THelgoland: Wie eine Insel für den Blackout probt
Helgoland probt einen Blackout. Foto: Stefan Rampfel
Helgoland testet am 21./22. Januar, was in Berlin Anfang 2026 Realität war: Fünf Stunden lang kein Strom oder Wasser. Was das für Einwohner, Schiffahrt und den Inselmarkt bedeuten würde.
Helgoland. Die Insel Helgoland plant für die kommende Woche (21/22. Januar) einen besonderen Test. „Er ist wichtig, um Helgoland krisensicher zu machen“, sagt Bürgermeister Michael Pollmann. Die Insel wird in einem Test lahmgelegt – kein Strom, kein Trinkwasser.
Der geplante Blackout-Test findet in der Nacht statt. Von Mittwoch, 21. Januar, auf Donnerstag, 22. Januar ziehen die Versorgungsbetriebe Helgoland GmbH den „Stecker“.
Für diesen Test wird das Seekabel zum Festland abgeschaltet, um einen realistischen Stromausfall zu simulieren. Ziel ist es, die Notstrom- und Netzersatzanlagen zu überprüfen und die Versorgungssicherheit der Insel langfristig zu gewährleisten.
Es ist eine Premiere: „Dass wir in diesem Maße abschalten, hat es so noch nicht gegeben“, sagt Inga Lauenstein, Geschäftsführerin der Versorgungsbetriebe.
Blackout ohne Strom und Wasser: Helgolandkabel ist mit 53 Kilometern das längste Seekabel Deutschlands
Das Helgolandkabel ist mit einer Länge von 53 Kilometern das längste Seekabel, das komplett innerhalb des deutschen Hoheitsgebietes verläuft und wurde 2009 verlegt. Viele kennen also noch die Zeit, als „gedieselt“ wurde, wie es Lauenstein nennt.
Die meisten Insulaner werden den Test verschlafen: Ab 23 Uhr bis voraussichtlich gegen 4 Uhr morgens wird der Test dauern. Die Insulaner – und zu dieser Jahreszeit wenigen Gäste – müssen sich dennoch vorbereiten. Im genannten Zeitraum ist auch die Trinkwasserversorgung unterbrochen, und wer in den fünf Stunden Wasser benötigt, muss es vorher abfüllen.
Außerdem raten die Fachleute, empfindliche elektrische Geräte wie den Internetrouter vorab vom Stromnetz zu trennen. „Wir danken allen Insulanern und Gästen für ihr Verständnis für diese wichtige Maßnahme zur Sicherung der Infrastruktur auf Helgoland“, heißt es in einer Mitteilung.
Helgolands Inselmarkt muss den Stromausfall am 21./22. Januar gut vorbereiten
Die meisten Kühlschränke werden die Kühlung über fünf Stunden halten, wenn man sie geschlossen lässt, sagt Lauenberg. Arbeit und Kosten kommen auf den Inselmarkt zu. Sebastian Meinhardt wird seine Regale vorher etwas ausdünnen und seine Kühlanlagen hinter den Kulissen vorab extra herunterkühlen, damit die Temperatur gehalten wird.
Seine Kühlschränke im Verkaufsraum wird er vorab leer räumen müssen und die sensiblen Geräte abschalten. Dafür muss extra ein Techniker vom Festland kommen lassen, der die CO2-Anlagen absaugt. „Das kostet alles Zeit und Geld, aber wenn etwas kaputtgeht, ist das Warten auf ein Ersatzteil schlimmer“, erklärt der Unternehmer.
Der Test hat Auswirkungen auf die Schifffahrt, wie das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Elbe-Nordsee auf Nachfrage mitteilt. Die Molenfeuer des Hafens auf Helgoland haben keine Notstromversorgung, so dass diese während des Blackout-Tests erlöschen. Darüber wird die Schifffahrt benachrichtigt.
Blackout: Leuchtturm Helgoland schaltet auf Notstrom um
Das WSA geht davon aus, dass das Notstromaggregat für den Leuchtturm Helgoland nach kurzer Zeit anspringt.
Auch Thore Laufenberg von Radio „The Rock“ Helgoland, dessen KI-Programm von der Insel gestreamt wird, rechnet nicht mit einem Sendeausfall: „Wenn der Strom weg ist, springt ein Notfall-Mechanismus an. Sollte keiner mitbekommen“, erklärt der Köhlener.
Lauenburg selbst wird den Test begleiten und hoffentlich gegen 5 Uhr morgens ins Bett fallen, wenn die Systeme wieder laufen. Sie hat noch einen Tipp mit Augenzwinkern: „Wer früh aufstehen muss, sollte nach dem Blackout nicht auf den Radiowecker setzen.“
Copyright © 2026 TAGEBLATT | Weiterverwendung und -verbreitung nur mit Genehmigung.