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Landwirtschaft

THitze und Trockenheit vermiesen Getreideernte im Kreis Stade

Ein Mähdrescher auf einem Feld.

Die Getreideernte im Kreis Stade steht kurz vor dem Abschluss. Trockenheit hat ihr zugesetzt. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Zu viel Hitze, zu wenig Wasser - die Getreideernte fällt schlecht aus. Genaue Ursachen und Zahlen nennt Jan Dammann vom Landvolk/Kreisbauernverband Stade.

Von Susanne Laudien 11.08.2026, 13:38 Uhr

Apensen. Nur noch selten sieht man in diesen Tagen einen Mähdrescher auf den Feldern im Landkreis Stade. Die Getreideernte liegt in den letzten Zügen. Gerste, Raps, Weizen, Roggen und Triticale (Mischung aus Roggen und Weizen) sind so gut wie abgeerntet.

Die Landwirte sind mit der Getreideernte bis zu 14 Tage früher dran als sonst. „Es ist ungewöhnlich, dass jetzt schon alles fertig ist“, sagt Jan Dammann, Landwirt und stellvertretender Vorsitzender im Landvolk Niedersachsen/Kreisbauernverband Stade.

Wie sind die Ernteerträge im Vergleich zum Vorjahr?

Im Kreis Stade gibt es 38.000 Hektar Ackerland, die Hälfte für Maisanbau und je ein Drittel für Getreide (hauptsächlich Weizen), Raps und Kartoffeln. Jan Dammann nennt die aktuellen Ertragszahlen im Vergleich zum Vorjahr: Je Hektar 7,5 Tonnen Weizen (im Vorjahr 9 Tonnen), 6,5 Tonnen Roggen (7,5 Tonnen), 7 Tonnen Gerste (8 Tonnen) und 3 Tonnen Raps (3,7 Tonnen). Nahezu kein Landwirt sei mit der Ernte zufrieden, so Dammann.

Welchen Einfluss hatte das Wetter auf die Ernte?

„Die Hitzewelle im Juni hat stark dazu beigetragen, dass die Getreidekörner dieses Jahr kleiner sind. Aber das Getreide war jetzt reif und musste daher geerntet werden.“

Negativ ausgewirkt haben sich außerdem der akute Wassermangel auf den Feldern und der anhaltende Frost im Winter. Die drei Faktoren zusammen konnten die Pflanzen nicht kompensieren, sagt Dammann.

Jan Dammann, Landwirt und stellvertretender Vorsitzender im Landvolk Niedersachsen/ Kreisbauernverband Stade.

Jan Dammann, Landwirt und stellvertretender Vorsitzender im Landvolk Niedersachsen/ Kreisbauernverband Stade. Foto: Jan Dammann

Gibt es Qualitätseinbußen durch Notreife?

„Die Getreidekörner sind kleiner und haben ein niedrigeres Hektolitergewicht.“ Dennoch enthalten sie die wichtigen Inhaltsstoffe, da das Getreide mit reifem Korn geerntet wurde, so Dammann. „Bei monetären Erträgen zählen auch die inneren Werte“, erklärt der 49-Jährige, der 2008 den landwirtschaftlichen Betrieb seiner Eltern in Issendorf übernommen hat und zur Hälfte Mais sowie auf den restlichen Flächen Weizen, Roggen, Raps, Hirse, Gerste und Kartoffeln anbaut.

Wie liegen die Preise für Getreide?

Die regionalen Erzeugerpreise direkt beim Landhandel betragen je nach Qualität und Region rund 180 bis 200 Euro pro Tonne Weizen; Futtergerste liegt bei etwa 150 bis 155 Euro. Der Getreidemarkt sei momentan stark volatil, erklärt Dammann.

„Konfliktherde wie der Ukraine-Krieg beeinflussen extreme Preisschwankungen.“ Zuletzt waren die Preise für Getreide sehr hoch, jetzt fallen sie wieder. „Das kann morgen schon wieder ganz anders sein.“

Insgesamt sei das Preisniveau aber höher als in den letzten 18 Monaten. Jan Dammann beobachtet seit vielen Jahren die Agrarmärkte. Früher waren die Preise relativ gleichbleibend und für Landwirte daher berechenbarer. Vor zehn Jahren gab es monatliche Preisschwankungen, seit dem Ukraine-Krieg wöchentliche und jetzt sogar stündliche Veränderungen.

Machen sich gestiegene Dieselpreise bemerkbar?

Ja, die hohen Dieselpreise machen der Landwirtschaft zu schaffen. Um hier Kosten zu sparen, überlegen Landwirte jetzt einmal mehr, ob es Sinn ergibt, das Feld zu eggen, sagt Dammann. Zumal jeder Ackergang auch die Bodenfeuchte verringere.

Wie steht es um die Wasserversorgung?

Die Trockenheit ist ein großes Problem, sagt Dammann. In Harsefeld seien die Äcker staubtrocken. Selbst wenn es jetzt regnet, würde das Wasser auf den stark ausgetrockneten Böden einfach ablaufen und nicht in die Tiefe eindringen.

Was ist in diesem Jahr das Besondere?

„Der starke Hagelschauer vom 13. Juli hat zwischen Harsefeld und Apensen enorme Schäden in allen Kulturen angerichtet.“ Bei Getreide und Raps seien es Verluste bis zu 50 Prozent.

Durch den Hagel seien die Getreidekörner aus den Ähren herauskatapultiert worden und konnten nicht mehr geerntet werden. Bei Kartoffeln, Rüben und Mais wurden die Blätter beschädigt und die Pflanzen seien dadurch im Wachstum gestört.

Wie wirkt sich der Klimawandel aus?

Wer sich auf alte Bauernregeln verlässt, sei ein Leugner des Klimawandels, sagt Dammann. Die Vegetationsphasen setzten inzwischen früher ein und hörten später auf. Zudem seien Zeiträume von Sonnenschein und Regen viel länger. Auch die Wetterextreme wie Hagel und Stürme hätten zugenommen.

Was rät der Fachmann den Landwirten?

Jan Dammann setzt verstärkt auf Maisanbau und zusätzliche Beregnung. „In unserer Region wächst Mais am besten, da die Witterung gut zum Verlauf der Pflanzen passt, so dass die Ertragsrentabilität höher ist.“ Eine andere Möglichkeit sei die Beregnung der Felder. Die sei aber teuer und bei Weizen und Roggen keine flächendeckende Lösung.

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