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Kritik

T„Gefragt, Gejagt“-Star im Stadeum: Macht Wände ablecken wirklich schlauer?

Sonst stellt er in der ARD sein Allgemeinwissen unter Beweis: Sebastian Klussmann war im Stadeum zu Gast.

Sonst stellt er in der ARD sein Allgemeinwissen unter Beweis: Sebastian Klussmann war im Stadeum zu Gast. Foto: Buchmann

Sebastian Klussmann, besser bekannt als ARD-Jäger „Der Besserwisser“, gibt im Stadeum seine Geheimnisse preis. Doch der Abend bleibt so blass wie sein Hemd.

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Von Steffen Buchmann
Freitag, 13.02.2026, 16:00 Uhr

Stade. Zwei Fragen waberten wahrscheinlich durch viele Köpfe, als die Besucher am Mittwochabend das Stadeum betraten: Was wird Quiz-Profi Sebastian Klussmann auf der verkleinerten Studiobühne präsentieren - und welches Hemd wird er tragen?

Der 36-jährige Quizspieler ist ein Paradiesvogel der Fernsehwelt: Seit 13 Jahren misst sich der gebürtige Berliner in der beliebten ARD-Quizsendung „Gefragt - Gejagt“ als einer der sogenannten Jäger mit Hobby-Quizzern. Seine Markenzeichen: markige Sprüche und eine grelle Garderobe. „Klussi“ mauserte sich schnell zum Publikumsliebling. Kein Wunder also, dass sein Auftritt in Stade in Windeseile ausverkauft war.

Wie ein schelmischer Pädagogikstudent

Die Hemd-Frage klärt sich schnell: Kurzarm, sandfarben, mit flauschigen Stick-Palmen. Eine Besucherin äußert sich enttäuscht, vermisst die knalligen Farben und Tiermotive. Klussmann nimmt es mit Humor. Nach einer technischen Panne legt der „Besserwisser“, so sein Jägertitel, dann endlich los - mit einer Powerpoint-Präsentation.

Das Publikum auf der verkleinerten Studiobühne im Stadeum lauscht dem Vortrag des Quizexperten.

Das Publikum auf der verkleinerten Studiobühne im Stadeum lauscht dem Vortrag des Quizexperten. Foto: Buchmann

In der ersten Stunde füttert Klussmann die Hirne seiner Zuschauer mit Wissen über das Wissen. Er wolle kein Gedächtnistraining beibringen, um auf einer Party die Zahl Pi bis zur 37. Stelle aufzuzählen - „das ist aber definitiv ein netter Trick“.

Simpel gestaltete Folien mit Stichworten flackern über die Leinwand, immer wieder bildhaft flankiert: mal vom Grundriss des menschlichen Gehirns, mal ein Selfie mit Jäger-Kollege Sebastian Jacoby, mal ein Merkspiel-Video mit einem Schimpansen. Wie der Vortrag eines schelmischen Pädagogikstudenten.

Mehr Info als Entertainment

Klussmann beweist, dass er seine Materie durchdringt, sonst hätte er es wohl kaum zum Quiz-Europameister geschafft. Doch außerhalb des Fernsehgerätes wirkt sein Programm blass, genau wie sein Palmenhemd. Die Studiobühne bietet eine heimelige Atmosphäre zum Anfassen, immer wieder tritt der Quiz-Experte humorvoll mit seinen Fans in Kontakt. Überwiegend bleibt er in der ersten Hälfte beim Frontalunterricht - mehr Info als Entertainment.

Der TV-Quizzer Sebastian Klussmann stand dem Publikum im Stadeum Rede und Antwort.

Der TV-Quizzer Sebastian Klussmann stand dem Publikum im Stadeum Rede und Antwort. Foto: Buchmann

Interessant wird der Vortrag, wenn Klussmann seine „Wissenshacks“ mit dem Publikum teilt. Diese offenbaren das Geheimnis hinter seinem breiten Allgemeinwissen: Lernen kann man überall. Etwa beim Spazieren durch die Stadt kann man sein Gehirn trainieren, indem man etwa nach Personen benannte Straßen nachschlägt, die man nicht kennt.

An einer Wand lecken vermittelt auch Wissen

Oder wenn er mehr über eine unbekannte Kultur lernen will, greift er nicht zum Buch - sondern zur Speisekarte in einem landestypischen Restaurant. Die polnische Salzmine Wieliczka hat der Weltenbummler sich erschmeckt - wie ein Foto beweist, auf dem er an einer Minenwand leckt. „Seitdem bekomme ich Fotos von Fans, die an Dingen lecken“, verrät er - nach diesem Abend bestimmt wieder einige mehr.

Mit Papier und Stift bewaffnet, durften die Zuschauer fleißig mitquizzen.

Mit Papier und Stift bewaffnet, durften die Zuschauer fleißig mitquizzen. Foto: Buchmann

Genügend schlafen, jeden Tag ein neues Wort lernen, Lebensmittelverpackungen im Supermarkt studieren: Die Liste mit Wissenshacks füllt sich, manch einem entfleucht ein hörbares „Uff“. Der Aha-Effekt dürfte bei den meisten nach wenigen Tagen wieder verpuffen. Denn mitgeschrieben hat wohl kaum jemand - und das Handout verkauft Klussmann nur in Buchform.

Eine Runde Quizzen mit dem TV-Star

Nach der Pause fordert der Quiz-Profi sein Publikum zum Wettbewerb heraus - wieder mit einer Powerpoint-Präsentation. Das Rätselfeld überlässt Klussmann den Menschen auf den Rängen, er selbst gibt den Quizmaster.

In typischer Pubquiz-Manier mit Zettel und Bleistift grübelten die Zuschauer über den Fragen des Meisters - von italienischen Komponisten mit nudelähnlichen Namen bis zu einer nach Trump benannten Motte. Die zuvor erlernten Wissenshacks bringen hier niemanden weiter, hier geht es um die reine Rätselfreude - und einen kleinen Geschenkbeutel für den Erstplatzierten.

Der Abend mit dem Quiz-Profi bleibt am Ende ein kurzweiliger. Klussmann hat sich bemüht, den Stellenwert des Allgemeinwissens entgegen der trendigen Wissensauslagerung in Google und KI wieder anzuheben. Und das mit Recht, denn wie er selbst sagt: „Wissen ist das Fundament und der soziale Kitt einer demokratischen Gesellschaft“ - und er sei froh angesichts der Weltlage, noch in solch einer leben zu können.

Und egal, ob jemand aus diesem Abend mitnimmt, wie das neuronale Netz unseres Gehirns funktioniert oder dass Sebastian Klussmann sich Aaron Taylor-Johnson als neuen James Bond wünscht: Am Ende ist Wissen immer Macht.

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