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Geflügelbetrieb

TGeti Wilba: 100 Entlassungen – Lage spitzt sich zu

Die Firma Geti Wilba ist auf Geflügelprodukte spezialisiert. Eigentlich sollte die Produktion von Bremervörde nach Cuxhaven-Altenwalde verlegt werden, aber der Umzug ist vorerst gestoppt.

Die Firma Geti Wilba ist auf Geflügelprodukte spezialisiert. Eigentlich sollte die Produktion von Bremervörde nach Cuxhaven-Altenwalde verlegt werden, aber der Umzug ist vorerst gestoppt. Foto: Sassen

Immer mehr Menschen müssen ihren Arbeitsplatz beim Geflügel- und Wildfleischverarbeiter verlassen. Ein Umzug ist vorerst gestoppt. Woran sich die Geschäftsführung klammert.

Von Christian Mangels 06.08.2026, 05:45 Uhr

Bremervörde/Cuxhaven. Die Lage beim Geflügelspezialisten Geti Wilba hat sich dramatisch zugespitzt. Etwa 100 Beschäftigte haben ihren Arbeitsplatz verloren. Geschäftsführer Michael Hermanns bestätigt die Entlassungen gegenüber „Cnv-medien.de“. Zugleich setzt das Unternehmen seine Hoffnung auf einen neuen Investor. Die ursprünglich geplante Verlagerung der Produktion von Bremervörde nach Cuxhaven-Altenwalde ist dagegen vorerst gestoppt.

„Wir befinden uns in einer relativ schwierigen Situation“, sagt Hermanns. Die Entlassungen seien den Betroffenen am vergangenen Freitag (31. Juli) mitgeteilt worden. Sie seien notwendig geworden, weil sich die Situation in den vergangenen Wochen „dramatisch entwickelt“ habe. Aktuell seien noch ungefähr 80 Mitarbeiter für Geti Wilba tätig, ein großer Teil von ihnen am Standort Bremervörde.

Die Belegschaft ist erheblich geschrumpft

Damit ist die Belegschaft binnen weniger Monate erheblich geschrumpft. Noch im Februar hatte Geti Wilba insgesamt rund 380 Beschäftigte - etwa 100 in Cuxhaven und 280 in Bremervörde. Schon damals hatte die Geschäftsführung betriebsbedingte Kündigungen angekündigt, konnte deren Umfang allerdings noch nicht beziffern.

Trotz der erneuten Hiobsbotschaft sieht Hermanns weiterhin eine Chance für das Unternehmen. Er befinde sich derzeit in konkreten Verhandlungen mit einem Investor. „Wir hoffen, zur Mitte des Monats eine gute Entscheidung für Geti Wilba hinzubekommen“, sagt der Geschäftsführer den „Cuxhavener Nachrichten“.

Den Namen des Interessenten will Hermanns zum jetzigen Zeitpunkt nicht nennen. Das sei während der laufenden Gespräche „nicht zielführend“. Sollte eine Einigung gelingen, könnten die verbliebenen circa 80 Mitarbeiter nach Hermanns‘ Darstellung Ende August unter einem neuen Eigentümer wieder in Cuxhaven arbeiten. Der Geschäftsführer und Wirtschaftsprüfer zeigt sich zuversichtlich, dass dies gelingen kann.

Mitarbeiter von Geti Wilba bei der Verarbeitung von Geflügel: Trotz der Entlassung von 100 Beschäftigten bleibt die Hoffnung auf einen neuen Investor bestehen, der die Zukunft des Unternehmens sichern könnte.

Mitarbeiter von Geti Wilba bei der Verarbeitung von Geflügel: Trotz der Entlassung von 100 Beschäftigten bleibt die Hoffnung auf einen neuen Investor bestehen, der die Zukunft des Unternehmens sichern könnte. Foto: Sassen

Zeit für die Verhandlungen verschafft sich das Unternehmen derzeit unter anderem durch die Verwertung des Warenlagers in Cuxhaven. Hermanns spricht von einer Art „Ausproduktion“. Die Erlöse daraus sollen den laufenden Betrieb im August finanzieren und damit die Zeit überbrücken, die für einen Abschluss mit dem Investor benötigt wird.

