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Spritpreise

TIm Landkreis Stade leiden viele Unternehmen unter den hohen Spritpreisen

Die FRS Elbfähre hat bereits Ende März eine Treibstoffzulage eingeführt.

Die FRS Elbfähre hat bereits Ende März eine Treibstoffzulage eingeführt. Foto: Martin Elsen www.nord-luftbilder

Im Krieg steigen die Spritpreise. Nach Zusagen der Bundesregierung ist eine leichte Entspannung zu spüren. Eine Entwarnung ist das nicht. Wie Unternehmen mit der Krise umgehen.

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Von Susanne Helfferich
Freitag, 17.04.2026, 23:17 Uhr

Landkreis. „Die Auswirkungen der steigenden Spritpreise treffen uns erheblich, da die Treibstoffkosten ein erheblicher Bestandteil unserer Gesamtkosten sind“, ärgert sich Tim Kunstmann, der Geschäftsführer der FRS Elbfähre. Die Kosten hätten sich innerhalb weniger Wochen mehr als verdoppelt.

Das Unternehmen habe zwar Ende März einen Treibstoffzuschlag eingeführt, doch die Kosten hierfür seien seither weiter gestiegen, so dass die Mehrkosten aktuell nicht gedeckt würden.

Fahrplan einschränken ist keine Option

Eine Alternative wäre eine signifikante Einschränkung des Fahrplans und das Aussetzen von Abfahrten. „Dies stellt aber keine echte Option dar, da wir unseren Kunden Zuverlässigkeit anbieten wollen“, so Kunstmann.

Seit Jahren möchte sich die Elbfähre unabhängig von fossilen Brennstoffen machen. Vergeblich. „Da wir aufgrund des geplanten Elbtunnels keine Planungssicherheit haben, kommen wir bei diesem Thema nicht wirklich voran“, erklärt der Geschäftsführer. Auf anderen Linien betreibe FRS bereits elektrische Fähren.

Retralog sieht keine Alternative zu Benzin und Diesel

„Wir müssen diese Mehrkosten an unsere Kunden weitergeben“, sagt Stephan Ruppe, einer von vier Geschäftsführern des in Stade angesiedelten Logistikunternehmens Retralog. Eine Alternative sieht er nicht: Auf die Frage, ob sich das Unternehmen perspektivisch von Benzin und Diesel unabhängig machen möchte, antwortet er: „Unter anderem aufgrund der fehlenden politischen Planungssicherheiten und Rahmenbedingungen überlegen wir das nicht.“

Die Entscheidung, die Energiesteuer auf Diesel und Benzin um 17 Cent pro Liter zu senken, komme deutlich zu spät. Der jetzt nur auf zwei Monate begrenzte Erlass von 17 Cent pro Liter sorge eher für Sonderdiskussionen, zusätzliche Abstimmungen und unnötigen Aufwand. „Unterm Strich hilft uns diese Maßnahme daher eher weniger, im Gegenteil, sie erschwert die Abläufe zusätzlich.“

Flotte von Jaris Elfers setzt auf Elektrofahrzeuge

Die Mehrkosten an die Kunden weiterzugeben, ist für Jaris Elfers keine Option: „Wir können das nicht, da wir eine festgelegte Entgeltverordnung haben“, so der Geschäftsführer von Este-Taxen in Buxtehude. Diese werde vom Landkreis Stade festgelegt. Lediglich bei Fahrten außerhalb des Pflichtfahrgebiets könne der Betrieb an der Preisschraube drehen, da dort für ihn keine Tarifpflicht bestehe. „Doch bislang haben wir versucht, von Preisanpassungen abzusehen.“

„Außer dem konsequenten Umstieg auf Elektrofahrzeuge gibt es aus unserer Sicht keine Alternativen. Von aktuell rund 20 Fahrzeugen sind 14 Elektrofahrzeuge.“

Unabhängig von den aktuellen Spritpreisen will Elfers seinen Fuhrpark weiter elektrifizieren. „Wir wären gerne auch schon komplett auf Elektrofahrzeuge umgestiegen, aber bislang gab es nicht ein für jeden Verwendungszweck passendes Fahrzeug.“

Von der Spritpreisbremse verspricht sich Elfers wenig. „Die Vergangenheit hat gezeigt, dass die Mineralölkonzerne den Rabatt nicht in Gänze weitergeben.“ Grundsätzlich müsse sich Deutschland viel unabhängiger von fossilen Brennstoffen machen und die Elektromobilität fördern - konsequent und insbesondere für kleine und mittlere Einkommen. Das Senken der Energiesteuer auf Diesel und Benzin bekämpfe Symptome und keine Ursachen.

Spedition: Wir bekommen nicht genügend Strom

Die Ausgaben für Kraftstoff machten einen hohen Anteil der Gesamtkosten im Transportbereich aus, so Mirko Pape von Pape Logistics in Hollern-Twielenfleth. Daher wirkten sich die aktuell höheren Preise für Diesel deutlich auf die Gesamtkosten aus.

„Einen Teil der Preisdifferenz zum ,Normalniveau‘ geben wir an unsere Kunden weiter, in Form eines Sonder-Kraftstoffzuschlags auf die vereinbarten Frachtraten“, so Pape. Die Höhe des Zuschlags werde wöchentlich geprüft, gegebenenfalls an die Einkaufssituation angepasst und entsprechend kommuniziert.

