THat der Wolf das gerissene Reh ins Neubaugebiet gejagt?
Im Neubaugebiet Am Medembogen prägen Familien das Stadtbild. Hier kam es jetzt zum Riss eines Rehs. Foto: Kramp
In Otterndorf wirft ein Tierkadaver Fragen auf. Der Wolfsberater wurde alarmiert, die Schäfer seien nervös.
Otterndorf. Ein totes Reh, offensichtlich gerissen, ist laut Informationen der „Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe Zeitung“ in der vergangenen Woche vor einem Gartenzaun aufgefunden worden - und das nicht irgendwo, sondern direkt am Otterndorfer Neubaugebiet Am Medembogen. Hat sich dort in unmittelbarer Siedlungsnähe ein Wolf seiner natürlichen Nahrungsquelle bedient?
Das soll nun eine vom Wolfsberater genommene DNA-Probe klären, hieß es dem Bericht zufolge aus Kreisen der Jägerschaft. Die Revierförster der Landwirtschaftskammer Niedersachsen sind nur für die Begutachtung von Nutztierrissen und nicht bei derartigen Wildtierrissen zuständig.
Familiär geprägte Idylle
Junge Familien prägen dieses Viertel Am Medembogen. Die Umgebung wirkt dort ein bisschen wie Bullerbü. Die Kita ist nahe des Eingangsbereichs, der Spielplatz mittendrin. Die meisten Straßen sind extra als Spielstraßen konzipiert. „Achtung Kinder“-Schilder und Puppenaufsteller am Straßenrand mahnen Autofahrer zur Vorsicht.
In etlichen der Gärten zeugen Schaukeln, Rutschen und jede Menge Spielgeräte auf dem Rasen von einem kinderfreundlichen Aufwachsen.

Das Baugebiet Am Medembogen steht für Idylle in Otterndorf. Foto: Mangels
Auch die Jugendherberge, die junge Gäste in die Medemstadt bringt, befindet sich in der Nachbarschaft, ebenso wie das Feriengebiet hinter dem Elbdeich.
Wie verhalten?
T Wenn der Wolf kommt: Hände hoch und groß machen
„Wir Schafhalter sind nervös“
Apropos Deich: Bei Schäfer Thomas Reinecke herrscht Sorge. Er ist in Alarmbereitschaft: „Wir Schafhalter werden nervös. Unsere Tiere laufen jetzt am Deich in Otterndorf und eine Anwohnerin hat dort schon vorige Woche Wolfsgeheul gehört …“ Seine 53 Muttertiere und Lämmer befinden sich gegenwärtig an der Besenhalmer Trift; ein weiterer Schafhalter hat seine Herde direkt in Strandnähe laufen. Für Wölfe sind das keine Entfernungen.
Besorgte Anwohner - Sondersitzung der Politik
Die SPD-, Grünen-, Rennebeck-Gruppe hat angesichts der Wolfsdiskussion eine kurzfristig einberufene Sitzung des Bau- und Umweltausschusses beantragt. Dabei solle es ausschließlich darum gehen, eine sachliche Aufklärung zu liefern und einen Experten zu hören. „Wir möchten die Bevölkerung informieren“, erläutert der Ausschussvorsitzende Peter Martin Stelzenmüller auf Nachfrage unseres Medienhauses. Es gehe dabei auch um Zuständigkeiten von Landkreis und Land sowie um das geänderte Bundesjagdgesetz.
Daher solle diese außerplanmäßige Sitzung auf jeden Fall stattfinden- unabhängig von der notwendigen Feststellung, ob ein Wolf tatsächlich für diesen Riss verantwortlich war. Die Einberufung einer Sitzung hat wegen der Ladefristen mindestens einen Vorlauf von acht Tagen.
Heitsch: „Fordern wolfsfreie Zonen“
Florian Heitsch als Geschäftsführer des Hadelner Deich- und Gewässerverbandes hat vor allem die Deichsicherheit im Blick. Und betrachtet daher den Vorfall mit Argusaugen, weil sich der Deich in der Nähe des mutmaßlichen Wolfsrisses befindet: „Uns ist wegen der notwendigen Beweidung eine wolfsfreie Zone und ein aktives Wolfsmanagement wichtig“, unterstrich er auf Nachfrage. Dies mache sein Verband auch immer wieder an betreffenden Stellen deutlich. Eine derartige wolfsfreie Zone würde das neu beschlossene Bundesrecht hergeben, müsse jetzt aber auf Landesebene ausgestaltet werden, hofft Heitsch auf eine zügige Umsetzung im Sinne der Deichschäfer: „Da muss jetzt mal was kommen.“
Bezüglich des Verdachtes, dass ein Wolf in der Nähe des Neubaugebiets umhergestreift war und möglicherweise das Reh gerissen habe, kann Heitsch nichts Neues sagen: „Tatsächlich habe ich von niemandem gehört, der einen Wolf hier in der Nähe gesehen hat.“ Der Verbandsgeschäftsführer ist selbst Anwohner im Viertel Am Medembogen.
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