TIm La Nuova Gondola gibt es Soulfood statt Fastfood
Und ab in den Pizzaofen damit: Für seine Gäste bereitet Giovanni Antonino Favari gerne Pizza zu - notfalls auch mit Ananas und Schinken. Noch lieber überrascht er sie aber mit anderen sizilianischen Spezialitäten. Foto: rp
Vor einem halben Jahrhundert kam Giovanni Antonino Favari nach Bremerhaven. Heute führt er das „La nuova Gondola“ in Lehe - mit Spaß, Kreativität und jeder Menge Leidenschaft.
Bremerhaven. Ein Besuch im Restaurant „La Nuova Gondola“ gleicht einer kulinarischen Reise nach Italien. Genauer: nach Sizilien. Inhaber Giovanni Antonino Favari stammt aus Valledolmo, 90 Kilometer von Palermo entfernt - und möchte die Liebe zu seiner Heimat mit seinen Gästen teilen. Und Liebe geht bekanntlich durch den Magen.
Soulfood statt Fastfood: Im „La Nuova Gondola“ gibt‘s sizilianischen Genuss
Giovanni Antonino Favari, der von allen Nino genannt wird, lebt bereits seit 1975 in Bremerhaven: „Als ich mit 17 Jahren nach Deutschland kam, hatte ich keine Ahnung vom Kochen“, erinnert sich der heute 66-Jährige. Bis dahin stand er nur dann neben dem Herd, wenn seine Mutter Spaghetti kochte: „Ich habe die Spaghetti immer schon aus dem Topf gefischt, bevor sie al dente waren. So mochte ich sie am liebsten“, sagt Favari und schmunzelt.
Ein väterlicher Freund lockte ihn nach Bremerhaven
Als junger Mann folgte er der Einladung eines väterlichen Freundes, der ebenfalls aus seinem Heimatdorf stammte und in Bremerhaven ein italienisches Restaurant führte: „Ich habe dann als einfacher Pizzabäcker gearbeitet“, erzählt Favari, der seine italienische Heimat ohne zu zögern verließ: „Ich wollte es einfach versuchen und schauen, ob es mir in Deutschland gefällt. Und ich habe mich schnell integriert, meine Frau kennengelernt. Und dann kamen drei Kinder.“
Viele Jahre arbeitete er als Pizzabäcker im Restaurant Italia an der Hafenstraße. Später machte er sich selbstständig, führte bis 2008 ein Restaurant in Beverstedt, später die Villa Romantica am Leher Tor in Bremerhaven. Das „La Nuova Gondola“ mit 40 Sitzplätzen in der Hinrich-Schmalfeldt-Straße betreibt er seit elf Jahren gemeinsam mit seiner Tochter Chiara.
Gastronomie
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An gleicher Stelle existierte seit 1963 das „La Gondola“. Als er das Restaurant übernahm, wollte Favari etwas anders machen als seine Vorgänger: „Ich fand es zu dunkel. Und ich bin auch in der Innenausstattung sehr begabt“, sagt der 66-Jährige und grinst. Auch ein neuer Name musste her – einer, der zeigt, dass er die Traditionen aufrecht halten, aber alles „erfrischend anders“ machen wird. Das „La Nuova Gondola“ - Die neue Gondel - war geboren.
Klassiker und kreative Gerichte – Soulfood mit sizilianischem Herz
In der Küche seines Restaurants findet er täglich sein Glück. Und dieses Glück möchte er mit seinen Gästen teilen: „Ich liebe es, wenn die Menschen mein Essen in aller Ruhe genießen.“ Doch oft werde „schnell, schnell“ gegessen, bedauert der Koch, der sich eine treue Stammkundschaft gesichert hat. Seine Gäste kämen auch wegen der Überraschungen, die er gerne bereithält.
Ein Klassiker bei jedem Italiener ist natürlich die Pizza. Aber was zeichnet sie aus? „Sie ist knusprig, kross und nicht zu dick“, sagt Favari.
Mit flinken Bewegungen formt er aus dem vorbereiteten Teig eine runde Basis. „Den Teig bloß nicht ausrollen“, mahnt der Profi. Wenig später verteilt er Tomatensoße auf dem Teig und belegt diesen mit Mozzarella.
Mit einer schnellen, aber präzisen Bewegung schiebt er die Pizza dann in den Steinofen. Dort wird die Pizza bei großer Hitze gebacken, bis der Käse schmilzt und die Ränder goldbraun sind. Ein Vorgang, der nur wenige Minuten dauert. Aber wie es währenddessen duftet....
Handwerk mit Liebe: Vom Käse bis zur Pizza
Tausende Male hat er diese Handgriffe schon gemacht, Freude machen sie ihm noch immer. „Ich koche mit Leidenschaft, egal ob im Restaurant, zu Hause oder auf Sizilien“, sagt Favari, der eigentlich gar kein gelernter Koch ist. Er hat sich viele Tricks und Kniffe selbst beigebracht und seine Fähigkeiten über die Jahre verfeinert.
