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T„Ich hatte vor nichts Schiss“: D/A-Stürmer Aue über Schicht und Fußball

Philipp Aue erzielte gegen den HSC Hannover sein viertes Saisontor.

Philipp Aue erzielte gegen den HSC Hannover sein viertes Saisontor. Foto: Struwe (nomo)

Acht Stunden Gabelstaplerbauen, danach ab zum Training. D/A-Stürmer Philipp Aue ist Schichtgänger und Leistungssportler. Wie das zusammenpasst.

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Von Daniel Berlin
Freitag, 24.04.2026, 06:25 Uhr

Drochtersen. In der Karriere des D/A-Fußballers Philipp Aue gibt es ein paar Tage, die der heute 25-Jährige für immer im Hinterkopf abgespeichert hat. Den 5. November 2023 zum Beispiel. An dem Tag bestritt Aue im D/A-Trikot die ersten Regionalliga-Minuten. Oder der 18. Mai 2024 in Havelse. Der erste Startelf-Einsatz. Die bewegten Bilder von seinem ersten Regionalligator finden sich heute noch in den einschlägigen Medien.

21. September 2024. Heimspiel gegen Phönix Lübeck. Es steht 1:1. 86. Minute. Trainer Oliver Ioannou wechselt Aue ein. Wenige Augenblick später schießt der Stürmer D/A zum Sieg. Jubel und Emotionen. Erinnerungen für die Ewigkeit.

Hier geht es zum neuen Podcast

„Das war schon sehr besonders. Ein bisschen Bilderbuch“, sagt Aue in der neuen Folge des Podcasts „D/A sind wir zuhaus“. In der Folge erzählt Aue von der Doppelbelastung durch professionellen Fußball und tägliche Schichtarbeit, von seinem sportlichen Werdegang und vom Zanderangeln.

Um ein Haar wäre der Treffer zum 2:1 kurz nach seiner Einwechslung am vergangenen Mittwoch beim HSC Hannover auch in Aues persönliche Highlight-Liste eingegangen. Aber in der Schlussphase kassierte D/A noch den Ausgleich gegen eine abstiegsbedrohte Mannschaft, die sieben Mal in Serie verloren hatte. Ein bitterer Abend.

Am Donnerstagmorgen musste die gefühlte Niederlage halbwegs verdaut sein. Um 4.30 Uhr klingelte Aues Wecker. Ab 6 Uhr baute der Drochterser Stürmer für ein Hamburger Unternehmen schon wieder Gabelstapler und Hubwagen zusammen. Aue ist der einzige Schichtarbeiter in der Mannschaft.

Wie passen Beruf und Leistungssport zusammen?

Wie sehr kann Philipp Aue auf dem Fußballplatz Leistungssportler sein, wenn er eine achtstündige Früh- oder Nachtschicht in den Knochen hat? „Das ist schon zeit- und kraftintensiv“, sagt der Fußballer. Aber er habe im Sommer 2023 den Wechsel vom Landesligisten VfL Güldenstern Stade nach Drochtersen gewagt und müsse das jetzt eben in Kauf nehmen.

Aue kann bei jedem D/A-Training dabei sein, weil seine Kollegen mit ihm die Spätschichten tauschen. Wenn er nachts arbeitet, muss er sich nach dem Training sputen, damit er pünktlich um 22 Uhr in Hamburg ist. Am nächsten Tag schläft er bis zum Nachmittag.

Tageblatt-Sportchef Daniel Berlin spricht mit D/A-Stürmer Philipp Aue im Podcast über seine Reservistenrolle, Gabelstapler in der Nachtschicht und die Kunst des Zanderangelns.

Tageblatt-Sportchef Daniel Berlin spricht mit D/A-Stürmer Philipp Aue im Podcast über seine Reservistenrolle, Gabelstapler in der Nachtschicht und die Kunst des Zanderangelns. Foto: Giwah (nomo)

Wenn er Frühschicht hat, „zieht sich der Tag“, sagt Aue. Arbeit, zwei Stunden für sich, Training, Abendessen und Quatschen mit der Freundin, früh ins Bett. „Für den Biorhythmus ist das auf Dauer vielleicht nicht ganz so gesund“, sagt Aue. Vor allem am Ende einer Woche geht es an die Substanz. Dass Aue Fußball spielt und arbeitet, sagt viel über seine sportlichen Perspektiven.

Aue hat Vertrag bei D/A bis 2027

Vom Geld allein, das Aue für das Fußballspielen bei D/A bekommt, kann er nicht leben. Und mit jetzt 25 Jahren hat der Offensivspieler eine Profi-Laufbahn abgehakt. „Obwohl im Fußball alles möglich ist. Die 3. Liga ist ja nicht so weit weg“, sagt Aue.

In der laufenden Saison scheint der Aufstieg für D/A außer Reichweite. Der Vorsprung des SV Meppen ist zu komfortabel. Aber vielleicht gelingt es dem Verein in der nächsten Spielzeit. Philipp Aue ist dann auf jeden Fall noch dabei. Sein Vertrag läuft noch bis Sommer 2027.

Philipp Aue kommt in der laufenden Saison auf 288 Spielminuten in der Liga und im Pokal.

Philipp Aue kommt in der laufenden Saison auf 288 Spielminuten in der Liga und im Pokal. Foto: Struwe (nomo)

Philipp Aue schaut zurück in seine Kindheit. Das Nachwuchsleistungszentrum des HSV war gar nicht so weit weg. „Aber mein Fokus war nicht ganz so da“, sagt Aue. Er machte mit 14, 15 Jahren eine Fußballpause, stieg lieber aufs Skateboard.

Dies ist Philipp Aues Rolle bei D/A

War er ein Rebell? „Draufgänger. Ich hatte vor nichts Schiss“, sagt Aue. Manchmal, erzählt er, frage er sich, was wäre wenn. Aber er trauert der möglicherweise verpassten Chance nicht täglich hinterher. Jetzt hat Aue längst seine Rolle bei D/A gefunden.

20 Einsätze stehen in seiner diesjährigen Regionalligastatistik, 2 im Landespokal. Trainer Ioannou wechselte ihn 22 Mal ein. Aue spielte im Schnitt knapp 14 Minuten pro Partie und erzielte dabei insgesamt 4 Tore. Heute ist Aue „relativ zufrieden damit“. Er hatte sich nach seinem Wechsel von Stade nach Drochtersen geschworen, in jedem Training „alles reinzuwerfen“ und sich dann dafür zu belohnen.

D/A-Präsident Rigo Gooßen gratulierte Aue als Erster am 21. September 2024: Der Stürmer wurde eingewechselt und schoss in der Nachspielzeit das Siegtor gegen Phönix Lübeck. Sein erster Treffer überhaupt.

D/A-Präsident Rigo Gooßen gratulierte Aue als Erster am 21. September 2024: Der Stürmer wurde eingewechselt und schoss in der Nachspielzeit das Siegtor gegen Phönix Lübeck. Sein erster Treffer überhaupt. Foto: Struwe (nomo)

Wenn der Stress zu groß wird, schaltet Philipp Aue am Wasser ab. Er geht angeln. Der größte Fisch, den er je an Land gezogen hatte, war ein ein Meter großer Hecht. Am liebsten mag er Zander. Selbst gefangen und gebraten. Noch haben die Fische Schonzeit. Aber Philipp Aue freut sich auch hier auf die nächste Saison.

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