TGruppe 153: Auf den Spuren des Harsefelders Gustav Viebrock in Afrika
Ein Bild aus den 80er Jahren: In der oberen Hälfte des Fotos mauert Gustav Viebrock in Afrika an einem Gebäude. Foto: Privat
Als Maurermeister Gustav Viebrock in den 80er Jahren eine Kirche in Afrika baute, legte er noch einen Grundstein. Die Hilfe für die Ärmsten aus Harsefeld geht weiter.
Harsefeld. Hands at Work heißt die christliche Hilfsorganisation, die sich für die bedürftigsten Kinder Afrikas einsetzt. Im südlichen Afrika werden die Heranwachsenden mit warmen Mahlzeiten, sauberem Wasser, medizinischem Angebot und Zugang zu Bildung versorgt.
Im unteren Teil des Bildes steht ein Junge an das Gerüst gelehnt. Foto: Privat
Seit drei Jahren engagiert sich der Verein Gustav Viebrock Hilfsprojekte e.V. bei Hands at Work Germany. Der 2019 verstorbene Gustav Viebrock, Gründer des Familienunternehmens Viebrockhaus aus Harsefeld, war selbst in den 80er Jahren als Missionar und Helfer vor Ort. Seine Enkel führen das Engagement fort.
Mit dem Missionsdienst in einem Land der Rassentrennung
Gemeinsam mit Einheimischen baute Gustav Viebrock in den 1980ern - zur Zeit der Apartheid - in Südafrika. Unter anderem errichtete der Maurermeister mit dem Missionsdienst der Gruppe 153 Kirche, Kirchturm und Gemeindehaus. Der Name Gruppe 153 leitet sich von der Zahl der von den Jüngern gefangenen Fische im Johannes-Evangelium ab.

Armut fern der Reiseprospekte: Dirk (hinten) und Lars Viebrock (vorne) helfen bei der Essensausgabe.
Viele Freundschaften seien damals entstanden, erzählte Gustav Viebrock einst dem TAGEBLATT - in einer Zeit der Rassentrennung, in der die weiße Minderheit privilegiert war und die schwarze Minderheit unterdrückt wurde. Die Freundschaften hielten bis zu seinem Lebensende. Nun haben sich die Enkel auf die Spuren des ersten Harsefelder Ehrenbürgers begeben.
Handwerklich beim Bau sozialer Einrichtungen geholfen
„Bereits unser Opa ist nach Afrika gereist, um dort handwerklich beim Bau sozialer Einrichtungen zu unterstützen. Jetzt selbst an den Care Points gewesen zu sein und sein Engagement fortzusetzen, war eine prägende Erfahrung“, sagt Lars Viebrock. „Die Kinder und ihr Leben im Alltag hautnah mitzuerleben und zu sehen, wie sie trotz schwieriger Bedingungen freudig aus der Schule kommen, das hat uns sehr bewegt“, beschreibt Dirk Viebrock seine Eindrücke.

Besonders die Fußbälle, die Familie Viebrock aus Harsefeld mitbrachte, kamen in Südafrika gut an. Foto: Privat
Der Tag vieler Kinder in Afrika beginne mit einem langen Schulweg, der immer zu Fuß, meistens ohne Frühstück und mit schlechtem oder ohne Schuhwerk zurückgelegt wird. Zudem haben die Kinder keine Sicherheit, einen Schulplatz zu erhalten, und es fehlt an grundlegenden Dingen des täglichen Lebens. Nach dem Unterricht erhalten die Kinder an den Care Points eine warme Mahlzeit.
Care Points schützen vor Verzweiflung und Gewalt
Die Care Points bieten ihnen Sicherheit, Versorgung und ein Umfeld, in dem sie Kind sein dürfen. Mit einfachen Mitteln werden kleine Spielbereiche geschaffen, es wird gesungen und gemeinsam gespielt. Fußball ist, wie überall in Afrika, ein Highlight, und aus Harsefeld mitgebrachte Fußbälle sorgten für große Begeisterung.

Hilfsbedürftige Kinder können in den Care Points in Sicherheit groß werden.
Jedes Kind an den Care Points ist registriert. Die Care Workerinnen – oft selbst in Armut und Gefahr aufgewachsen – identifizieren besonders gefährdete Kinder in ihren Gemeinden und nehmen sie in das Programm auf. Bleibt ein registriertes Kind zwei Tage in Folge aus, suchen die Care Workerinnen die Familie auf.
Es ist ein wichtiges Sicherheitsnetz: Viele Kinder und Frauen leben in einem Umfeld, in dem Gewalt allgegenwärtig ist. Die Männer arbeiten entweder weit entfernt in Minen oder sind aufgrund hoher Arbeitslosigkeit und Perspektivlosigkeit in Alkohol- und Drogenabhängigkeit geraten. In diesen Gemeinschaften herrscht oftmals Unsicherheit und Gewalt, wissen die Mitarbeiterinnen zu erzählen.
Ein Blick auf die Schattenseiten des Landes Südafrika
Südafrika zeigte den Harsefeldern eine Realität, die in keinem Reiseprospekt erscheint. In Europa ist das Land vor allem für seine traumhaften Landschaften, schicken Resorts und die eindrucksvolle Tierwelt bekannt. Lars und Dirk Viebrock, CEOs der Viebrockhaus AG, lernten die Schattenseiten des Landes kennen: riesige Flüchtlingscamps, extreme Armut und eine der weltweit höchsten Mordraten, allen voran in Kapstadt.
Millerntor-Stadion
T Zukunftswand und Fans: Wieso Viebrockhaus zum „Kiezkönig“ wurde
Als wirtschaftlich stärkstes Land des Kontinents wird Südafrika seit Jahren von Menschen aus ärmeren, nördlich gelegenen Staaten wie Simbabwe, Mosambik oder der Demokratischen Republik Kongo als Zufluchtsort aufgesucht. Viele von ihnen leben ohne staatliche Unterstützung in provisorischen Siedlungen und gehören zu Ärmsten der Armen.
Weitere Einsätze sind geplant
Bereits im Mai dieses Jahres hatten Mitarbeiter von Viebrockhaus und der Firma Kühn aus Horneburg gemeinsam mit der Hilfsorganisation Hands at Work zwei Spielplätze in Malawi gebaut.
Der Vor-Ort-Besuch durch die Familie Viebrock, an der auch die Eltern von Lars und Dirk Viebrock teilnahmen, hat alle in ihrem Engagement bestärkt. „Die Reise hat uns tief bewegt. Sie hat uns darin bestärkt, die Hilfe vor Ort auch im kommenden Jahr fortzuführen und weitere Einsätze an den Care Points zu planen“, resümieren Dirk und Lars Viebrock.
Weitere Informationen und Spenden: https://gvhilfsprojekte.de/
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