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TGraffiti-Kunst: Was Freiburg auszeichnet als Motiv an der Hafenmauer

Leo Cordes malt mit Sprühdose und Tapezierspachtel die Wulphardikirche.

Leo Cordes malt mit Sprühdose und Tapezierspachtel die Wulphardikirche. Foto: Helfferich

Der Flecken Freiburg möchte ins Dorfentwicklungsprogramm aufgenommen werden. Ein kunterbuntes Graffiti wirbt für den Ort, seine Menschen und deren Stärke.

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Von Susanne Helfferich
Montag, 04.05.2026, 15:50 Uhr

Freiburg. Seit einer Woche arbeitet Leo Cordes am Freiburger Hafen mit Spraydose und Farbe an einem elf Meter langen und zwei Meter breiten Stück der Hafenmauer. Zuvor musste der 31-Jährige die Wand säubern und von Pflanzenresten befreien, danach die Fläche blau grundieren und mit Hilfe einer VR (Virtual Reality)-Brille die Umrisse auf die Wand projizieren.

Nun bearbeitet Cordes die himmelblaue Betonwand von hinten nach vorne. Erst die Wolken am blauen Himmel. Dann einen roten Schweif, der sich durch das Bild zieht; eine Anleihe beim Freiburger Wappen, das ganz links im Bild steht. „Das Rot bricht die großen Flächen auf“, erklärt der Sprayer. Er holt eine weitere Sprühdose mit hellerem Rot hinzu und sprüht die Farbe fast tupfend. „Das bringt Bewegung in das Bild.“

Die Sprüherei begann am Stader Skatepark

Leo Cordes sprüht seit gut zehn Jahren und hat das Unternehmen Wandkollegen gegründet. Damals hatten er und seine Freunde den Skatepark am Stader Bahnhof gestaltet. Gelernt hat er zwei Berufe: Zum einen ist er Kfz-Mechatroniker und Automobilökonom, aber er hat auch eine Ausbildung zum Mediengestalter gemacht. In beiden Richtungen ist er von seinem Vater Bodo Cordes vom gleichnamigen Autohaus in Stade geprägt.

Nach dem roten Bogen arbeitet Leo an der Kirche.

Nach dem roten Bogen arbeitet Leo an der Kirche. Foto: Helfferich

Das Bild am Hafen, das unter Leos Händen entsteht, zeigt, was Freiburg ausmacht: Ein Ort mit Historie und Menschen, die trotz der Naturgewalten hier leben und zusammenhalten.

Anfang April haben die Freiburger die Aufnahme in das Dorfentwicklungsprogramm beantragt. Das Bild steht auch für das Engagement der Menschen vor Ort, die sich an den Vorbereitungen des Antrags beteiligt haben. Sie haben Besonderheiten und Sehenswürdigkeiten der Gemeinde herausgesucht, um sie im Graffiti festzuhalten.

Leo Cordes klebt die Linien für den roten Schweif ab.

Leo Cordes klebt die Linien für den roten Schweif ab. Foto: Helfferich

Freiburg blickt auf eine bewegte Geschichte zurück

So gab es mal eine Burg in Freiburg, die bis heute im Freiburger Wappen verankert ist. Im Jahr 1167 machte Heinrich der Löwe die Burg dem Erdboden gleich. Sie ist Botin der fast 1000-jährigen, wechselhaften Geschichte des Flecken Freiburg. Freiburg hatte Stadtrechte, Stapel- und Marktrechte und musste auch aufgrund seiner direkten Lage an der Elbe ein bedeutender Ort des Handels gewesen sein.

Heute prägen im eng bebauten historischen Zentrum rund um die St.-Wulphardi-Kirche denkmalgeschützte Gebäude aus dem 19. Jahrhundert den Flecken. Teil des kollektiven Gedächtnisses an der Unterelbe sind diverse Sturmfluten, die immer wieder zu Deichbrüchen und Toten geführt haben. Heute schützen das Sperrwerk und die Deichlinie Mensch und Tier.

Auch Radfahrer und Windräder gehören zum Ortsbild

Zum Ortsbild gehören Radfahrer inmitten blühender Rapsfelder, und Windräder als Signal, dass der Umbau hin zu erneuerbaren Energien unterstützt wird. Ein junges Hochzeitspaar steht für die beliebten Trauorte im Flecken Freiburg: Gut Schöneworth, Historischer Kornspeicher, Pfahlewer Oderik.

Dazu gehören auch der Radarturm und die Kirche als Landmarken. Ein Börteboot und ein Segelboot zeugen von einer traditionsreichen, maritimen Geschichte und einem immer noch sehr beliebten Freizeitvergnügen.

Drehscheibe des Vogelzugs direkt vor der Haustür

Der Blick durchs offene Sperrwerk geht in Richtung Elbe, hinter dem Deich sind die Oberdecks eines Kreuzfahrtschiffs auf dem Weg nach Hamburg zu erkennen. Pferdeliebhaber aus der ganzen Welt kennen das Land Kehdingen wegen seiner Pferdezucht.

Die Region im und am Vogelreservat Elbe ist Drehscheibe des Vogelzugs in Europa. Diese herausragende Landschaft ist einmalig in Europa und soll gemeinsam mit dem Hafen touristisch stärker in den Fokus genommen werden.

250 verschiedene Farbdosen sorgen für eine große Auswahl.

250 verschiedene Farbdosen sorgen für eine große Auswahl. Foto: Helfferich

Für all das steht das Bild am Hafen. Leo Cordes sprüht im ersten Zug die Farben flächig auf die Unterlage. Dabei arbeitet er sich von hell nach dunkel vor. Und seine Farbauswahl ist groß. 250 unterschiedliche Farben hat er dabei.

„Die Feinheiten kommen zum Schluss, wenn ich den Klinker hervorheben will oder Schattenkanten ziehen. Da arbeite ich mit einem ganz feinen Airbrush an den Einzelheiten“, erklärt er. Und das Beste kommt zum Schluss: „Mit Transparenzlack erzielt man einen besonderen Effekt.“

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