THermann Bösch ist jetzt Ehrenbürgermeister – Was ihn heute noch stört
Hermann Bösch ist Ehrenbürgermeister in Balje: Bürgermeisterin Rike Feil überreichte die Ernennungsurkunde. Foto: Griemsmann
Der Gemeinderat Balje überraschte den ehemaligen Bürgermeister, dessen politische Laufbahn einst auf einem Acker begann. Fünf Fragen und Antworten.
Balje. „Streitbar und kein Stück geduldig“ titelte das TAGEBLATT zu Böschs 40-jährigem Ratsjubiläum vor fünf Jahren. 42 Jahre Lokalpolitik, davon 17 Jahre als Baljer Bürgermeister, hatte Hermann Bösch 2023 auf dem Buckel, als er verkündete, nicht mehr zu kandidieren. Zwei Jahre sah es so aus, als füllten ihn die Arbeit im Familienbetrieb und die Betreuung der Enkelkinder vollkommen aus.
Dann legte das Planungsamt des Landkreises Ende vergangenen Jahres den Entwurf des Regionalen Raumordnungsprogramms aus, und Hermann Bösch blätterte sich durch Hunderte Seiten und wurde fündig: Mit viel Einsatz streitet er seither gegen den geplanten Kleiabbau in Balje und für eine zügige Deicherhöhung.
Glück im Unglück
T Durchs Dach gestürzt: Hermann Bösch dankt täglich seinem Schutzengel
Viel ist über den CDU-Ratsherrn und ehemaligen Bürgermeister geschrieben worden. Anlässlich der Verleihung des Titels des Ehrenbürgermeisters ließ das TAGEBLATT den ehemaligen Bürgermeister selbst zu Wort kommen.
TAGEBLATT: Was war der größte politische Erfolg in Ihrer Zeit als Bürgermeister?
Bösch: Als ich anfing, war der Baljer Sportplatz ein unbespielbarer Acker. Ich habe dafür gesorgt, dass er komplett neu hergerichtet wurde. Und damit begann die erfolgreiche Ära durch die Zusammenarbeit mit dem TSV Geversdorf. Die Einweihung, auch der Flutlichtanlage, haben wir mit einem großen Fest gefeiert. Die Entwicklung der Schule und des Kindergartens lag mir stets am Herzen; ebenso das neue Feuerwehrgerätehaus, das im vergangenen Jahr eingeweiht wurde, und der Umbau des Dorfgemeinschaftshauses.
Mit welchen Schwierigkeiten hatten Sie zu kämpfen?
Bösch: Schwierig war anfänglich die Zusammenarbeit innerhalb des Rates. Aber es ist mir, glaube ich, gelungen, über die Parteigrenzen hinaus das Dorf zusammenzuführen und eine große Gemeinschaft zu bilden, die bis heute trägt.
Was war das schönste Erlebnis als Bürgermeister?
Bösch: Es sind zwei Ereignisse: 2019 die Einweihung des Kirchplatzes mit einem riesigen Dorffest und dem Besuch der Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast. Und 2022 unsere Aufnahme in das Dorfentwicklungsprogramm. Das Highlight auf dem Weg dahin war eine Börteboot-Tour auf der Oste nach Gräpel, wo wir der Ministerin den Antrag übergeben hatten.
Welche Fehlentscheidung nervt Sie bis heute?
Bösch: Nerven tut mich keine Entscheidung. Obwohl ich einiges erreicht habe - in puncto Deichbegehung, Nutzung des Alten Leuchtturms, freie Fahrt für Radfahrer - bin ich mit dem Erreichten nicht zufrieden. Ich hätte noch unnachgiebiger in den Verhandlungen sein sollen. Wie sich jetzt zeigt, blockiert der Naturschutz jegliche wirtschaftliche Entwicklung in Balje. Die Interessen und die Belange der Menschen dürfen dem Naturschutz nicht untergeordnet sein.
Sprachlos war ich, als vor vielen Jahren die Kreisverwaltung eine Zweigstelle des Standesamts von Freiburg im Baljer Leuchtturm nicht einführen wollte. Heute ist es zum Glück anders.
Würden Sie heute alles genauso wieder machen?
Bösch: Ich kann nach 42 Jahren Kommunalpolitik, davon 17 Jahre als Bürgermeister, aus voller Überzeugung sagen: Ich habe es nie bereut und würde es wieder machen.
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