THarsefeld: Dieses Schiff aus Papier passt auf einen Daumen
Dieses Schiffmodell passt auf einen Daumen. Foto: P. Meyer
Günter Plath und Peter Herzog haben sich dem Papiermodellbau verschrieben. Weil ihre Leidenschaft eine aussterbende Kunst ist, zeigen sie ihre Miniaturen jetzt der Welt.
Harsefeld. Wenn Günter Plath und Peter Herzog an einem neuen Papiermodell arbeiten, ist höchste Konzentration gefragt. Die Bauteile sind winzig und filigran. Mit Schere, Bastelmesser und viel Geduld setzen die beiden Modellbauer Stück für Stück ihre maßstabsgetreuen Werke zusammen.
Peter Herzog hat schon einen ganzen Zoo aus Papier hergestellt. Foto: P. Meyer
Einige davon sind bald im Museum Harsefeld zu sehen: Gemeinsam mit drei weiteren Ausstellern präsentieren sie ihre Arbeiten ab Freitag, 13. März, bis in den August hinein.
Tausende Teile: Modelle sind unterschiedlich komplex
Günter Plath aus Fredenbeck ist seit mehr als 60 Jahren Papiermodellbauer. Der 74-Jährige hat im Alter von neun Jahren damit angefangen. Heute lagern in seinem Zuhause mehr als 200 Modelle, der Großteil davon Schiffe. „Der Schiffsmodellbau macht auch einen Großteil der Szene aus“, erklärt der ehemalige Mercedes-Mitarbeiter. Ein praktischer Vorteil: Anders als Gebäude seien Schiffe lang und schmal und ließen sich gut auf Wandregalen lagern.

Peter Herzog (links) und Günter Plath stellen ihre Papierkunst im Museum Harsefeld aus. Foto: P. Meyer
Besonders stolz ist Günter Plath auf sein Modell des Schnelldampfers „Bremen“ von 1929. Zwei Wochen Arbeit stecken darin. Daneben hat er ein Modell des Museumsdampfers „Schaarhörn“ von 1908 drapiert, der noch heute im Hamburger Hafen liegt.
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Viele seiner Schiffsmodelle bestehen aus mehreren hundert Einzelteilen. „Bei den meisten Schiffen verbaue ich zwischen 70 und 350 Teile“, sagt Plath. Bei besonders aufwendigen Modellen könne die Zahl aber auch auf 10.000 steigen.
Filigrane Papier-Beine: Schaschlickspieße helfen
Auch Peter Herzog aus Harsefeld kennt die Geduldsarbeit, die hinter den Modellen steckt. Der 66-Jährige hat das Basteln während der Corona-Pandemie wiederentdeckt. Schon als Kind habe er Papiermodelle gebaut, erzählt er. Beruflich arbeitete Herzog 47 Jahre lang als Informatiker bei Airbus.
„Da hatte ich aber eher mit kleinen Daten als mit kleinen Teilen zu tun“, sagt er schmunzelnd. Die Idee für die Ausstellung kam, nachdem Herzog vor einigen Jahren bereits seine Lego-Modelle im Museum ausgestellt hatte. Das sei damals sehr gut angekommen.

Günter Plath stellt seine Papierkunst im Museum Harsefeld aus: Das Modell der "Bremen" ist sein liebstes Stück. Davor ist ein Modell des Museumsdampfers „Schaarhörn“ zu sehen. Foto: P. Meyer
Während Günter Plath vor allem Schiffe baut, hat Peter Herzog ein anderes Spezialgebiet: Tiere. Eines seiner Modelle ist ein Spatz in Originalgröße. Besonders knifflig seien dabei die Beine gewesen, wegen der Stabilität und der filigranen Form.
Schaschlikspieße helfen im Inneren, die Konstruktion zu stützen, verrät Herzog. Auch die feinen Krallen erfordern präzises Arbeiten, die können schließlich leicht abknicken.

Peter Herzog stellt seine Papierkunst im Museum Harsefeld aus. Foto: P. Meyer
Sein Lieblingsmodell ist eine Giraffe. Zunächst baute Herzog nur Hals und Kopf, ein besonders kleinteiliger Abschnitt. „Das hat mich viel Fingerfertigkeit gekostet“, erinnert er sich. Danach legte er das Projekt erst einmal zwei Monate beiseite, bevor er den Rest fertigstellte. Auch Funktionsmodelle, bei denen sich Teile bewegen, gehören zu seinen liebsten Projekten.
Feinarbeit: Modellbauer brauchen Geduld und Geschick
„Geduld ist unser zweiter Vorname“, sagt Plath mit Blick auf die Papiermodellbauer-Szene. Ein Modell könne je nach Größe und Komplexität mehrere Stunden, Tage oder sogar Wochen Arbeit bedeuten.
Am Anfang stehen Vorlagen aus dem Internet oder dem Handel. Sie kosten zwischen fünf und 20 Euro. „Früher gab es die in jedem Schreibwarenladen“, erinnert sich Plath. „Für 90 Pfennig.“ Dann beginnt die eigentliche Arbeit.
Die einzelnen Teile werden ausgeschnitten, geknickt, gebogen und anschließend an kleinen Klebelaschen zusammengefügt. Nach dem Trocknen werden die Kanten oft noch farblich nachgebessert.

Schritt für Schritt: So entsteht aus einem Bogen ein Papier-Spatz. Foto: P. Meyer
Papiermodellbau hat eine lange Tradition. „Den gibt es eigentlich, seit man drucken kann“, sagt Günter Plath. Heute jedoch sei die Szene kleiner geworden - in Foren finde ein Austausch statt. Doch viele Modellbauer seien älter, Nachwuchs fehle oft.

Günter Plath aus Fredenbeck stellt seine Papierkunst im Museum Harsefeld aus. Foto: P. Meyer
Mit der Ausstellung im Museum Harsefeld hoffen Plath und Herzog nun, neue Interessierte zu erreichen. Ein besonderer Aspekt der Schau: Einige Modelle dürfen von den Besuchern angefasst werden. Das ist bei den empfindlichen Papierarbeiten nur selten möglich.
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Die beiden Modellbauer würden ihre Leidenschaft gerne auch jüngeren Menschen näherbringen. Projekte mit Schulklassen könnten sie sich gut vorstellen. Und Günter Plath hätte auch nichts dagegen, direkt vor Publikum an einem Modell zu arbeiten. „Das kann ich ruhig live machen“, sagt er. Dann sehe man, wie viel Feinarbeit wirklich darin steckt.
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