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TGerüchte, Wechsel, Torwarttore - auch das ist Stader Hallenzauber

Der Heeslinger SC gewinnt das Finale gegen Titelverteidiger D/A II.

Der Heeslinger SC gewinnt das Finale gegen Titelverteidiger D/A II. Foto: Struwe

Sieben Tore schießen die Männer im Schnitt pro Spiel beim Stader Hallenzauber. Sportlich spektakulär. Aber so ein Turnier birgt auch Geschichten abseits des Kunstrasens.

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Von Daniel Berlin
Montag, 12.01.2026, 00:20 Uhr

Stade. Der Fußball-Oberligist Heeslinger SC hat beim Stader Hallenzauber am Samstag den Sparkasse Stade-Altes Land Cup gewonnen.

Im Finale setzte sich die Mannschaft von Trainer Malte Bösch in dem Sportcampus in Riensförde gegen den Landesligaspitzenreiter und Titelverteidiger SV Drochtersen/Assel II im Neunmeterschießen durch. Dritter wurde Landesligist Bornreihe nach einem Erfolg im Neunmeterschießen gegen den Ligarivalen SV Ahlerstedt/Ottendorf.

Heeslingens Trainer Malte Bösch musste die Nachricht, dass sein Vertrag nicht verlängert wird erstmal verdauen.

Heeslingens Trainer Malte Bösch musste die Nachricht, dass sein Vertrag nicht verlängert wird erstmal verdauen. Foto: Struwe

Mit der Entscheidung der Vereinsführung, dem Trainer ab nächstem Sommer keinen neuen Vertrag anzubieten, beginnt für Heeslingens Oberliga-Coach Malte Bösch die Abschiedstour eben beim Hallenzauber. Die Nachricht ist noch frisch.

Und so richtig verstanden haben sie die wenigsten. „Aber es fühlt sich nach einigen Tagen nicht mehr so hart an“, sagt Bösch. Für den 35-Jährigen ist es eine neue Erfahrung. „Tag für Tag wurde es besser“, beschreibt Bösch seine Gefühlslage. Jede Nachricht, jeder Anruf haben ihn aufgemuntert. „Ich wusste gar nicht, dass ich so viele Kontakte im Handy habe.“

Heeslingen fertig den TuS Harsefeld ab

Seine Frau sagt, wenn gute Angebote kämen, könne er ruhig eine Stunde zum Training fahren. Bösch lebt mit seiner Familie in Kakerbeck bei Harsefeld. Fußball, sagt er, sei kein Job. Da ist er Lehrer.

Fußball sei Leidenschaft. Und seine Familie trägt das leidenschaftlich mit. Bösch hat sich vorgenommen abzuwarten. Er muss nicht unbedingt Cheftrainer sein, vielleicht auch Co. Hauptsache etwas Ambitioniertes mit Potenzial.

Der Landesligist TuS Harsefeld ist in der ersten Begegnung gegen Heeslingen überfordert. Böschs Mannschaft schenkt dem Team von Trainer Nico Matern neun Tore ein. Harsefeld spielt mit einer Rumpftruppe. Zeitgleich kicken einige Spieler bei einem anderen Turnier.

Matern verfolgt das Geschehen von der Tribüne aus. „Die schaffen das schon allein“, sagt Matern. So ganz Recht wird er damit nicht behalten. Harsefeld gewinnt beim Hallenzauber kein einziges Spiel und verliert auch das Spiel um Platz sieben mit 1:5 gegen Victoria Hamburg. Um Matern ranken sich derweil Gerüchte.

Der Harsefelder will am Ende der Saison beim TuS aussteigen. Matern spielte einst in Heeslingen. Da liegt es nahe, dass einer wie er als Bösch-Nachfolger wenigstens ins Gespräch kommt. Aber in die Karten schauen lässt er sich nicht. Gibt es schon Angebote? „Mein Telefon steht auf Flugmodus“, sagt er lächelnd.

Hospitanz beim Ex-Coach in New Mexico

Matern will „einen Schritt weiter gehen“. Wohin auch immer. Das macht er nicht an einer Liga fest. Coach an einem Nachwuchsleistungszentrum wäre auch ein Schritt. Er sagt, er setzt sich keine Deadline für seine Entscheidung, was er ab Sommer machen wird.

Wenn Matern keinen Verein findet, bildet er sich erst mal weiter. Eine Hospitanz in New Mexico (USA) im Juni ist schon fix. Matern besitzt noch gute Kontakte in dem Land, in dem er einst kickte.

D/A-Keeper Fabian Klinkmann wird bester Torwart des Turniers.

D/A-Keeper Fabian Klinkmann wird bester Torwart des Turniers. Foto: Struwe

Matern stand einst auch in Drochtersen unter Vertrag. Die zweite Mannschaft der Kehdinger, als Titelverteidiger angereist, tut sich am Samstag in der Vorrunde schwer. Torhüter Fabian Klinkmann steht mehrfach im Fokus. Defensiv wie offensiv.

