TGeisterautos in Stade: Ein Fall ist ziemlich kurios
Dieses Auto steht schon seit Mitte Juli an der Kreuzung L111/Altländer Straße. Foto: Richter
Ein Geisterauto steht seit Wochen an einer vielbefahrenen Kreuzung, ein anderes steht schon wesentlich länger auf einem öffentlichen Parkplatz - aus überraschendem Grund.
Stade. Der silberne Mercedes Vaneo dürfte schon vielen aufgefallen sein. Seit mehreren Wochen steht das Fahrzeug auf dem Grünstreifen mitten an der Kreuzung L111/Altländer Straße - ohne Kennzeichen und umwickelt mit einem blau-weißen Polizeiband.
Ohne Fahrerlaubnis unterwegs gewesen
Der Fall ist schnell aufgeklärt. Auf TAGEBLATT-Anfrage teilt Polizeisprecher Rainer Bohmbach mit, dass der Fahrer des Wagens am 19. Juli angehalten wurde. Das Fahrzeug mit HH-Kennzeichen sei ohne gültige Hauptuntersuchung mit gefälschter TÜV-Plakette unterwegs gewesen. Der Fahrer habe keine gültige Fahrerlaubnis gehabt. Deshalb seien die Kennzeichen beschlagnahmt und das Auto dort abgestellt worden. Der mutmaßliche Halter sei aber bis heute nicht zu erreichen.
T Geister-Auto auf der A26: Deshalb wird es nicht abgeschleppt
Weil das Auto auf Hollern-Twielenflether Gebiet steht, ist deshalb jetzt die Samtgemeinde Lühe zuständig. Wäre das Fahrzeug ein paar Meter weiter abgestellt worden, müsste sich die Hansestadt Stade kümmern. Inzwischen wurde ein roter Aufkleber an der Windschutzscheibe angebracht. Diese öffentliche Aufforderung gibt dem Halter einen Monat Zeit, sein Fahrzeug zu entfernen, teilt Dirk Grusdas, Ordnungsamtsleiter in Lühe, mit.
Er rechne aber nicht damit, dass das passiert. Deshalb werde die Samtgemeinde das Auto wohl auf Kosten des Steuerzahlers abschleppen lassen müssen. Das allein koste etwa 250 Euro. Hinzu kommen Kosten für die Verwahrung des Fahrzeugs oder die Verschrottung sowie der Verwaltungsaufwand.
Es sei ärgerlich, dass für solche Fälle wichtige Dinge liegen bleiben müssten, sagt Grusdas. Seit seinem Amtsantritt vor acht Monaten sei dies das zweite Geisterauto, um das er sich kümmern müsse.
Was ist mit der Mini-Fahrerin passiert?
Weniger ärgerlich, dafür aber umso kurioser ist der Fall eines Geisterautos auf dem öffentlichen Parkplatz am Schwimmbad Solemio in Stade. Hier steht - laut einem TAGEBLATT-Leser bereits seit anderthalb Jahren - ein weinroter Mini mit Hamburger Kennzeichen.

Dieser Mini steht offenbar seit anderthalb Jahren am Solemio-Parkplatz. Foto: Stehr
Wer genau hinschaut, bekommt den Eindruck, dass der Wagen länger nicht gewaschen und bewegt wurde. Am linken Vorderreifen wuchert Unkraut, besonders der hintere Bereich ist grünlich verschmutzt, das Gummi vom Scheibenwischer hängt herunter.
Auf dem Beifahrersitz liegt eine Sitzerhöhung. Zwei Feuerzeuge, Kaugummis, ein Müsliriegel im Rückbankbereich und eine angebrochene Wasserflasche im Fußraum sind zu erkennen.

Die TÜV-Plakette des Minis ist im Mai 2025 abgelaufen. Foto: Stehr
Jeder, der in die Windschutzscheibe guckt, entdeckt zudem ein Schreiben mit der vollständigen Adresse einer in Stade gemeldeten Frau. Sie hat eine Ausnahmegenehmigung und darf mit dem Mini an Parkscheinautomaten im gesamten Innenstadtbereich gebührenfrei und ohne zeitliche Begrenzung parken. Datiert ist das Schreiben auf Oktober 2024. Die TÜV-Plakette am Wagen ist im Mai 2025 abgelaufen.
Der TAGEBLATT-Leser fragt sich: Lebt die Frau noch? Was ist mit ihr passiert? Es sei traurig, dass sich offenbar niemand für den Fall interessiere. Er habe das Ordnungsamt bereits vor zwei Monaten darauf hingewiesen.
Wie das Auto auf den Solemio-Parkplatz kam
Das Fahrzeug sei der Stadt nicht bekannt, teilte Stadtsprecher Stephan Voigt zunächst auf TAGEBLATT-Nachfrage mit. Er wolle veranlassen, dass die Verkehrsüberwacher sich den Mini einmal angucken.
Dann stellte sich plötzlich heraus: Das Auto ist der Stadt sehr wohl bekannt.
Es sei in der Altstadt aufgefallen, weil die Parkgenehmigung abgelaufen war. Die Halterin reagierte nicht auf eine Aufforderung der Stadt, die Genehmigung zu erneuern. Deshalb sei der Mini Anfang 2025 auf den öffentlichen Solemio-Parkplatz geschleppt worden, so Voigt. Um der Halterin Zeit zu geben, zu reagieren. Doch der Mini wurde zum Geisterauto.
Solange das Fahrzeug keine Gefährdung darstelle oder abgemeldet sei, gebe es keine gesetzliche Regelung, wie lange es im öffentlichen Raum abgestellt werden dürfe, erklärt Stephan Voigt dazu.
Im Fall des Minis ist allerdings die TÜV-Plakette abgelaufen. Somit könnte hier jetzt der Landkreis eingreifen und eine Zwangsstilllegung veranlassen, bestätigt Kreissprecher Daniel Beneke. Die Stadt hätte dann einen Grund, den Wagen auf Kosten der Halterin abschleppen zu lassen. Das Auto würde dann auf dem Gelände des Abschleppdienstes verwahrt, mit täglich anfallenden Aufbewahrungskosten.
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