Zähl Pixel
Phänomene der Natur

TGeheimnis im Tümpel: Warum ein Frosch eine Woche blau macht

Der Blaumacher: Das Moorfroschmännchen nimmt für etwa eine Woche eine Blaufärbung an. Die moorigen Laichplätze der Frösche sind aber selten geworden.

Der Blaumacher: Das Moorfroschmännchen nimmt für etwa eine Woche eine Blaufärbung an. Die moorigen Laichplätze der Frösche sind aber selten geworden. Foto: hajo-naturfoto

Moorfroschmännchen setzen auf grandiose Farbenpracht. Für etwa eine Woche zeigen sie sich in knalligem Blau oder gedecktem Blaugrau. Das Geheimnis hinter den Farbtönen.

Von Kurtze Samstag, 07.03.2026, 13:00 Uhr

Landkreis. Moorfrösche gehören zu den seltenen Fröschen in Deutschland. Diese Frösche sind – der Name verrät es – an ein Leben im Moor angepasst. Zum Laichen im Frühjahr mögen sie flache Teiche und Tümpel, die nicht tiefer als 30 Zentimeter sind. Auch überschwemmte Wiesen werden als Laichgewässer angenommen.

Biotope auf der Geest sind selten geworden

Das Wasser kann moorig und angesäuert sein. Aber es darf nicht zu sauer sein und mit Stickstoff angereichert werden, sonst sterben die Laichballen ab. Solche Biotope finden die früher häufigen Moorfrösche auf der Stader Geest nur noch selten. Entwässerungen oder industrielle Landwirtschaft sind dabei, den letzten Beständen den Garaus zu machen.

Auffallend ist die Umfärbung der Froschmännchen im Frühjahr: Wenn die nur etwa sieben Zentimeter langen Frösche nach dem Winter aufwachen, haben sie es sehr eilig, zum Laichgewässer zu kommen.

Männchen stellen sich farbenprächtig zur Schau

Die Männchen sehen wie die Weibchen zunächst unscheinbar grünbraun aus und ähneln in ihrer Färbung den Grasfröschen. Haben sie aber ihr Gewässer gefunden, verwandeln sich die Männchen innerhalb weniger Tage zu Blaumännern. Höchstens eine Woche bleibt die Blaufärbung erhalten – und schon ist die Farbenpracht verschwunden.

Der Blaumacher: Ein Moorfrosch mit auffälliger Farbgebung.

Der Blaumacher: Ein Moorfrosch mit auffälliger Farbgebung. Foto: hajo-naturfoto

So ein grandioses Zurschaustellen ist selten im Tierreich. Doch wozu dieses Naturspektakel? Es gibt zwei Erklärungen, so dachte man. Erstens: Männchen wollen Weibchen auf sich aufmerksam machen, denn es ist ja Balzzeit. Oder zweitens: Männchen konkurrieren untereinander und zeigen ihre Dominanz durch auffällige Färbung. Doch so einfach ist es nicht.

Ein Frosch der leisen Töne

Beim Vergleich der Moorfrosch-Gewässer zeigt sich, dass einige Tümpel auffällig viele blau gefärbte Männchen beherbergen, andere deutlich weniger. Auch die Variabilität unter den Männchen kann gewaltig sein. Neben wunderschön strahlenden Blaumännern balzen auch graublaue Männchen. Und auch diese finden Partnerinnen. Aber die Blaufärbung unter Moorfrosch-Männchen könnte wichtig sein.

Denn Schallblasen zum Quaken und geräuschvollen Imponieren haben sie nicht. Moorfrösche können nur leise Töne von sich geben. Es hört sich an, als würde eine Flasche unter Wasser gesetzt, aus der Luftblasen blubbernd und glucksend aufsteigen. Das ist nicht beeindruckend.

Frösche hüpfen zum Sommerrevier

Kaum sind Umfärbung zum Blaufrosch und Paarung erledigt, dann erfolgt genauso schnell die Ablage von Laich. Nach nur einer Woche oder zehn Tagen ist das Farbenspektakel vorbei. Die Männchen sind wieder braungrün. Weibchen und Männchen hopsen ihres Weges und besuchen nun ihre Sommerreviere außerhalb des Laichgewässers

Frösche brauchen ein Laichplatz-Netz

Moorfrosch-Bestände zu sichern, ist herausfordernd. Moorfrösche überleben nur, wenn möglichst viele Laichgewässer vorhanden sind und wie ein Netz untereinander in Verbindung stehen. Günstig ist es, wenn in einer Entfernung von höchstens 500 Metern Laichplätze vorhanden sind. Schwierig wird es, wenn diese zerstört werden und weiter als einen Kilometer voneinander entfernt sind.

Vielleicht können sich diese Froschinseln ein paar Jahre halten und die Frösche das Alleinsein überstehen. Ein Moorfrosch kann unter günstigen Bedingungen ein stattliches Alter von zwölf Jahren erreichen.

Doch nur ein paar nacheinander folgende Trockenphasen im Frühjahr oder die Zerstörung des Laichs können einen Bestand schnell auslöschen. Was tun? Auf moorigen Wiesen neue Laichgewässer anlegen? Das ist teuer und in der Regel mit erheblichen Hindernissen verbunden.

Buch und Serie

Was kreucht und fleucht in der Region? Wolfgang Kurtze, Vorsitzender der Lions-Naturschutz-Stiftung, schreibt über Phänomene und Kuriositäten in der Natur. Das TAGEBLATT veröffentlicht die Artikel des promovierten Biologen in loser Reihenfolge. Die erfolgreiche TAGEBLATT-Serie „Phänomene der Natur“ rückt kurzweilig Wissenswertes aus der Natur in den Mittelpunkt. Der zweite, reich illustrierte Band von Wolfgang Kurtze ist für 19,90 Euro im Buchhandel erhältlich. Herausgeber ist die Lions Stiftung Stade zur Förderung des Natur- und Umweltschutzes.

Copyright © 2026 TAGEBLATT | Weiterverwendung und -verbreitung nur mit Genehmigung.

Die Redaktion empfiehlt
Weitere Artikel