THilferuf am Telefon: Wenn das TAGEBLATT private Probleme lösen soll
Eine Reporterin erreichte kürzlich der Anruf eines alleinerziehenden Vaters. Foto: picture alliance / Markus Scholz
Es gibt Menschen, die meiden die Öffentlichkeit einer Berichterstattung durchs TAGEBLATT. Andere setzen darauf. Das sind manchmal schwierige Fälle.
Stade. Dass Menschen sich in der TAGEBLATT-Redaktion melden, weil wir Reporter über etwas Bestimmtes berichten sollen, ist nichts Ungewöhnliches. Etwa über zu hohe Parkgebühren am Elbe Klinikum in Stade oder über einen 70. Hochzeitstag. Machen wir gerne.
Vater droht am Telefon mit Selbstmord - was tun?
Manchmal erreichen uns aber auch Briefe, Mails oder Anrufe von Menschen, deren Geschichten wir nicht veröffentlichen, obwohl sie uns bewegen. Hier sind zwei Beispiele aus den vergangenen Tagen.
Diamantene Hochzeit
T „Ich bin selbst überrascht, dass wir es so lange ausgehalten haben“
Besonders heftig für eine Reporterin war kürzlich der Anruf eines alleinerziehenden Vaters aus dem Landkreis Stade. Der Mann war in Tränen aufgelöst. Das Jugendamt habe ihm sein Kind weggenommen.
Vom TAGEBLATT erhoffte er sich eine positive Berichterstattung über ihn als Vater und eine negative über die Behörden. Am Telefon drohte er mit Selbstmord, wenn er sein Kind nicht wiederbekommen sollte. Die Kollegin machte sich Sorgen und reagierte.
Keinen Bericht geschrieben, aber Hilfe alarmiert
Anstatt über den Fall und den offenbar psychisch labilen Mann zu berichten, informierte sie die Sozialdezernentin des Landkreises, Susanne Brahmst. Die wiederum nahm sofort Kontakt zum sozialpsychiatrischen Dienst auf. Bei dem war der Mann bereits bekannt.
Noch am gleichen Tag bekam er Besuch von einem Mitarbeiter des sozialpsychiatrischen Dienstes, der mit ihm sprach und ihn beruhigen konnte. Bei der Reporterin bedankte sich der Vater später dafür, dass sie ihm am Telefon zugehört und Hilfe geschickt hatte. Das tat gut.
Ein Artikel in der Zeitung hätte in diesem Fall dagegen niemandem geholfen, ist die Redaktion überzeugt. Der Fall wurde zudem vom Familiengericht geklärt, wo er auch richtig aufgehoben ist.
Warum das TAGEBLATT nicht berichtet hat
Das gleiche gilt für den Fall von Pflegeeltern aus dem Landkreis Stade. Die schilderten kürzlich ihren Fall per Mail, damit das TAGEBLATT ihn öffentlich macht. Es ging dabei um einen Kindergeld-Streit mit der leiblichen Mutter. Auch hier hielten wir uns zurück. Das hat Gründe.
Unsere Aufgabe ist es - bei allen Emotionen - die Themen sachlich anzugehen, die Lage von mehreren Seiten zu beleuchten, Informationen einzuholen und ausgewogen zu berichten. Und wir prüfen: Ist das ein persönlicher Einzelfall oder hat das öffentliche Relevanz? Meistens das erste. Gerichte sind dafür da, das zu lösen.
Zudem ist es extrem schwierig, diese sehr persönlich geprägten Schicksale umfassend darzustellen, da die Behörden keine Auskunft zu Einzelfällen geben dürfen. Das Persönlichkeitsrecht ist ein hohes Gut.
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