Sanierungspläne haben sich geändert

Fest steht bereits, dass die bisherige Schlachtung nicht fortgesetzt wird. „Schlachtung in Deutschland ist nicht mehr wettbewerbsfähig“, sagt Hermanns. Die Kochung soll dagegen erhalten bleiben. „Das ist unsere Strategie im August“, erklärt der Geschäftsführer. Als Kernprodukt und Hoffnungsträger gilt dabei das Hühnerfrikassee.

Damit haben sich die Sanierungspläne innerhalb weniger Monate grundlegend verändert. Noch im Februar hatte die Geschäftsführung angekündigt, den Standort Bremervörde weitgehend aufzugeben und Schlachtung sowie Produktion in Cuxhaven zu konzentrieren. Hintergrund waren unter anderem die mangelnde Auslastung der beiden Standorte, kostspielige Transporte zwischen Cuxhaven und Bremervörde sowie Doppelstrukturen.

Der Gläubigerausschuss hatte dem Konzept damals zugestimmt. Für den Ausbau des Cuxhavener Standorts sollte sogar noch einmal eine niedrige Millionensumme aus der Insolvenzmasse zur Verfügung gestellt werden. Der Umzug sollte ursprünglich bereits bis April abgeschlossen sein.

Der Bremervörder Standort der Geti Wilba GmbH sollte komplett an den Cuxhavener Standort verlegt werden.

Der Bremervörder Standort der Geti Wilba GmbH sollte komplett an den Cuxhavener Standort verlegt werden. Foto: Theo Bick

Schließung Bremervördes vorerst vertagt

Dazu kam es nicht. Nach Angaben von Hermanns gab es zwischenzeitlich einen Kundenverlust und technische Probleme. Zugleich erschwert die finanzielle Situation des insolventen Unternehmens weitere Investitionen. Schließlich hätten Sachwalter und Gläubigerausschuss die Verlagerung untersagt, weil dadurch nach ihrer Einschätzung weitere Insolvenzmasse verbraucht worden wäre. Die Schließung Bremervördes und der Umzug nach Cuxhaven wurden damit vorerst vertagt.

Am Montag nach Bekanntgabe der jüngsten Entlassungen lief der Betrieb in Bremervörde weiter. Auch die Mitarbeiter aus Cuxhaven seien zur Arbeit gekommen, berichtet Hermanns. Die verbliebene Mannschaft sei „hoch motiviert“ und voller Hoffnung.

Seit Jahren in einer schwierigen wirtschaftlichen Lage

Geti Wilba befindet sich seit Jahren in einer schwierigen wirtschaftlichen Lage. Bereits im Februar 2020 hatte das Traditionsunternehmen Insolvenz angemeldet. Wenige Monate später übernahm der von CMP Capital Management-Partners beratene „CMP German Opportunity Fund III“ das Unternehmen im Rahmen einer übertragenden Sanierung. Damals sollten alle 550 Beschäftigten in Bremervörde und Cuxhaven-Altenwalde übernommen werden. Angekündigt wurden Effizienzsteigerungen, Investitionen und eine Modernisierung.

Die erhoffte nachhaltige Wende gelang jedoch nicht. Im Februar 2026 räumte Hermanns ein, dass Geti Wilba seit der Übernahme durch CMP jährlich Verluste im niedrigen Millionenbereich geschrieben habe. Das Unternehmen habe nie den Punkt erreicht, Geld zu verdienen. Als Gründe nannte er unter anderem die Folgen der Corona-Pandemie, den Ukraine-Krieg, zeitweise extrem gestiegene Gaspreise und die Vogelgrippe. Für Investitionen vorgesehenes Geld habe deshalb zum Ausgleich von Verlusten eingesetzt werden müssen.

Gewerkschaft (NGG) hat noch keine Informationen

Bei der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) lagen nach Angaben ihres Geschäftsführers für die Region Bremen-Weser-Elbe, Björn Bauer, zunächst noch keine näheren Informationen zur jüngsten Entwicklung bei Geti Wilba vor. Die NGG stehe jedoch bereit, ihre Mitglieder „mit rechtlicher Beratung und Rechtsbeistand“ zu unterstützen, teilte Bauer auf Nachfrage der „Cuxhavener Nachrichten“ mit.

Für die verbliebenen Beschäftigten richten sich die Blicke nun vor allem auf die laufenden Investorengespräche. Die kommenden Tage könnten darüber entscheiden, ob Geti Wilba nach Jahren wiederkehrender Sanierungsversuche noch einmal eine Perspektive erhält. Geschäftsführer Michael Hermanns jedenfalls will die Hoffnung nicht aufgeben.

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