THeinbockel: Andreas Haack kümmert sich künftig um Kilometerstände
Heinbockels Noch-Bürgermeister Andreas Haack hat Urkunden und Bilder in seinem Arbeitszimmer hängen. Foto: Helfferich
Noch-Bürgermeister Andreas Haack ist bodenständig, kann auch mal fluchen und erholt sich bei Spritztouren mit seiner Harley Davidson. Für all das hat er künftig viel Zeit.
Heinbockel. 20 Jahre war er Heinbockels Bürgermeister, 30 Jahre Ratsarbeit hat der noch 75-Jährige insgesamt hinter sich. Doch damit ist jetzt Schluss: 30 Jahre sind genug. „Ich möchte nicht in Gefahr geraten, im Amt zu sterben“, sagt Andreas Haack schmunzelnd.
„Ich bin als 17-Jähriger mit meinen Eltern von Bützflethermoor hierher nach Heinbockel gekommen“, erzählt Haack. Als er sich beim damaligen Bürgermeister ummeldete, lernte er, dass Neubürger per Anmeldung in der Gemeinde automatisch Mitglied des örtlichen Schützenvereins wurden. „Da wurde nicht gefragt: Möchtest du? Sondern da gehörst du dazu“, so Haack.
T Eine Frage ließ ihr keine Ruhe – jetzt kandidiert sie selbst in Drochtersen
Die Familie habe sich schnell eingelebt. Eltern und Geschwister waren aktiv in den Vereinen. Ruckzuck gehörte der gelernte Bank- und spätere Versicherungskaufmann dem Vorstand vom Sport- und Schützenverein an und wurde bald Kassenwart. Die Heinbockeler merkten schnell, dass er „nicht nur lesen und schreiben, sondern auch seine Hände nicht unten lassen konnte“. So trat er auch in die Feuerwehr ein und war 17 Jahre Ortsbrandmeister.
Hans-Jürgen Pape ist der Bürgermeisterkandidat
Ende der 1990er fragte der damalige Bürgermeister Heinrich (Heini) Heins, ob Haack für den Gemeinderat kandidieren wolle. Er wollte, saß kurze Zeit später im Rat und übernahm 2006 den Ratsvorsitz. Jetzt läutet er selbst den Wechsel ein.

Ein Foto aus dem Jahr 2020: Heinbockels Bürgermeister Andreas Haack freut sich, dass die alte Schule in Hagenah als Gebäude erhalten geblieben ist. Foto: Susanne Helfferich
„Nun müssen die Jüngeren ran, die müssen auch mal den Mund aufmachen“, es sei nicht gut, diesen Job zu lange zu machen. Erste Veränderungen zeigen sich: Zur Kommunalwahl am 13. September traten die Freie Wählergemeinschaft (FWG) und die CDU in der Gemeinde Heinbockel nicht mehr getrennt an, sondern bildeten gemeinsam die Bürgerliste Heinbockel/Hagenah (BLHH).
Haack, der die FWG auch im Samtgemeinderat Oldendorf-Himmelpforten vertrat, schaut zuversichtlich in die Zukunft: Er geht davon aus, dass sein bisheriger Stellvertreter und jetziger Bürgermeisterkandidat Hans-Jürgen Pape sein Nachfolger wird.
Gemeinde Heinbockel wird schuldenfrei übergeben
Im Rückblick ist Andreas Haack mit sich und seinem Gemeinderat zufrieden: „Der Rat hat dafür gesorgt, dass die Gemeinde keinen Cent Schulden hat, und trotzdem konnten wir Straßen bauen, wie Im Buschberge. Wir werden den Brink, wo die Luthereiche steht, neu gestalten, und trotzdem haben wir noch immer finanzielle Mittel.“ Und so könne der neue Rat planen, welche Straßen demnächst dran sind. „Das haben wir schon ein bisschen auf den Weg gebracht.“
Haack bekennt: „Ich habe den Ruf, ein Knicker, ein Geizhals zu sein, der nicht gerne Geld ausgibt.“ Und der Umbau der Alten Schule im Ortsteil Hagenah, der 1,2 Millionen Euro gekostet hat? Da habe er als Bürgermeister gar nicht „knickern“ können, sagt er. „Wir hatten eine Wahnsinnssumme an Förderung bekommen“, so Haack. Gut 60 Prozent der Kosten - so Thorsten Liebeck aus dem Bauamt - seien über Förderung geflossen.
Es habe Stimmen gegeben, Hagenahs alte Schule abzureißen. Nach Abschluss der Sanierung und des Ausbaus des Gebäudes war davon keine Rede mehr. „Jetzt haben wir große Flächen, große Räume und können sie gut nutzen. Kindergarten, Krippe und Dorfgemeinschaftsraum haben eigene Küchen bekommen, wo es vorher nur eine für alle Institutionen gab.“
Ärger gab es wegen der Alten Schule in Hagenah
Andreas Haack ist mit sich im Reinen. „Ich habe alle Projekte umgesetzt, Mehrheiten hergestellt, und ich habe keine meiner Ideen nicht hinbekommen“, so der scheidende Bürgermeister, „aber das hat mitunter eine Weile gebraucht.“

Nach 30 Jahren Ratsarbeit freut sich Noch-Bürgermeister Andreas Haack auf mehr Zeit für Motorrad und Angeln. Gerade war er im Berchtesgadener Land unterwegs. Foto: Haack
Dass die Gemeinde die Alte Schule in Hagenah erhalten und die Schule vor etlichen Jahren in Heinbockel verkauft habe, um dort einen neuen Kindergarten zu bauen, darüber seien viele Heinbockeler verärgert gewesen. Heute gibt es in beiden Ortsteilen einen Kindergarten mit je einer Elementargruppe und zusätzlich einer Krippe in Hagenah.
Aus der jüngeren Diskussion über Betreuungszeiten und Mittagsversorgung für die beiden Kindergärten wolle er sich heraushalten, sagt er. Aber er rechne damit, dass sich die Eltern zurückziehen werden, sobald es um die Kosten geht.
Andreas Haack kann auch laut werden
„Für mich war es eine Ehre, als Bützflethermoor-Gewächs hier in Heinbockel so lange im Heinbockeler Rat und als Bürgermeister gewirkt zu haben.“ Jetzt freue er sich darauf, seinen beiden Hobbys wieder frönen zu können: So sind seine Frau Marion und er auf ihren Motorrädern unterwegs. Haack ist stolzer Besitzer einer Harley Davidson und war zuletzt fünf Wochen in Slowenien, Italien und Kärnten unterwegs: insgesamt 8000 Kilometer.
Als Ausgleich entspannt sich der scheidende Bürgermeister beim Angeln. 50 Angelruten hat er bereits im Keller gesammelt. Angelläden dürfe er daher nicht mehr besuchen.
„Man muss das Leben leben“, ist das Motto des 75-Jährigen. Nach seinen Fehlern gefragt, gesteht er ein: „Mitunter kann ich laut werden, also ordentlich fluchen.“
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