TGewalt gegen Frauen: Buxtehude denkt über zusätzlichen Schutzraum nach
Frauen, die Opfer häuslicher Gewalt sind, bietet die Stadt Buxtehude Hilfe in Schutzwohnungen an (Symbolbild). Foto: Maja Hitij/dpa
Frauen, denen Gewalt angetan wird, bietet die Stadt Buxtehude Zuflucht in Wohnungen an. Wie groß ist der Bedarf?
Buxtehude. Im Jahr 2024 erreichte die Zahl der Opfer von häuslicher Gewalt einen neuen Höchststand in Deutschland. Das meldete das Bundeskriminalamt im November 2025. Demnach wurden der Polizei 265.942 Fälle bekannt. 70,4 Prozent der Opfer waren weiblich.
Die Stadt Buxtehude bietet Frauen, denen Gewalt angetan wird, Hilfe in Schutzräumen an. Dabei handelt es sich um zwei Wohnungen, in denen Frauen allein oder mit ihren Kindern vorübergehend leben können.
18 Anfragen auf Schutzraum im ersten Jahr
Das Angebot gab es zunächst in einer Wohnung ab dem 1. März 2024. Eine zweite Wohnung kam zum 1. Juli 2025 hinzu. Weil es um Opferschutz geht, erfährt die Öffentlichkeit kaum etwas zu den Schutzwohnungen. Über Erfahrungen damit berichtete jetzt die zuständige Fachgruppenleiterin Juliana Weiß im Buxtehuder Sozialausschuss. Die Grünen hatten das beantragt.
Die Nachfrage war demnach von Anfang an groß: Als das Angebot 2024 mit einer Wohnung startete, hätten in dem Jahr 18 Frauen nach einem Platz gefragt. Mit 12 von ihnen habe die Verwaltung ein Beratungsgespräch geführt.
Im vergangenen Jahr sei die Nachfrage gestiegen: 26 Anfragen, die zu 19 Erstberatungen geführt haben.
In der einen Wohnung hätten seit März 2024 insgesamt vier Frauen mit sechs Kindern gelebt und Schutz gefunden. Laut Verwaltung sei der Schutzraum im Jahr 2024 zu 74 Prozent ausgelastet gewesen und im Jahr 2025 zu 85 Prozent. Seit Beginn 2026 sei die Wohnung belegt.
In der zweiten Wohnung habe seit Juli 2025 eine Frau gelebt, die demnächst ausziehen wird. Eine andere Frau warte bereits darauf, dort einzuziehen.
Frauen erhalten in Schutzräumen Beratung
Mit dem Angebot eines Schutzraums ist Beratung verbunden. Zum Beispiel, um vor Gericht gegen den gewalttätigen Partner ein Annäherungsverbot zu erwirken. Es kann um die Möglichkeit gehen, Kinder woanders zur Schule zu schicken.
Die Schutzräume seien keine geheimen Unterkünfte. Vermieden werde aber, was Aufmerksamkeit auf ihre Bewohnerin ziehen könnte. Der Name stehe nicht auf dem Klingelschild. Die Wohnungen seien nicht im Erdgeschoss.
In einem Fall habe ein Vater gesehen, wohin seine Frau gegangen sei, berichtete Juliana Weiß. Sozialausschussmitglied Dr. Matthias Schneider (CDU) hatte nach der Möglichkeit gefragt, in solchen Fällen Schutzraumwohnungen zu wechseln. In dem einen Fall sei das mit dem Mann geklärt worden, antwortete Juliana Weiß. Näheres sagte sie nicht.
Die beiden Schutzwohnungen sind jeweils 60 bis 70 Quadratmeter groß. Beide seien nicht barrierefrei, aber barrierearm.
Miete zahlen die Frauen oder das Jobcenter
Das Angebot von Schutzräumen für Frauen habe die Stadt Buxtehude seit Beginn im März 2024 bis heute lediglich rund 2300 Euro gekostet. Das liegt daran, dass die Wohnungen fast nie leer stehen. Die Miete zahlten die Frauen selbst oder das Jobcenter.
Die Erfahrung mit den Schutzräumen zeige: Zwei Wohnungen reichen nicht aus, um den Bedarf zu decken. Von Gewalt betroffenen Frauen bleibe in vielen Fällen nur der Verbleib in der Partnerschaft.
Politik befürwortet dritten Schutzraum
Eine Empfehlung gab der Sozialausschuss am Ende zwar nicht ab. Das war so auch nicht vorgesehen. Der Tenor aber war eindeutig: Die Politik wird voraussichtlich die Verwaltung beauftragen, einen dritten Schutzraum für Frauen zu schaffen.
Die Ausschussvorsitzende Anna Vaccaro-Jäger (SPD) und Ingrid Smerdka-Arhelger (Die Grünen) sprachen sich für einen dritten Schutzraum aus. Die CDU widersprach nicht. Eine politische Mehrheit scheint sicher.
Das Angebot von Schutzräumen ist eine freiwillige Leistung der Stadt Buxtehude. Für die Betreuung von gewaltbetroffenen Frauen ist grundsätzlich der Landkreis zuständig.
Landkreis Stade betreibt Frauenhaus
Der Landkreis Stade betreibt ein Frauenhaus mit insgesamt 14 Plätzen für Frauen mit bis zu 26 Kindern.
Das Frauenhaus hat zwei Standorte. Ein Standort mit einer anonymen Adresse kann dem Landkreis zufolge bis zu 5 Frauen und 10 Kinder aufnehmen. Der zweite Standort sei sichtbar im Schutz- und Beratungszentrum für Frauen „Stade Neuwerk“. Bis zu 9 Frauen und 16 Kinder können dort aufgenommen werden.
So groß ist die Auslastung im Frauenhaus
Im Frauenhaus des Landkreises Stade habe die Auslastung im Jahr 2025 bei 71,41 Prozent gelegen. 57 Frauen und 64 Kinder hätten dort Schutz erhalten. „Aus dem Landkreis Stade mussten wir im vergangenen Jahr keine Frau aufgrund mangelnder Kapazitäten ablehnen“, sagte Kreissprecher Daniel Beneke dem TAGEBLATT.
Laut dem Bundeskriminalamt wurden im vergangenen Jahr 132 Frauen und 24 Männer von ihren Partnern getötet. Im Dezember 2025 sorgte ein Fall in Apensen für Entsetzen: Bei einem Messerangriff starb eine 40 Jahre alte Frau. Tatverdächtig ist ihr Ex-Partner
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