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Altländer Viertel

THochhaus ohne Heizung: Mieter suchen verzweifelt Wohnungen in Stade

„Wer kann uns helfen“, fragen sich Egon Quednau und Heidi Krause.

„Wer kann uns helfen“, fragen sich Egon Quednau und Heidi Krause. Foto: Stehr

Nach den TAGEBLATT-Berichten über die Zustände in einem Hochhaus im Altländer Viertel hat der Eigentümer reagiert. Allerdings nicht im Sinne seiner Mieter.

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Von Lena Stehr
Mittwoch, 28.01.2026, 19:00 Uhr

Stade. Seit Anfang Dezember 2025 leben Heidi Krause und ihre Nachbarn im Hochhaus in der Grünendeicher Straße 2 in Stade ohne Heizung und fließendes Wasser. „Ich brauche dringend eine neue Wohnung und bin dankbar für jede Hilfe“, sagt die Rentnerin. Sie hat nach den TAGEBLATT-Berichten über die menschenunwürdigen Zustände nun zum ersten Mal seit Monaten etwas vom Vermieter gehört.

Hochhaus-Eigentümer macht den Mietern Druck

Anstatt ihr und den anderen Bewohnern aber eine alternative Wohnung für die Zeit der laufenden Gebäudesanierung anzubieten oder den Mietern in anderer Form entgegenzukommen, macht die MMK Grundbesitz Druck. Schriftlich teilt das Ahrensburger Unternehmen mit, dass im Zuge der umfassenden Sanierung des Gebäudes akute Schäden an Wasser- und Heizungsleitungen festgestellt worden seien. Es bestehe dringender Handlungsbedarf, um weitere Schäden sowie Versorgungsunterbrechungen zu vermeiden.

Heidi Krause lebt seit 23 Jahren in ihrer Wohnung in der Grünendeicher Straße 2. Seit Wochen hat sie weder Heizung noch Wasser.

Heidi Krause lebt seit 23 Jahren in ihrer Wohnung in der Grünendeicher Straße 2. Seit Wochen hat sie weder Heizung noch Wasser. Foto: Stehr

Die Mieter sollen unverzüglich mit der Baufirma einen Termin vereinbaren und Handwerker in ihre Wohnungen lassen. Um die Grundversorgung sicherzustellen, würden Ölradiatoren bei Bedarf zur Verfügung gestellt.

Wie lange die Arbeiten dauern sollen und mit welchen Einschränkungen die Mieter genau zu rechnen haben, geht aus dem Schreiben nicht hervor. Dafür wird auf das Sonderkündigungsrecht der Mieter gemäß §555e BGB hingewiesen.

„Die sind froh, wenn wir hier ausziehen“

Für Heidi Krause ein klares Signal: „Die sind froh, wenn wir hier ausziehen“, sagt die Rentnerin. Sie lebt seit 23 Jahren in ihrer 58 Quadratmeter großen Wohnung. Das Sozialamt hat ihre Miete zuverlässig überwiesen. Inzwischen sei die Zahlung allerdings eingestellt worden. Das hat Heidi Krauses Anwältin in die Wege geleitet.

Egon Quednau hat sich zwei Heizlüfter angeschafft, damit er in seiner Wohnung nicht frieren muss.

Egon Quednau hat sich zwei Heizlüfter angeschafft, damit er in seiner Wohnung nicht frieren muss. Foto: Stehr

Auch Egon Quednau wird ab sofort in Rücksprache mit seinem Anwalt keine Miete mehr zahlen. „Ich habe immer pünktlich überwiesen, wenn ich meine Rente und die Grundsicherung auf dem Konto hatte, aber damit ist jetzt Schluss“, sagt er. Der Eigentümer sei verpflichtet, eine Ersatzwohnung zur Verfügung zu stellen oder ein Hotelzimmer zu bezahlen.

Dass das Haus saniert wird, hätte der Eigentümer ebenfalls ankündigen müssen, und zwar drei Monate vorher. Nur Notmaßnahmen wie dringende Reparaturen nach Rohrbrüchen können auch ohne Ankündigung durchgeführt werden.

Ordnungswidrig handeln Vermieter laut §6 WiStrG auch, wenn sie bauliche Veränderungen in einer Weise durchführen lassen, die zu erheblichen, objektiv nicht notwendigen Belastungen des Mieters führen - und zwar in der Absicht, einen Mieter so zur Kündigung zu veranlassen. Bekannt ist dieses bundesweit auftretende Problem als sogenanntes Herausmodernisieren.

Die MMK Grundbesitz GbR aus Ahrensburg vermietet die Wohnungen im Hochhaus Grünendeicher Straße 2.

Die MMK Grundbesitz GbR aus Ahrensburg vermietet die Wohnungen im Hochhaus Grünendeicher Straße 2. Foto: Stehr

Die Mieter in der Grünendeicher Straße 2 sind inzwischen so mürbe gemacht worden, dass sie ihr Zuhause lieber heute als morgen verlassen wollen. Heidi Krause hat sich schon eine Wohnung in der Nachbarschaft angeguckt, die infrage kommen könnte, aber noch keine Zusage erhalten. Es sei schwer, etwas zu finden. Bis zu 600 Euro Miete zahlt ihr das Sozialamt.

Die Handwerker kamen nicht wie angekündigt

Schwer genervt und zunehmend verzweifelt ist auch Mieter Mario Geppert. Der 51-Jährige lebt seit 2012 in einer gut 40 Quadratmeter großen Einzimmerwohnung in dem Hochhaus. Er habe nichts Schriftliches, dafür aber einen Anruf vom Vermieter bekommen. „Am Folgetag müsse jemand in die Wohnung, hieß es. Es kam aber niemand“, sagt Geppert.

Am 27. Januar seien dann die Abwasserleitungen freigemacht worden. „Weil ich davon nichts wusste, war ich bei der Arbeit. Meine Rohre sind immer noch verstopft“, sagt er. Dafür habe er wieder Kaltwasser. Mario Geppert wartet nun auf den Klempner, der das Warmwasser wieder einschalten soll. Einen Urlaubstag hat er dafür schon umsonst geopfert.

Mario Geppert und Egon Quednau hoffen, dass sie eine Wohnung in den neuen Mehrfamilienhäusern mit 84 Wohneinheiten bekommen, die die Firma Viebrock an der Grünendeicher Straße errichtet hat.

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