Seine Gäste überzeugt er mit typisch italienischen und auch sizilianischen Gerichten. Er schwärmt von „Arancini Siciliani“, frittierten und gefüllten Reisbällchen. „Typisch sizilianisch sind sie etwa mit Hackfleisch, Erbsen und Mozarella gefüllt“. Auch das süßsaure Gemüsegericht „Caponata di melanzane“ und sizilianische Kroketten haben es ihm angetan. Genau wie „Panelle“, frittierte Kichererbsen-Fladen, und Cannoli. Nein, das sind keine Nudeln, sondern frittierte Teigrollen mit einer süßen cremigen Füllung: „Ich fülle sie mit selbstgemachter Quarkcreme und Früchte“, sagt der Gastronom. Diese teils aufwendigen Leckereien bereitet er gerne auf Vorbestellung für Gäste und Freunde zu.
Giovanni Antonino Favari experimentiert gerne
Besonderen Spaß macht es dem Sizilianer, in der Küche zu experimentieren: „Ich liebe es, Neues zu entwickeln und auszuprobieren“, schwärmt Favari. Viele Stammgäste schätzen seine Leidenschaft und Kreativität so sehr, dass sie längst keine Speisekarte mehr verlangen und sich lieber von den Kreationen des Kochs überraschen lassen. „Das freut mich natürlich besonders“, sagt er, wobei seine Augen funkeln.
Und er zeigt sich flexibel gegenüber Kundenwünschen – sogar eine Pizza mit Ananas und Schinken landet gelegentlich auf einem Teller. „Die gibt es in Italien nicht. Aber wenn der Kunde es wünscht, bekommt er es auch….“, sagt der Sizilianer und zuckt mit den Schultern. Einen Wunsch aber erfüllt er nur mit Bauchgrummeln: „Wenn ein Filetstück durchgebraten werden soll, tut mir das in der Seele weh“, betont der 66-Jährige und seufzt hörbar.
In der Küche regiert Favari alleine: „Er arbeitet immer sehr konzentriert, fokussiert und planvoll“, beschreibt ihn Tochter Chiara, die sich um den Service kümmert.
Auf der Karte stehen Fleisch, Fisch, Pizza und Pasta in verschiedenen Variationen. „Die Zutaten müssen immer frisch sein und ich möchte wissen, woher sie kommen“, betont er. „Früher hatte ich einen Garten, in dem ich eigenes Gemüse angebaut habe“, sagt der 66-Jährige. Doch krankheitsbedingt musste er die Gartenarbeit aufgeben.
Drei Monate blieb die Küche leer
Im Jahr 2023 wurde Favari an den Händen operiert, konnte drei Monate lang nicht öffnen: „Natürlich hat mir das Sorgen bereitet. Die Kosten für das Restaurant liefen ja weiter“, sagt der Gastronom. Doch ohne Operation, so seine Sorge, hätte er möglicherweise nie wieder kochen können. „Für mich war es schwierig, einfach abzuwarten und nichts tun zu können“, sagt der 66-Jährige, der andauernd auf Hilfe angewiesen war. Das Restaurant blieb geschlossen. Bei ihm zu Hause kochte Tochter Chiara: „Aber streng nach Anweisung meines Vaters“, sagt die 35-Jährige und lacht.
Von klassischem Fastfood hält der Sizilianer nichts. Wohl aber von schnellem und leckerem „Soulfood“: „Ich liebe Pasta Aglio Olio e Peperoncino“ - ein scheinbar einfaches Gericht, welches jedoch „mit einem besonderen Pfiff“ zubereitet werden sollte. Auf Sizilien verarbeitet er am liebsten frischen Fisch, etwa Oktopus und Schwertfisch vom Markt: „So frisch bekomme ich ihn nur dort“, sagt Favari und seufzt: „Aber auch der Bremerhavener Fischereihafen ist eine erstklassige Einkaufsquelle.“
Käse stellt er selbst her
Was er auch schätzt: „Leckeren Käse“. Den macht Favari meist selbst. Die Bio-Milch dafür kauft er bei einem Bauern in Krempel, wo er auch Kartoffeln und Eier ordert. Eineinhalb Tage investiert er regelmäßig, um aus 20 bis 50 Liter Milch Frischkäse, Parmesan oder Gewürzkäse mit Bärlauch, Fenchel, Minze oder Peperoncino herzustellen: „Das schmeckt man auch“, ist er überzeugt und grinst. Er widmet sich der Kunst der Käseherstellung aber nicht nur deshalb mit einer solchen Hingabe: „Ich mag es, selbst etwas zu produzieren, jede Zutat und jeden Arbeitsschritt zu kennen“, sagt Favari.
Ans Aufhören denkt der 66-Jährige noch lange nicht: „Mir würde etwas Wichtiges im Leben fehlen. Ich möchte so lange arbeiten, bis ich wirklich nicht mehr kann.“