THandwerkerhof in Stade: Anwohnerin kritisiert Baumfällungen
Eva Löhden blickt auf ihr Nachbargrundstück. Hier soll der Handwerkerhof entstehen. Foto: Stehr
Der Bebauungsplan für den Handwerkerhof in Stade-Hagen ist noch nicht rechtskräftig, trotzdem rollen schon die Bagger. Kann Projektgegnerin Eva Löhden den Bau ausbremsen?
Stade. Eva Löhden blutet seit einigen Tagen das Herz, sobald sie vor die Tür geht. Rings um ihr Haus an der Harsefelder Landstraße in der Stader Ortschaft Hagen rollen Bagger und Lkw über die grüne Wiese. Einige große Bäume wurden bereits gefällt, weitere sollen folgen.
Schnauzenkontor fühlt sich von Neubau bedrängt
Die Baufirma Henn hat mit den vorbereitenden Maßnahmen zum Bau des geplanten Handwerkerhofs begonnen. „Es heißt immer, alle befürworten das Projekt, aber ich bin dagegen“, sagt Eva Löhden.
Sie lebt seit 2009 in ihrem Haus an der Harsefelder Landstraße/Ecke Steinbeck, betreibt dort das Schnauzenkontor und züchtet Riesenschnauzer. Dass ihr bald ein großer Handwerkerhof mit vielen Handwerksbetrieben so nah auf die Pelle rückt, bereitet ihr Sorgen. Mit der Ruhe werde es dann vorbei sein, fürchtet sie.
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Sie fragt sich, warum ein früherer Besitzer des Grundstücks keine Genehmigung für den Bau von Wohnungen bekam, die Stadt dem neuen Investor aber ein großes Gewerbeprojekt erlaubt. Eva Löhden kann außerdem nicht nachvollziehen, wieso so viele große Bäume gefällt werden dürfen, obwohl der Bebauungsplan noch gar nicht rechtskräftig ist.
Der Bebauungsplan ist noch nicht rechtskräftig
Ein Bebauungsplan wird erst rechtskräftig, wenn er nach dem Ratsbeschluss bekannt gemacht wurde. Dies sei tatsächlich noch nicht der Fall, bestätigt Stadtsprecher Stephan Voigt auf TAGEBLATT-Nachfrage. Der Bebauungsplan sei im Dezember 2025 vom Rat beschlossen, aber bis jetzt noch nicht bekanntgemacht worden. Bauvorbereitende Maßnahmen inklusive von Baumfällungen seien trotzdem bereits möglich, da Planrecht nach Paragraf 33 des Baugesetzbuches bestehe, so Voigt.
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Im Bauleitplanverfahren seien Bäume festgesetzt worden, die zu schützen und im Falle eines Verlusts zu ersetzen seien. Es sei zudem festgelegt worden, welche Bäume gefällt werden dürfen und wie diese zu kompensieren sind.
Die Fällungen seien auf Grundlage von §33 BauGB bereits genehmigt, weil Fällungen nur bis Ende Februar stattfinden dürfen. Vier Bäume, die gefällt werden, fallen laut Stephan Voigt unter die Stader Baumschutzsatzung und müssen deshalb nach der Fertigstellung des Baus auf dem Grundstück nachgepflanzt werden.
Es sei auch nicht unüblich, dass Investoren Wünsche an die Stadt herantragen, die dann aus unterschiedlichsten Gründen nicht weiterverfolgt werden, sagt Stephan Voigt. Bereits seit 2016 wurden auf dem Gelände an der Harsefelder Landstraße verschiedene gewerbliche Nutzungen angestrebt, die aus unterschiedlichen Gründen nicht umsetzbar gewesen seien.
Handwerkerhof in Hagen für knapp 40 Betriebe
Wie berichtet, plant Architekt Tim Schulenburg aus Buxtehude den Handwerkerhof in Stade-Hagen. In dem 150 Meter langen Gebäude sollen sich auf insgesamt 5000 Quadratmetern Fläche kleine und mittlere Betriebe - vor allem mit dem Schwerpunkt Handwerk - oder Start-ups einmieten können. Geplant sind 38 Einheiten zwischen 45 und 325 Quadratmetern.

Der Handwerkerhof in der Visualisierung. Foto: Schulenburg
Für den Handwerkerhof musste der Flächennutzungsplan 2000 wegen der „Gewerbefläche Steinbeck“ geändert werden. Der Fachausschuss des Rates sowie der Ortsrat Hagen stimmten zu. In der Politik fand das Projekt eine breite Zustimmung.
Bei Eva Löhden liegen die Nerven hingegen weiter blank. Sie überlegt, einen Normenkontrollantrag beim Oberverwaltungsgericht zu stellen, um den Bebauungsplan überprüfen zu lassen. Sollte es so weit kommen und der Antrag zugelassen werden, könnte das den Bau des Handwerkerhofs deutlich verzögern.
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