etwas nicht mit der Sprengladung?“, wird gemunkelt. Kommandeur Christian Harms lässt die Ladung überprüfen. Es ist alles in Ordnung. „Zwei Schüsse haben die Ladung nur knapp verfehlt“, heißt es nach der Prüfung. Gleichwohl gibt Harms vor dem 67. Schuss ein paar heiße Tipps für die Anwärter: „Die Sprengladung befindet sich hinter dem schwarzen Rumpf“, sagt er augenzwinkernd unter dem Gelächter aller Akteure.

Doch dann wird er konkreter: „Die Ladung befindet sich auf der linken Seite. Und dann ungefähr in diesem Bereich“, deutet er mit Blick auf den Rumpf an. Das motiviert alle - und der Schützenkrimi geht weiter. Einige Zuschauer raufen sich die Haare. Und auch bei den Anwärtern sind die ersten Schimpfwörter zu hören, als sich der widerspenstige Rumpf nicht rührt.

Doch dann die Erlösung: Kurz vor 19 Uhr macht Nico Ipsen dem Treiben ein Ende - mit einem lauten Knall explodiert die Ladung und zerfetzt den Rumpf. Dieser Mann kennt sich schließlich aus mit Marathonwettkämpfen: 2024 wurden insgesamt sogar 110 Schüsse auf den Rumpf abgegeben. Und auch Ipsen brauchte seinerzeit mehr Versuche als in diesem Jahr: 2024 musste er 40 Schüsse abgeben, um zum ersten Mal in der Schützengesellschaft zu Bremervörde von 1843 König zu werden.

Die neue Garde im Überblick

Ring: David Christian Foerster. Krone: Gert Erxleben. Kragen: Joachim Stabel. Hals: Jöran Bertmann. Linke Kralle: Rico Gronitz. Rechte Kralle: Keke Topp. Reichsapfel: Jürgen Eberlin. Zepter: Friedo Meyer. Kopf: Andreas Hube. Schwanz: Robin Reck. Linker Flügel: Frank Burgdorf. Rechter Flügel: Bernd Jäkel.

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