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SPD-Veranstaltung

THarsefeld: Ministerin Behrens stellt sich Fragen zu Sicherheit und Gewalt

Bürgertalk statt Leinwanddrama: Landtagsabgeordnete Corinna Lange (links) und Innenministerin Daniela Behrens im Harsefelder Kino.

Bürgertalk statt Leinwanddrama: Landtagsabgeordnete Corinna Lange (links) und Innenministerin Daniela Behrens im Harsefelder Kino. Foto: Laudien

Gewalt an Schulen, Clankriminalität und Extremismus: Die Sorgen der Menschen in Harsefeld sind groß. Innenministerin Daniela Behrens nahm Stellung zu drängenden Themen.

Von Susanne Laudien Freitag, 10.04.2026, 17:50 Uhr

Harsefeld. „Wir lassen nicht zu, dass kriminelle Clans unseren Rechtsstaat missachten und verhöhnen“, sagte die niedersächsische Innenministerin Daniela Behrens (SPD) vergangenes Jahr zu dem Tötungsdelikt, das vor dem Stader Landgericht verhandelt wurde. Doch welche konkreten Maßnahmen werden gegen Clankriminalität ergriffen?

Mit dieser und weiteren Fragen wurde die SPD-Politikerin am Mittwochabend konfrontiert. „Die Clankriminalität ist sehr gewalttätig, liegt aber in der Kriminalitätsstatistik unter einem Prozent. Wir haben eine eigene Einheit, die sich damit beschäftigt. Es ist eine Kriminalität, die unseren Staat zersetzt und daher haben wir ein Auge darauf“, sagte Behrens.

SPD übernimmt Frage-Format aus bekannter TV-Sendung

Etwa 50 Bürgerinnen und Bürger nahmen an der SPD-Veranstaltung „Auf ein Wort“ im Harsefelder Kino teil, bei der Innenministerin Daniela Behrens und Corinna Lange, Landtagsabgeordnete und Vorsitzende des SPD-Unterbezirks, Rede und Antwort standen.

Die Besucher, darunter Harsefelds ehemaliger Samtgemeindebürgermeister Rainer Schlichtmann, Jan Viebrock (Viebrockhaus) und Else Zager (Arbeitskreis Integration), schrieben ihre Fragen auf Bierdeckel. „Das Veranstaltungsformat haben wir von der Sendung ‚Inas Nacht‘ übernommen. Ich kenne Ina Müller noch von früher aus dem Cuxland“, erzählte die Ministerin. Sie habe damals nur drei Dörfer weiter gewohnt.

Unter den Besuchern: Auch Harsefelds ehemaliger Samtgemeindebürgermeister Rainer Schlichtmann meldete sich zu Wort.

Unter den Besuchern: Auch Harsefelds ehemaliger Samtgemeindebürgermeister Rainer Schlichtmann meldete sich zu Wort. Foto: Laudien

Die Anwesenden hatten vor allem Fragen zu den Themen Sicherheit und Gewaltprävention. „An der Oberschule in Harsefeld brennt es“, schilderte eine der Besucherinnen. Mit der zunehmenden Radikalisierung werde die Schule alleine gelassen. Wie gehe es dort weiter? Wie berichtet hatte vergangenes Jahr eine Jugendbande Harsefelder Schüler terrorisiert. Mehr als 30 Straftaten gingen auf das Konto der beiden Haupttäter im Alter von 15 und 16 Jahren.

Harsefelder Jugendgang terrorisiert Schüler

„Die Anforderungen an Schulen werden immer höher“, sagte Corinna Lange. Doch es gebe zu wenige Therapeuten. Die Schulsozialarbeit sei in Harsefeld ein wichtiges Thema. Vom Startchancenprogramm soll der Lernort Schule auch in Harsefeld profitieren. Hintergrund: Das bundesweite Programm unterstützt bis 2034 gezielt die Schulen, die einen hohen Anteil sozial benachteiligter Schülerinnen und Schüler haben.

Innenministerin Daniela Behrens beantwortet die Fragen der Bürgerinnen und Bürger

Innenministerin Daniela Behrens beantwortet die Fragen der Bürgerinnen und Bürger Foto: Laudien

Einige Bürger sorgen sich auch um das Gewaltpotenzial bei Kindern und Jugendlichen durch das Internet. Die Innenministerin plädierte für eine Regulierung. Diese sei aber schwierig, da viele Plattformen im Ausland angesiedelt seien. Eine Verbesserung der Medienbildung sei daher notwendig. Schulen müssten unbedingt in die Lage versetzt werden, sich um diese Probleme zu kümmern, so die Ministerin.

Übergriffe durch Rechtsextremisten

Der zunehmende Rechtsextremismus treibt ebenfalls viele aus Harsefeld und Umgebung um. Was tut die SPD dagegen? Behrens: „Wir gehen jeder rechtsextremen Handlung nach. Daher wurde die AfD auch höher eingestuft, damit der Verfassungsschutz sie besser beobachten kann. Es sind Rechtsextreme und Nazis.“ Die Einstufung der AfD als gesichert rechtsextrem ist komplex und Gegenstand aktueller juristischer Auseinandersetzungen.

Auch Übergriffe auf politisch Engagierte etwa im Wahlkampf bereiten Sorge. „Mit der AfD hat die Radikalisierung zugenommen. Das ist schwer zu ertragen“, sagte Behrens. Vom Landeskriminalamt gebe es Informationsangebote zum Verhalten bei Angriffen und zum Straßenwahlkampf. Bei Übergriffen sollten sich Betroffene unbedingt an die Polizei wenden. Auch eine Onlinewache sei rund um die Uhr erreichbar.

Kleine Polizeistationen erhalten keine Verstärkung

Hingegen ist eine Verstärkung von Polizeistationen auf dem Land, die teils nur mit einem Beamten besetzt sind, wie etwa in Apensen, Drochtersen und Jork, nicht geplant. Die Beamten könnten bei Bedarf Verstärkung bei anderen Dienststellen anfordern, so Behrens.

Innenministerin Daniela Behrens (links) und Landtagsabgeordnete Corinna Lange.

Innenministerin Daniela Behrens (links) und Landtagsabgeordnete Corinna Lange. Foto: Laudien

Fragen gab es auch zur Flüchtlingspolitik. „Wir haben eine Lehre aus der Nazizeit gezogen. Menschen, die in ihrer Heimat politisch verfolgt werden, müssen bei uns den Weg in den Arbeitsmarkt finden.“ 95 Prozent lebten hier friedlich, nur 5 Prozent sorgten für ein schlechtes Bild. „Wir nutzen jede Chance, Straftäter in ihre Heimatländer zurückzuführen. Aber wir reden nicht jeden Tag darüber“, so die Ministerin.

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