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TGroße Inspektion: So funktioniert das Klärwerk der Dow in Stade

Ein seltener Anblick: Der kurzzeitig stillgelegte Klärturm ist komplett leer, hier rauscht sonst das Schmutzwasser durch.

Ein seltener Anblick: Der kurzzeitig stillgelegte Klärturm ist komplett leer, hier rauscht sonst das Schmutzwasser durch. Foto: Strüning

Sie ist eine zentrale Einrichtung im Chemie-Park der Dow: die biologische Kläranlage. Mehr als 100 Arbeiter haben die Anlage unter die Lupe genommen. Das war ihr Job.

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Von Lars Strüning
Donnerstag, 07.05.2026, 19:00 Uhr

Stade. Immer im Frühjahr setzt die Dow in Stade zu groß angelegten und minutiös geplanten „Turnarounds“ an. Jedes Jahr sind andere Anlagen oder Teilbereiche an der Reihe. Beim Turnaround werden die Anlagen kurzzeitig stillgelegt, umfassend gecheckt und instand gesetzt. Das soll die Lebenszeit verlängern und Sicherheit im Produktionsprozess geben.

Kläranlage arbeitet seit 50 Jahren rund um die Uhr

Die biologische Abwasserreinigungsanlage, Biox genannt, arbeitet seit gut 50 Jahren rund um die Uhr. Pro Stunde rauschen bis zu 5000 Kubikmeter Abwasser durch die Klärtürme. Sie ist ausgelegt für eine Million Einwohner, könnte also das Abwasser einer großen Stadt entsorgen. Zum Vergleich: Die Kläranlage der Abwasserentsorgung Stade (AES) hat eine Kapazität von 135.000 Einwohnergleichwerten und verwertet am Tag gut 10.000 Kubikmeter Abwasser.

Frank Gubbels ist Produktionsdirektor der Umweltschutzanlagen inklusive der Biox in Stade, der größten Dow-Kläranlage in Europa. Hier steht er auf einem der Klärtürme, im Hintergrund ist die Elbe zu sehen.

Frank Gubbels ist Produktionsdirektor der Umweltschutzanlagen inklusive der Biox in Stade, der größten Dow-Kläranlage in Europa. Hier steht er auf einem der Klärtürme, im Hintergrund ist die Elbe zu sehen. Foto: Strüning

Der Clou der Biox ist der nahezu geschlossene Kreislauf. Lediglich das geklärte Abwasser geht zurück in die Elbe, alle Wertstoffe werden wiederverwendet. Es entsteht weder Klärschlamm, noch bleiben größere Mengen an Reststoffen übrig, erklärt Frank Gubbels als Produktionsdirektor der Umweltschutzanlagen am Dow-Standort Stade das Prozedere. Dafür sorgt auch die Reststoffverwertungsanlage als weiterer Baustein eines geschlossenen Kreislaufs.

Die Reststoffverwertungsanlage von Dow ist zertifiziert als Entsorgungsfachbetrieb, ergänzt Pressesprecher Stefan Roth. Sie nimmt auch Abfälle anderer Betriebe auf, speziell Chlor wird hier verwertet und zu Salzsäure verarbeitet, die im Stader Werk wieder eingesetzt wird.

Inspektion ist ein Riesenaufwand

Gubbels war in diesen Tagen besonders gefordert, weil einer der Klärtürme in Biox für den Turnaround außer Betrieb gesetzt wurde. Das passiert alle neun Jahre. Der Aufwand für Inspektion und Reparatur ist immens. 60 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Fremdfirmen sind im Einsatz sowie etwa 50 Beschäftigte von der Dow.

Die Reaktoren der Kläranlage müssen von innen komplett eingerüstet werden. Gubbels: „Wir müssen die empfindliche Beschichtung Zentimeter für Zentimeter prüfen und reparieren.“

Industriekletterer, Taucher und Drohnen im Einsatz

Dafür werden auch Drohnen eingesetzt und Industriekletterer, die sich in schwindelerregender Höhe - professionell gesichert - abseilen, um die Anlagen zu inspizieren. Insgesamt, so Stades Turnaround-Managerin Monique Martin, arbeitet die Dow mit mehreren Hundert zusätzlichen Mitarbeitern vieler Fachfirmen aus dem In- und Ausland zusammen.

24 Meter über der Erde: Fachkräfte inspizieren beim groß angelegten "Turnaround" den kurzzeitig stillgelegten Klärturm.

24 Meter über der Erde: Fachkräfte inspizieren beim groß angelegten "Turnaround" den kurzzeitig stillgelegten Klärturm. Foto: Strüning

Die Höhenkletterer zum Beispiel kommen aus Frankreich. Teilweise müssen Taucher oder speziell ausgebildete Schweißer eingesetzt werden. Martins Devise: „Sicherheit geht vor Schnelligkeit.“

Die Biox der Dow besteht aus vier Türmen, den Reaktoren. Sie haben an der Sohle einen Durchmesser von 35 Metern, am oberen Rand in 22 Metern Höhe von 50 Metern. 24.000 Kubikmeter Abwasser passen in einen Reaktor. Hier wird das Abwasser aus den Produktionsanlagen des Chemieparks biologisch gereinigt, indem Sauerstoff ins Wasser geblasen wird.

Dow: „Nur sauberes Wasser verlässt das Werk“

Im 37 Grad warmen Wasser fühlen sich die Mikroorganismen, die sich von Stickstoff und Phosphat aus den eigenen Anlagen ernähren, besonders wohl. Sie bauen die Fremdstoffe im Wasser ab.

In einem kleinen Turm wird das Wasser vorgereinigt. Zwei Drittel des gereinigten Wassers fließen in die Elbe. Gubbels: „Nur sauberes Wasser verlässt das Werk.“ Ein Teil wird über eine Leitung in die Salzkavernen nach Harsefeld-Ohrensen transportiert - und kehrt gesättigt mit einer 30-prozentigen Solelösung ins Dow-Werk zurück.

Salz ist Grundstoff der chemischen Produktion auf Bützflethersand. In der Elektrolyse entstehen Chlor, Natronlauge und Wasserstoff.

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Der Blick vom Klärturm auf das Gelände des Chemieparks.

Der Blick vom Klärturm auf das Gelände des Chemieparks. Foto: Strüning

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