THolzspäne und Handarbeit: Bargstedter drechselt aus Leidenschaft
Bernd Peters hat sich mit der „kleinen Drechslerei" selbstständig gemacht. Foto: P. Meyer
Mit seiner Liebe für den Werkstoff Holz ist Bernd Peters eine Art „Meister Eder von der Geest“. Der Bargstedter erklärt, wie aus einem Stück Holz ein Unikat wird.
Harsefeld. Der Duft von Holz liegt in der Luft, ein ungleichmäßiges Surren durchbricht die Ruhe in der Werkstatt. Holzspäne regnen leise nieder - wie Konfetti, das an Karneval in die Menge geworfen wird. Fast wirkt es, als könnte jeden Moment ein kleiner Kobold hier seinen Unsinn treiben, wie in den Geschichten vom Meister Eder und seinem Pumuckl. Der spukt zwar nicht durch die kleine Werkstatt von Bernd Peters, doch auch hier dreht sich alles um den besonderen Werkstoff Holz.
Das Holzstück dreht sich an der Drechselbank. Foto: P. Meyer
Wenn Bernd Peters sein Drechseleisen ansetzt, kann er abschalten, sich nur auf das Stück Holz vor ihm konzentrieren. Mit der „kleinen Drechslerei“ hat sich der gelernte Tischler vor acht Jahren selbstständig gemacht. Seit er im September in Rente gegangen ist, widmet sich der 65-Jährige nun ganz seiner Leidenschaft: dem Drechseln. Dafür hatte sich Bernd Peters schon lange interessiert, zunächst als Hobby neben seinem Beruf. Holz ist nicht nur berufsbedingt sein liebstes Material: „Es ist einfach ein klasse Werkstoff, der sich warm anfühlt“, beschreibt der Bargstedter.
Schneiden statt schaben: Darauf kommt es an
Wichtig beim Drechseln sei vor allem die richtige Werkzeugführung, erklärt Peters, der sich sein Wissen über mehrere Fortbildungen aneignete. Der Winkel müsse stimmen, damit das Holz nicht geschabt, sondern sauber geschnitten werde. Es ist ein Handwerk, das Präzision verlangt - und Erfahrung. Viele Jahre besuchte er selbst Kunsthandwerkermärkte, inzwischen steht er dort mit seinem eigenen Stand und zeigt, was aus einem Stück Holz werden kann.

Das Holzstück dreht sich an der Drechselbank. Mit dem Drechseleisen formt Bernd Peters es zurecht. Foto: P. Meyer
Besonders angetan haben es ihm heimische Hölzer, vor allem Obsthölzer aus dem Alten Land. Apfelbäume etwa ließen sich hervorragend bearbeiten, sie hätten eine feine, feste Struktur. „Daraus kann man fast alles machen“, sagt Peters. Nadelhölzer hingegen seien schwieriger, da harte und weiche Jahresringe sich abwechseln. Ihn reizt vor allem die Maserung des Holzes herauszuarbeiten. So erst komme die Schönheit des Holzes zum Vorschein.

Obstschalen mit Naturrand herzustellen, dauert länger als herkömmliche Schalen herzustellen. Foto: P. Meyer
Schalen, Gewürz- und Pfeffermühlen, Windlichter: Vieles entsteht in seiner Werkstatt. Doch was genau aus einem Stück Holz wird, entscheidet sich oft auch erst im Prozess. Peters betrachtet jedes Stück genau: Ist die Struktur ruhig oder lebhaft? Gibt es Äste, ist es gerade gewachsen? „Was gibt mir das Holz vor?“, fragt er sich und richtet seine Arbeit danach aus. Für eine einfache Schale braucht er zwei bis drei Stunden, aufwendigere Stücke, die etwa einen Naturrand haben, dauern deutlich länger.
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Der Weg vom Rohholz zum fertigen Produkt ist immer ähnlich: zuschneiden, begutachten, einspannen, drehen, schleifen - alles per Hand. Zum Abschluss wird das Holz geölt. „Das ist das natürlichste und lebensmittelecht“, sagt Peters. Gleichzeitig bringt das Öl die Maserung besonders gut zur Geltung.

Schalen mit Epoxidharz. Foto: P. Meyer
Dass kleine Handwerksbetriebe es heute schwer haben, weiß er. Industrielle Massenware ist günstiger. Doch Peters setzt bewusst auf Individualität. „Dafür bekommt man bei kleinen Betrieben echte Unikate“, sagt er. Sonderanfertigungen etwa, lassen sich nicht einfach im Laden kaufen. Die Sprosse für einen alten Stuhl oder die Spule eines Spinnrades etwa, habe er kürzlich für Kunden angefertigt.
Das Handwerk braucht den Nachwuchs
Als Nächstes ist Bernd Peters in Horneburg auf dem Kunsthandwerkermarkt am 12. April zu finden. Auf Märkten wie diesem kommt er mit vielen Menschen ins Gespräch. Oft drechselt er auch direkt vor Ort. „Viele merken dann erst, dass ich alles per Hand mache“, erzählt er. Das Interesse sei groß, auch bei jüngeren Menschen. Das freut ihn besonders, denn ohne Nachwuchs drohe das Handwerk zu verschwinden.
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Für Bernd Peters selbst ist das Drechseln vor allem eines: Entspannung. „Dabei kann ich völlig abschalten, ich vergesse die Zeit“, sagt er. Gleichzeitig bleibe es ein kreativer Prozess, der Feingefühl und immer neue Ideen verlange. Auch moderne Techniken wie das Arbeiten mit Epoxidharz probiert er aus. Dabei entstehen besondere Kombinationen aus Holz und dem lichtdurchlässigen Material.

Bernd Peters mit einer seiner selbst gedrechselten Pfeffermühlen. Foto: P. Meyer
Stillstand ist für ihn keine Option. „Wer rastet, der rostet“, sagt Peters lachend. Nach seiner Rente konnte er es kaum erwarten, noch mehr Zeit in seiner Werkstatt zu verbringen. Mit seiner Leidenschaft für Holz will Bernd Peters auch andere für das Kunsthandwerk begeistern. Einen Pumuckl brauchen er und die kleine Drechslerei jedenfalls nicht dafür - was hier entsteht, kommt ganz ohne die Magie eines Kobolds aus.
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