Klinkmann mag Hallenfußball. Es ist schnell, es gibt keine Pausen, es bleibt kaum Reaktionszeit. „Alle Schüsse kommen aus Nahdistanz. Es ist Dauerfeuer“, sagt Klinkmann. Mehrfach packt der D/A-Keeper starke Reflexe aus. Aber er spielt auch mit und wird durch seine Torgefahr zur taktischen Option.

Klinkmann holt sich die begehrte Trophäe

Gegen Victoria Hamburg schenkt Klinkmann dem gegnerischen Torwart beim 3:3 zwei Tore ein. Kein Mensch greift ihn auf halbrechter Position an. So geht sein strammer Rechtsschuss unten links ins Eck.

Zum 3:3 packt er einen richtigen Hammer aus. Aus 20 Metern. „Da hat sich ein Schussfenster aufgetan“, sagt Klinkmann so trocken wie sein Schuss. Am Ende wird Klinkmann bester Torwart des Turniers.

Eigentlich sind bei D/A andere für das Toreschießen zuständig. Kevin Ingreso zum Beispiel. Der Mann, der vor vielen Jahren für D/A spielte, in die Welt zog, in seiner philippinischen Heimat Karriere machte und im letzten Jahr zurückkehrte. Erst noch gehandicapt nach einem Kreuzbandriss startet der 33-Jährige jetzt durch.

Kevin Ingreso (links) ist bei D/A II Herz des Spiels.

Kevin Ingreso (links) ist bei D/A II Herz des Spiels. Foto: Struwe

Ingreso trifft auch im Finale gegen Heeslingen wunderschön. Vorher überzeugt seine Mannschaft beim 6:0 gegen Bornreihe im Halbfinale. Als Tabellenzweiter der Vorrundengruppe hatte sich Drochtersen für das Halbfinale qualifiziert.

D/A und A/O zeigen spektakuläre Tore

Ingresos Trainer Milan Schweiger lobt seinen Sechser in den höchsten Tönen. „Er ist ein Unterschiedsspieler“, sagt der Coach. Ingreso selbst will Führungskraft sein, dem Team helfen, seine Erfahrung einbringen. In der Landesliga ist Ingreso seit dem Derby gegen den VfL Güldenstern Stade gesetzt. Ende August spielte er am vierten Spieltag erstmals von Anfang an. Seitdem läuft es.

D/A II führt zur Winterpause die Landesliga an. Die SV Ahlerstedt/Ottendorf ist aktuell Zweiter. Beim Hallenzauber unterhalten beide Mannschaften die Zuschauer in der Vorrunde mit einem spektakulären 3:3-Remis. A/O gilt als eine fußballerische Topadresse in der Region. Derzeit flutet der Verein die sozialen Netzwerke mit Personalien.

Aus der U19 des JFV A/O/B/H/H wechselt demnach Jason Marahrens im Sommer in die erste Mannschaft. „Spielintelligent, technisch versiert“, beschreibt ihn Trainer Maximilian Künne. Außerdem sichert sich der Landesligist die Dienste von U19-Kapitän Laurens Otten. Der Verein hat im JFV einen großen Fundus von Talenten, die heiß sind auf die ersten Schritte im Männerfußball. Bereits im Winter wechselt Ole Rös von D/A II ins Auetal.

Gastgeber Stade verpasst knapp das Halbfinale

Laurens Otten hilft A/O beim Hallenzauber schon aus. Gegen den Gastgeber VfL Güldenstern Stade erzielt er in der Vorrunde beim 5:2-Sieg die ersten beiden Ahlerstedter Tore. Stade spielt gut mit als die Mannschaft, die auf dem Papier von allen Gegnern die schwächste ist.

Nach der Pleite gegen A/O schlägt der Landesligist den Oberligisten Victoria Hamburg mit 3:2. Nach einer 2:3-Niederlage gegen D/A II verpassen die Hausherren knapp das Halbfinale.

Ali Demirelli (Mitte) trägt wieder das Stader Trikot. Er wechselte vom TuSV Bützfleth zum Landesligisten.

Ali Demirelli (Mitte) trägt wieder das Stader Trikot. Er wechselte vom TuSV Bützfleth zum Landesligisten. Foto: Struwe

„Die Jungs hatten Bock“, sagt Stades Sportdirektor Metin Gök. Platz fünf in der Endabrechnung sei eine enorme Verbesserung zum letzten Platz im Vorjahr. Erstmals präsentiert sich Ali Demirelli nach seiner Rückkehr vom Kreisligisten TuSV Bützfleth im Stader Trikot.

Demirelli ist auch so eine Art Hoffnungsträger im Abstiegskampf der Landesliga. „Er ist bullig und bringt Tempo mit“, sagt Metin Gök. Dem Team habe ein wenig die Kreativität gefehlt. Der unkonventionell spielende Demirelli könne Spiele entscheiden.

Es geht zur Sache am Samstag beim Hallenzauber. Mehr als sechs Stunden Fußball satt. Fast sieben Tore fallen im Schnitt pro Spiel. Die meisten, sieben, schießt Enes Badur von A/O und erhält dafür einen kleinen Pokal. Jeremy da Rocha Nunes vom SV Bornreihe wählen die Mannschaften zum besten Spieler.

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