TIn Schieflage: Gebäude am Alten Schlachthof soll abgerissen werden
Der Klinkerbau aus dem 19. Jahrhundert diente einst als Dienstwohnung für den Tierarzt und den Schlachthofdirektor. Foto: Strüning
Die Stadt Stade will den maroden Klinkerbau aus dem 19. Jahrhundert nicht teuer sanieren lassen. 2026 soll das gesamte Schlachthof-Areal auf den Prüfstand kommen.
Stade. Was passiert mit dem markanten zweigeschossigen roten Backsteingebäude auf dem Gelände des Alten Schlachthofs in Stade?
Der Klinkerbau steht seit einigen Monaten leer. Vorher hatten dort Verwaltungsmitarbeiter der Stadtjugendpflege ihre Arbeitsplätze.
Sanierungskosten im siebenstelligen Bereich
Die sind inzwischen in anderen Gebäuden innerhalb der Stadt untergebracht. Der Grund: Das Haus am Alten Schlachthof ist stark sanierungsbedürftig. Eine Nutzung in derzeitigem Zustand scheint ausgeschlossen. Um den Mitarbeitern adäquate Arbeitsbedingungen gewährleisten zu können, hätte die Stadt eine siebenstellige Summe in die Sanierung investieren müssen, teilt die Stadt mit.
Das Problem: Das Gebäude weise deutliche Setzungen und Neigungen auf, sei sozusagen in Schieflage geraten, die auch mit einer Sanierung nicht aufgehoben werden könnte. Zudem gebe es Feuchtigkeitsschäden.
Eine Sanierung wäre somit völlig unwirtschaftlich, so Erster Stadtrat Lars Kolk. Die Verwaltung plane deswegen, das Haus abzureißen. Das würde die Stadt nur etwa 30.000 bis 40.000 Euro kosten und sei auch problemlos möglich, weil das Haus nicht unter Denkmalschutz steht.

Der Alte Schlachthof ist die größte und wohl bekannteste Jugendfreizeitstätte im Landkreis Stade. Hier finden regelmäßig auch größere Veranstaltungen statt. Foto: Strüning
Robert Gahde von den Grünen hätte sich den Erhalt des Hauses gewünscht, wenn auch nicht um jeden Preis. Das ortsbildprägende Gebäude, das 1894/1895 zusammen mit dem städtischen Schlachthof errichtet wurde, wurde seinerzeit als Dienstwohnung für den Tierarzt und Schlachthofdirektor genutzt. Es sei stadtgeschichtlich ein Überrest der Industrialisierung im Kaiserreich.
Backsteinbau mit historischem Zeugniswert
Als eines der letzten weitgehend unverändert erhaltenen Gebäude mit diesem stadt- und wirtschaftsgeschichtlichen Hintergrund habe das Haus einen historischen Zeugniswert und sein Verlust wäre sehr schmerzhaft, so Gahde.
Erlebbare Stadtgeschichte sei ein wesentlicher Teil der kulturellen Identität der Stadt Stade. Der schlechte Bauzustand sei Ergebnis einer jahrzehntelangen Vernachlässigung der Bauunterhaltung. „Ich kann aber nachvollziehen, dass das Gebäude aus wirtschaftlichen Gründen nicht erhalten werden kann“, sagt Historiker Gahde.
„Wir müssen alles immer im Gesamtkontext betrachten und auch die städtebauliche Entwicklung im Auge behalten und mitdenken“, sagt Lars Kolk. Er weist darauf hin, dass die Zukunft des gesamten Schlachthofgeländes, das sich komplett im Besitz der Stadt befindet, noch nicht abschließend geklärt sei.
Bleibt der Alte Schlachthof insgesamt erhalten?
Bleibt der Alte Schlachthof Jugendzentrum und Veranstaltungsort oder sollen Gebäude und Grundstück an der Freiburger Straße künftig anders genutzt werden? Darüber werden sich Politik und Verwaltung Gedanken machen müssen, so Kolk.
Industriegeschichte
T Als bei Gummi-Schmidt in Stade noch Kondome produziert wurden
Bei der Klärung der Fragen spiele auch die Entwicklung in der Nachbarschaft eine Rolle. Kolk nennt als Beispiele die Pläne für das 10.000 Quadratmeter große Gummi Schmidt-Areal. Die Firma Lindemann will 2026 mit dem Bau des modernen Wohnquartiers an der Freiburger Straße beginnen. Ein weiterer Schlachthof-Nachbar ist die Feuerwehr.
„Ich hoffe, dass wir die Zukunft des Alten Schlachthofs nach der Kommunalwahl 2026 sachlich mit dem neuen Rat diskutieren können“, sagt Lars Kolk.
Jugendarbeit
T Ihr Job bei der Stadt Stade ist einzigartig in Niedersachsen
Der Alte Schlachthof ist das wohl bekannteste und gleichzeitig größte Jugendzentrum des Landkreises Stade. Mitte der 1970er Jahre setzten sich Jugendliche für den Standort an der Freiburger Straße ein. 1978 wurde die Freizeitstätte eröffnet und 2014 für 1,5 Millionen Euro saniert. Herzstück ist die 208 Quadratmeter große Veranstaltungshalle mit der 40 Quadratmeter großen Bühne.
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