Immer mehr Tauschangebote – Wohnungsmarkt bleibt angespannt
Der Hamburger Mietenspiegel weist einen Mittelwert von 9,94 Euro aus. (Archivbild) Foto: Christian Charisius/dpa
Seit inzwischen 40 Jahren werten Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Ohmoor Wohnungsanzeigen aus. Das Ergebnis: Inzwischen werden in Hamburg im Schnitt 15,88 Euro pro Quadratmeter verlangt.
Hamburg. Die Preise für neu vermietete Wohnungen in Hamburg steigen weiter, allerdings deutlich langsamer als im Vorjahr. So lag die durchschnittliche Kaltmiete für auf Immobilienportalen angebotene Wohnungen im ersten Quartal bei 15,88 Euro pro Quadratmeter - 1,8 Prozent mehr als im Vorjahresquartal, wie aus einer Untersuchung des Gymnasiums Ohmoor hervorgeht. Die Schule untersucht seit inzwischen 40 Jahren alljährlich Angebotsmieten.
5.300 Wohnungsinserate im ersten Quartal ausgewertet
Diesmal sei dem Profilkurs Geografie in der 11. Klasse vom Portal Immowelt ein anonymisierter Datensatz mit Mietwohnungsinseraten in Hamburg und Umgebung überlassen worden. Ausgewertet worden seien rund 5.000 Anzeigen aus den Monaten Januar bis März. Zudem haben die Schülerinnen und Schüler den Angaben zufolge etwa 300 Inserate von anderen Immobilienplattformen für Stadteile mit wenig Angeboten untersucht.
Deutlich stärker als in der Stadt fiel die Entwicklung der Untersuchung zufolge im Umland aus: So seien die Angebotsmieten in sechs untersuchten Kreisen um 4,8 Prozent auf durchschnittlich 12,65 Euro pro Quadratmeter gestiegen. Generell seien den Schülerinnen und Schülern außergewöhnlich viele Tauschangebote aufgefallen. Spitzenreiter bei den Mieten sei diesmal die Hamburger Altstadt gewesen. Ein Mittelwert aus zwölf Inseraten komme auf eine Durchschnittsmiete von 30,88 Euro pro Quadratmeter kalt.
Mieterverein: Von Entwarnung kann keine Rede sein
„Der Anstieg in Hamburg hat sich zwar spürbar verlangsamt, von Entwarnung kann aber keine Rede sein“, sagte der Vorsitzende des Mietervereins zu Hamburg, Rolf Bosse. Gleichzeitig entstehe im Umland eine besorgniserregende Dynamik. „Die Preisunterschiede zur Stadt schrumpfen weiter. Bezahlbarer Wohnraum wird auch dort zunehmend knapp.“
Ein weiteres Signal für die angespannte Lage auf dem Wohnungsmarkt sei die zunehmende Zahl an Tauschangeboten. „Ein direkter Wohnungstausch ist jedoch eine rechtliche und logistische Herausforderung und hat nach unseren Erfahrungen so gut wie nie Erfolg“, sagte Bosse. Viele Vermieter nutzten die Gelegenheit, höhere Mieten oder Indexklauseln zu vereinbaren. Zudem sei es logistisch schwierig, weil an einem bestimmten Termin zwei Haushalte tauschen müssen. Schon Schönheitsreparaturen könnten da ein Hindernis werden.
Greix-Mietpreisindex kommt auf noch höhere Werte
Die Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Ohmoor liegen mit ihrer Untersuchung unterhalb der vom Kiel Institut für Weltwirtschaft ermittelten Werte. Dessen Greix-Mietpreisindex kommt in Hamburg für das erste Quartal auf eine durchschnittliche Angebotsmiete von nominal 16,35 Euro kalt pro Quadratmeter - 6,03 Prozent mehr als im Vorjahresquartal. Deutlich darunter liegt der Hamburger Mietenspiegel, der einen Medianwert von 9,94 Euro ausweist - damit sind 50 Prozent der Wohnungen günstiger und 50 Prozent teurer.
Für die Linksfraktion haben die Gymnasiasten einmal mehr belegt, dass die Mieten in Hamburg viel zu hoch seien. „Knapp 16 Euro Kaltmiete lässt mich erschauern – da wärmt auch nicht der Gedanke an einen relativ geringen Anstieg von 1,8 Prozent“, sagte deren wohnungspolitische Sprecherin Heike Sudmann. Angesichts solcher Einstiegsmieten sei es für viele praktisch unmöglich, eine bezahlbare neue Wohnung zu finden. Dem rot-grünen Senat warf sie vor, weiter nicht „wirksam gegen Tausende Fälle von Mietwucher vorzugehen“.