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Altländer Viertel

TGesperrtes Stader Hochhaus: „Es tat weh, alles zurückzulassen“

Haben in den vergangenen Monaten viel durchgemacht: Heidi Krause (links) und Silke Kurth aus dem inzwischen gesperrten Hochhaus im Altländer Viertel.

Haben in den vergangenen Monaten viel durchgemacht: Heidi Krause (links) und Silke Kurth aus dem inzwischen gesperrten Hochhaus im Altländer Viertel. Foto: Stehr

Die schlimmen Erlebnisse der vergangenen Monate haben Heidi Krause und Silke Kurth zusammengeschweißt. Gemeinsam suchen sie nun ein neues Zuhause.

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Von Lena Stehr
14.09.2026, 13:20 Uhr

Stade. Viele Jahre waren sie Nachbarinnen, inzwischen sind Heidi Krause und Silke Kurth die besten Freundinnen. Ihr Ziel: Die schreckliche Zeit in ihren Wohnungen im Altländer Viertel hinter sich lassen und gemeinsam noch einmal neu anfangen.

Die letzten Bewohner des Geisterhauses

Bis vor einer Woche lebten die 60 und 71 Jahre alten Frauen noch in dem Hochhaus in der Grünendeicher Straße 2, über das das TAGEBLATT seit Januar dieses Jahres immer wieder berichtet hat. Kinder im Altländer Viertel nennen es offenbar „das Geisterhaus“. Die Stadt hatte es am Dienstag wegen unhaltbarer Zustände für unbewohnbar erklärt, absperren lassen und alle Bewohner auf eigenen Wunsch in städtische Unterkünfte gebracht.

Ein Katzenkratzbaum und anderer Sperrmüll liegt rund um das für unbewohnbar erklärte Hochhaus an der Grünendeicher Straße.

Ein Katzenkratzbaum und anderer Sperrmüll liegt rund um das für unbewohnbar erklärte Hochhaus an der Grünendeicher Straße. Foto: Stehr

Die Freundinnen gehörten zu den letzten sechs Personen, die noch in dem 40-Parteien-Haus lebten - ohne Heizung und fließendes Wasser, dafür teilweise mit gesundheitsschädlichem schwarzem Schimmel an den Wänden.

Innerhalb der letzten Jahre soll es mehrere Eigentümerwechsel gegeben haben. Seit Juni 2025 kassiert die MMK Grundbesitz GbR aus Ahrensburg die Miete. Das Unternehmen hatte im vergangenen Jahr mit der Sanierung des Hauses begonnen - und immer wieder Druck auf Mieterinnen und Mieter ausgeübt, damit diese ausziehen.

Wegen unhaltbarer Zustände hat die Stadt das Hochhaus an der Grünendeicher Straße gesperrt und die Nutzung untersagt.

Wegen unhaltbarer Zustände hat die Stadt das Hochhaus an der Grünendeicher Straße gesperrt und die Nutzung untersagt. Foto: Stehr

Während viele andere Mieter flüchteten, harrten Heidi Krause und Silke Kurth in dem Geisterhaus aus, verbrachten viel Zeit zusammen und standen sich in ihrer Verzweiflung und Wut auf den Vermieter bei. „Wir haben von denen nie jemanden gesehen, denen geht doch am Hintern vorbei, was mit uns passiert“, sagt Silke Kurth.

Silke Kurth suchte sich Hilfe beim Amtsgericht

Zum Duschen ging sie einmal in der Woche zu einem Bekannten. Wenn sie auf Klo musste, lief sie zur Tankstelle oder zum Rewe-Markt. Weil der Schimmelbefall im Schlafzimmer zu stark war, schlief sie im Wohnzimmer. Als Silke Kurth vor drei Monaten merkte, dass sie alleine nicht mehr mit der belastenden Situation zurechtkam, hat sie sich beim Amtsgericht um einen gesetzlichen Betreuer bemüht. Er helfe ihr seitdem, ihre Angelegenheiten zu regeln.

Auf seinen Druck hin habe sie schließlich doch beschlossen, das Angebot der Stadt anzunehmen und in eine städtische Unterkunft zu ziehen. „Ich bin lungenkrank und musste einfach aus der Wohnung raus. Und Heidi musste natürlich mit“, sagt die Bürgergeldempfängerin und lächelt ihre Freundin an.

Zuletzt waren noch 5 der insgesamt 40 Wohnungen in dem Hochhaus in der Grünendeicher Straße bewohnt. Inzwischen sind alle Mieter in städtischen Unterkünften untergebracht worden.

Zuletzt waren noch 5 der insgesamt 40 Wohnungen in dem Hochhaus in der Grünendeicher Straße bewohnt. Inzwischen sind alle Mieter in städtischen Unterkünften untergebracht worden. Foto: Stehr

Die beiden teilen sich aktuell ein Zimmer in einem Haus, in dem insgesamt elf Menschen leben. Bis auf wenige persönliche Dinge und Kleidung konnten die Frauen nichts aus ihren Wohnungen mitnehmen. „Es tat weh, alles zurückzulassen“, sagt Heidi Krause. Die ehemalige Fabrikarbeiterin hatte sich ihr Zuhause in den vergangenen 23 Jahren mit viel Deko liebevoll eingerichtet.

„Heidi versucht jetzt auch, unser Zimmer gemütlich einzurichten“, sagt Silke Kurth. Auf der schmalen Fensterbank stehen grüne Plastikblumen, auf einem Beistelltisch sind Stoff-Orchideen und kleine Porzellanfiguren angeordnet. Sie können allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass beide Frauen noch längst nicht über das Erlebte hinweg sind.

Die Haustiere geben ihr Halt

„Ich habe im letzten halben Jahr 20 Kilo abgenommen, mir fehlt der Appetit“, sagt Heidi Krause. „Ich komme nicht zur Ruhe, schlafe schlecht. Was ich in der Grünendeicher Straße erlebt habe, möchte ich nie wieder durchmachen müssen“, sagt Silke Kurth. Halt geben ihr neben der guten Freundin auch Hündchen Daisy sowie die Katzen Minki und Angie. Die Tiere sind seit sechs Jahren an ihrer Seite.

Die Haustür ist versiegelt.

Die Haustür ist versiegelt. Foto: Stehr

„Ohne die drei wäre ich schon nicht mehr hier“, ist sie sich sicher. Deswegen sei sie auch unendlich dankbar, dass die Tiere mit in die Unterkunft durften. Das ist nämlich normalerweise nicht erlaubt. Auch viele Vermieter dulden keine Haustiere. Das treibt Silke Kurth und Heidi Krause um.

Die Freundinnen würden gern in einer Drei-Zimmer-Wohnung in Stade zusammen leben. Doch neben den Haustieren gibt es weitere Hürden. Die Frauen haben wenig Geld. Silke Kurth bezieht Leistungen von der Arbeitsagentur, Heidi Krause muss ihre Rente aufstocken. Das schränke die Möglichkeiten enorm ein.

Vom Vermieter wollen sie eine Entschädigung sowie Silke Kurths Kaution in Höhe von 900 Euro einklagen. „Irgendwie muss es weitergehen. Wir halten zusammen“, sagt Silke Kurth. Die beiden Frauen wollen die Hoffnung nicht aufgeben.

Rund um das abgesperrte, leerstehende Hochhaus in der Grünendeicher Straße liegt viel Müll.

Rund um das abgesperrte, leerstehende Hochhaus in der Grünendeicher Straße liegt viel Müll. Foto: Stehr

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