THomophobe Äußerungen auf dem Platz? VfL Sittensen bricht Spiel ab
In der ersten Kreisklasse Süd wurde das Spiel VfL Sittensen gegen SV Horstedt nach Vorwürfen homophober Äußerungen abgebrochen. (Symbolbild) Foto: picture alliance/dpa
Der Vorwurf gegen den SV Horstedt überschattet eine makellose Saison.
Landkreis Rotenburg. Letzter Spieltag in der ersten Kreisklasse Süd. Es geht im Grunde um gar nichts mehr zwischen dem VfL Sittensen und den Gästen aus Horstedt. „So sind wir auch ins Spiel gegangen“, so VfL-Kapitän Thian Evers.
Doch die Partie läuft von Beginn an anders als erwartet, ist voller Nicklichkeiten, Sprüche fallen, der eine oder andere Ellenbogen wird ausgefahren. Ein Gäste-Spieler sieht noch vor der Pause die Gelb-Rote Karte und dann gerät die Begegnung völlig aus den Fugen.
Das Spiel kippt: homophobe Äußerungen fallen auf Spielfeld
Ein Tor für Horstedt fällt. Thian Evers und Mitspieler Leon Holzportz markieren Abseits und nun kommt es laut Evers zu einer verbalen Entgleisung eines SV-Akteurs. „Er hat zu uns gesagt, ihr seid ja kleine Schwulis“, so Evers. „Ich fragte nach, was sind wir? Er wiederholte seine Äußerung.“ Und es geht noch weiter: „In der nächsten Situation habe ich zu ihm gesagt, dass ich solche homophoben Äußerungen nicht in Ordnung finde, so etwas hätte hier nichts zu suchen. Seine Antwort: Ich soll mich verpissen, weil ich eine Schwuchtel bin.“
Evers informiert den Unparteiischen Uwe Rautenberg, teilt ihm mit, dass er in der Pause mit seinen Mannschaftskameraden sprechen würde, ob man diese Partie überhaupt fortsetzen sollte. „Der Schiedsrichter hat sich bei mir bedankt, fand unser Ansinnen gut“, so Evers. Und es geschieht tatsächlich: Die Sittenser entscheiden in der Pause, nicht weiterzuspielen. „Unser Verein hat eine klare Haltung zu solchen homophoben, aber auch rassistischen Äußerungen. Sie haben im Verein und auf dem Platz nichts verloren. Dementsprechend haben wir auch gehandelt, wollten mit unserer Entscheidung ein Zeichen setzen“, so Evers.
Ein Zeichen, das bei den Gästen nur bedingt auf Verständnis stößt. „Der Horstedter Kapitän hat sich bei uns entschuldigt, diese Entscheidung sehr gut aufgenommen. Andere Spieler hingegen sind durch die Decke gegangen, konnten überhaupt nicht verstehen, warum wir wegen so einer Äußerung das Spiel abbrechen würden. Das zeigte uns auch noch einmal deutlich, wir haben hier das richtige Zeichen gesetzt“, so Evers, der als Kapitän eine Regenbogen-Binde trägt.
Spielabbruch: VfL Sittensen steht hinter Entscheidung des Teams
Der Gesamtverein stärkt seinen Fußballern den Rücken. „Der VfL Sittensen vertritt eine klare Null-Toleranz-Haltung gegenüber menschenverachtenden, diskriminierenden oder ausgrenzenden Äußerungen. Die Entscheidung, das Spiel abzubrechen, wurde von der Mannschaft gemeinsam getroffen. Es erfordert Mut, für die eigenen Werte einzustehen – und der Verein steht geschlossen hinter seinen Spielern“, so Bettina Haneke, Pressewartin des VfL Sittensen.
Und wie steht der SV Horstedt zu dieser ganzen Causa? „Eins vorweg: Rassistische und homophobe Äußerungen haben auf dem Platz und natürlich beim SV Horstedt nichts verloren“, so Bernd Sager, der erste Vorsitzende des Sportvereins. „Wir haben ja mehrere ausländische Spieler erfolgreich integriert, und bei unseren Partien spielt fast jede Woche das Thema Rassismus eine Rolle. Wir werden diese ganze Angelegenheit intern aufarbeiten, wenn die Mannschaft wieder in Deutschland ist.“ Die Mannschaft aus Horstedt befindet sich nämlich seit Samstag auf Mallorca.
Sager macht auch dem Gegner Vorwürfe: „Ich hatte noch die Möglichkeit, mit unserem Trainer Saki Kogias zu sprechen. Laut ihm wurde einer unserer Spieler selbst von einem VfL-Akteur rassistisch beleidigt. Wie gesagt, so etwas gehört nicht auf dem Fußballplatz“, so Sager, der auch die Rolle des Unparteiischen infrage stellt. „Ich bin schon auf den Spielbericht gespannt“, so Sager. „Der Schiedsrichter hat ja selbst nichts gehört. Falls wir bestraft werden sollten, werden wir dagegen vorgehen. Das kann ich nun schon versprechen.“
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