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TDarum droht dem FKK-Strand an der Nordsee jetzt das Aus

Idylle pur: Der rund 250 Meter lange FKK-Badesteg verbindet den außendeichs gelegenen Saisoncampingplatz in Cappel-Neufeld mit dem Wattenmeer und führt dabei an Salzwiesen vorbei.

Idylle pur: Der rund 250 Meter lange FKK-Badesteg verbindet den außendeichs gelegenen Saisoncampingplatz in Cappel-Neufeld mit dem Wattenmeer und führt dabei an Salzwiesen vorbei. Foto: Leuschner

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Von Heike Leuschner Dienstag, 03.03.2026, 16:05 Uhr

Cappel-Neufeld. Er ist ein verstecktes Juwel in der Gemeinde Wurster Nordseeküste. Bekannt als FKK-Badesteg am Campingplatz im Außendeichgelände von Cappel-Neufeld, führt der 250 Meter lange Holzplankenweg durch Salzwiesen bis zum Wattenmeer. Doch der touristische Schatz ist in die Jahre gekommen. Er soll erhalten bleiben. Fraglich ist, ob das gelingt.

Es sind sowohl die Unterkonstruktion für die Eichenholzbeplankung als auch die Holzauflage selbst, die gelitten haben. Das hängt mit der Bauweise zusammen. Anders als der rund 50 Meter weiter nördlich gelegene (Textil-)Steg wurde der FKK-Steg vor rund 30 Jahren nicht auf einer Steinbuhne, sondern einer Holzkonstruktion im Wattboden verankert.

Trotz seiner Altersschwäche ist der FKK-Badesteg am Grünstrand von Cappel-Neufeld derzeit nicht gesperrt. Die Gemeinde weist jedoch darauf hin, dass Spaziergänger ihn „auf eigene Gefahr“ betreten.

Trotz seiner Altersschwäche ist der FKK-Badesteg am Grünstrand von Cappel-Neufeld derzeit nicht gesperrt. Die Gemeinde weist jedoch darauf hin, dass Spaziergänger ihn „auf eigene Gefahr“ betreten. Foto: Leuschner

Wasser und Wellen schlagen von unten gegen Pfähle und Planken

Dadurch kann Wasser von unten direkt gegen die Holzpfähle und die darauf befestigten Planken schlagen. Das Holz der Unterkonstruktion sei mittlerweile so ausgewaschen, dass Ersatzplanken selbst durch längere Schrauben oder Nägel kaum Halt fänden, berichtete Kurdirektorin Sandra Langheim jetzt in der Tourismusausschuss-Sitzung der Gemeinde.

„Das hat zur Folge, dass zum Teil nicht mehr nur einzelne Planken ausreißen, sondern vielmehr ganze Stegabschnitte ausgerissen und weggespült werden, die eine Sperrung des Stegs in immer regelmäßigeren Abständen nötig machen.“

Die Holzpfosten, auf denen die Eichenbretter für den Steg befestigt sind, müssen um rund 20 Zentimeter eingekürzt und neu beplankt werden. Die Verankerung der Pfosten im Wattboden sei dagegen intakt und könne, so Langheim, wohl noch einmal 30 Jahre halten.

Gemeinde: Stegsanierung mit Fördermitteln

Die Kosten einer Teilerneuerung werden auf rund 100.000 Euro geschätzt. Hinzu kämen jährliche Unterhaltungskosten, die aber auch aktuell anfallen. Werden der Steg entfernt und die Pfosten bis auf Watthöhe gekürzt, ist mit Rückbaukosten von 15.000 bis 24.000 Euro zu rechnen.

Blick vom Wattenmeer in Richtung Deich. Der hölzerne FKK-Badesteg ist so in die Landschaft eingebettet, dass er aus der Ferne gar nicht zu sehen ist.

Blick vom Wattenmeer in Richtung Deich. Der hölzerne FKK-Badesteg ist so in die Landschaft eingebettet, dass er aus der Ferne gar nicht zu sehen ist. Foto: Leuschner

Aus Sicht der Gemeinde kommt eine Sanierung derzeit nur mit Fördermitteln in Betracht, da es sich um eine freiwillige Investition der Gemeinde in den Tourismus handelt. Ein Selbstgänger sei das allerdings nicht. „Ein Fördertatbestand müsste über einen deutlichen Mehrwert – zum Beispiel als naturverträgliches Naturerlebnis- und Besucherlenkungsprojekt mit einem klaren Beitrag zu Nachhaltigkeit und Biodiversität – nachgewiesen werden“, erklärt die Kurdirektorin.

Verkehrsverein: „Steg muss unbedingt erhalten werden“

„Ich finde, dass der Steg unbedingt erhalten werden muss, notfalls auch ohne Förderung“, argumentiert Detlef Grastorff, der im Tourismusausschuss den Verkehrsverein Dorum vertritt. Der ruhige, naturnahe Tourismus in Cappel-Neufeld sei neben dem massentauglichen unbedingt erhaltenswert.

Ratsfrau Birgit Frey-Seegers (CDU) stellte dagegen die Frage in den Raum, ob der zweite Steg nicht von FKK-Anhängern und Textilbadegängern gemeinsam genutzt werden könnte.

Das wiederum schließt Milko Neumann von der Camping- und Freizeit GmbH Wurster Nordseeküste aus. „Das gibt nur Stress“.

Campingplatz-Betreiber: Ohne Steg kein FKK mehr

Dieser Steg sei ein wichtiger Teil des gesamten Areals und nicht nur Teil des FFK-Strandes. „Er ist ein Punkt der Ruhe, von dem aus man in Salzwiesen reinlaufen kann, ohne etwas zu beschädigen“, argumentiert Neumann. „Wenn der Steg wegkommt, würden wir den FKK-Bereich aufgeben. Dann verliert Wurster Nordseeküste eine weitere Attraktion.“

Entschieden, so Bürgermeister Jörg-Andreas Sagemühl (CDU), sei zum jetzigen Zeitpunkt noch nichts. Wenn es keine Fördermittel für die Sanierung gibt, soll neu über das Vorhaben beraten werden. Allerdings fehle ihm derzeit die Fantasie, wie der Steg dann finanziert werden soll.

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