„Allerdings sind die Einkaufspreise eher so um 40 und mehr Cent pro Liter gestiegen, so dass eine Entlastung von 17 Cent einen eher begrenzten Effekt hat“, räumt Pape ein, „es gibt nicht wirklich Alternativen, außer nicht oder weniger zu transportieren.“ Aber bislang sei kein Rückgang in der Auslastung festzustellen.

Das Unternehmen prüfe seit längerer Zeit Alternativen zu fossilen Brennstoffen und sei konkret in Verhandlungen über die Beschaffung von Elektro-Lkw.

Das Grundproblem: Es gibt einen Engpass bei der Stromversorgung. „Wir bekommen nicht so viel Strom auf unser Gelände wie wir zum Laden von Elektro-Lkw bräuchten, und das Laden an öffentlichen Stromtankstellen ist vergleichsweise teuer und im Hinblick auf Pausenorganisation und Tourenplanung hinderlich.“

Energiezuschläge werden monatlich angepasst

„Als Unternehmen der Kreislaufwirtschaft sind alle Gesellschaften der Nehlsen-Gruppe, zu denen auch die Karl-Meyer-Firmen (in Wischhafen) gehören, massiv von den aktuellen Spritpreisen betroffen“, so Pressesprecher Lars Koch.

Mit den Erfahrungen seit Kriegsbeginn in der Ukraine im Jahr 2022 habe die Bremer Nehlsen-Gruppe Mitte März wieder einen Energiezuschlag für die Kunden in den Bereichen Gewerbe, Industrie und Handel eingeführt. „Wir verfolgen die Preisentwicklung auf monatlicher Basis und passen die Zuschläge entsprechend an“, so Koch. Im Bereich der kommunalen Dienstleistungen würden Gespräche mit den Auftraggebern - hier der Landkreis Stade - geführt und nach Sonderlösungen gesucht.

Mehrkosten werden nicht über Ticketpreise abgewälzt

„Die erhöhten Preise haben direkte Auswirkungen, da wir für den Betrieb der Flotte erhebliche Mengen an Diesel einkaufen müssen“, so Oliver Blau, Pressesprecher der KVG. Dadurch werde die Liquidität der GmbH deutlich in Anspruch genommen.

Die Beförderungsentgelte unterlägen einer Prüfungs- und Genehmigungspflicht durch die Landesnahverkehrsgesellschaft (LNVG) als Aufsichtsbehörde, erklärt Blau. Der Großteil der Leistungen werde in Verbundgebieten wie dem HVV durchgeführt. Dort würden die Tarife vom Verbund vorgegeben und nur jährlich zu Jahresbeginn angepasst. „Es gibt also keine Möglichkeit, die Mehrkosten über höhere Ticketpreise weiterzugeben.“

Die steigenden Energiepreise wirken sich auch auf die KVG-Busse aus.

Die steigenden Energiepreise wirken sich auch auf die KVG-Busse aus. Foto: KVG

Die KVG ist bereits in die Elektromobilität eingestiegen: „Wir haben erste Fahrzeuge im Einsatz. Sie sind im laufenden Betrieb günstiger als Dieselbusse, aktuell hemmt aber der hohe Anschaffungspreis“, so der KVG-Sprecher.

Skeptisch bleibt Oliver Blau bei der Spritpreisbremse: „Hier bleibt abzuwarten, inwieweit dieser Rabatt tatsächlich in vollem Umfang durch die Lieferanten weitergegeben wird“, zudem sei die Ermäßigung klar auf zwei Monate begrenzt.

Landvolk: Keine Alternativen zum Diesel

Auch die Landwirtschaft leidet unter gestiegenen Energiepreisen: Nach der Winterpause seien die Landwirte wieder vermehrt auf ihren Flächen unterwegs, um jetzt die Grundlagen für eine erfolgreiche Ernte zu bilden, erklärt Christoph Wilkens, Geschäftsführer beim Landvolk. Da sei der benötigte Treibstoff unverzichtbar.

Zusätzlich trieben gestiegene Gaspreise die Produktionskosten für stickstoffhaltige Düngemittel stark in die Höhe. Werde dort an der Qualität gespart, führe dies zu rückläufigen Erntemengen und Erntequalitäten, so Wilkens.
Große landwirtschaftliche Maschinen, wie der Mähdrescher, verbrauchen besonders viel Diesel.

Große landwirtschaftliche Maschinen, wie der Mähdrescher, verbrauchen besonders viel Diesel. Foto: Richter

Praxistaugliche Alternativen zum Dieselkraftstoff gebe es für Schlepper, Mähdrescher oder Feldhäcksler noch nicht. Durch technischen Fortschritt habe sich jedoch die Kraftstoffeffizienz verbessert. Immerhin: Im Bereich der Stromversorgung hätten viele Landwirte in PV-Dachanlagen investiert und trügen dadurch aktiv zur Energiewende bei.

Statt einer Senkung der Energiesteuer wünscht sich der Landvolk-Geschäftsführer eine Stabilisierung von Energie- und Gaspreisen sowie Maßnahmen gegen explodierende Düngepreise.

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