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TInsolvenz bei ÖHS Sellstedt – wie geht es für 40 Beschäftigte weiter?

Die Firma Ökologischer Holzbau Sellstedt (ÖHS) in Sellstedt hat rund 40 Beschäftigte. Ihre Zukunft ist nach der Eröffnung eines Insolvenzverfahrens ungewiss.

Die Firma Ökologischer Holzbau Sellstedt (ÖHS) in Sellstedt hat rund 40 Beschäftigte. Ihre Zukunft ist nach der Eröffnung eines Insolvenzverfahrens ungewiss. Foto: Klaus

Die Gerüchte haben sich bestätigt: Die Firma Ökologischer Holzbau Sellstedt ist nun Gegenstand eines Insolvenzverfahrens.

Von Thomas Klaus Dienstag, 17.02.2026, 11:59 Uhr

Sellstedt. Die Firma Ökologischer Holzbau Sellstedt (ÖHS) in Schiffdorf-Sellstedt befindet sich in einem Insolvenzverfahren. Unter dem Aktenzeichen 12 IN 63/25 wird beim Amtsgericht Cuxhaven ein Insolvenzantrag bearbeitet. Nach Angaben des Internetportals Versteigerungskalender.de, das auf offiziellen Bekanntmachungen beruht, wurde der Rechtsanwalt Dr. Lutz Orgelmann aus Bremen von der Kanzlei Dr. Stankewitz und Kollegen zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt. Er wird seit 2018 regelmäßig von Gerichten als Insolvenzverwalter berufen und ist seit 2021 Fachanwalt für Insolvenz- und Sanierungsrecht.

Auf Anfragen reagiert ÖHS nicht

Anfragen der Nordsee-Zeitung an das Unternehmen blieben unbeantwortet. Die 2009 unter dem jetzigen Namen in das Register eingetragene Firma hat insgesamt rund 40 Beschäftigte. Geschäftsführer und Gesellschafter ist der Diplomingenieur und Zimmerermeister Thomas Reinke. Drei Auszubildende wurden offenbar bereits von einer Mitbewerberfirma übernommen.

Der derzeitige Status „Sicherungsmaßnahmen“ bei diesem Insolvenzverfahren bedeutet vor allem, dass Zahlungen nur noch mit Zustimmung des vorläufigen Insolvenzverwalters erfolgen und Verträge nicht ohne Kontrolle abgeschlossen werden dürfen. Gläubigern sind in dieser Phase des Insolvenzverfahrens Einzelvollstreckungen nicht mehr möglich.

Das Gericht lässt prüfen, ob eine Sanierung Chancen hat, genügend Masse vorhanden ist und ein tatsächlicher Insolvenzgrund vorliegt. Bei Handwerksbetrieben dauert eine solche Prüfung häufig zwischen sechs und acht Wochen. Danach wird das Insolvenzverfahren eröffnet oder auch wegen zu wenig Vermögen abgelehnt; bei kleinen Betrieben kommt Letzteres nicht selten vor.

Starker Einbruch im Einfamilienhausbau

Eine Fortführung von ÖHS, in welcher Form auch immer, erscheint derzeit als unwahrscheinlich. Das Internetportal Northdata führt das Unternehmen bereits als „in Liquidation“. Dieser Datenplattform zufolge wird ÖHS nicht fortgeführt, sondern abgewickelt. Northdata gibt auch preis, wie negativ sich die Bilanzsumme in den vergangenen Jahren offenbar entwickelt hat. Der Jahresabschluss zum Geschäftsjahr 2023 weist rund 1,5 Millionen Euro aus. Im Geschäftsjahr 2021 waren es noch 2,4 und im Geschäftsjahr 2017 sogar 6,4 Millionen Euro.

ÖHS ist auf Neubauten und Sanierungen spezialisiert

ÖHS ist auf Neubauten und Sanierungen von Einfamilienhäusern, Mehrfamilienhäusern und Wohnanlagen spezialisiert. In Deutschland und Österreich setzte das Unternehmen Projekte um, bezeichnet sich als „Partner für individuelle bauökologische Lösungen“. ÖHS dürfte ebenfalls von dem starken Einbruch im Einfamilienhausbau betroffen sein, mit dem die Branche seit mehreren Jahren kämpft: Viele Projekte werden verschoben oder komplett aufgegeben.

Hohe Baukosten und schlechte Finanzierungskonditionen

Geschäftsführer Denny Ohnesorge vom Hauptverband der Deutschen Holzindustrie beklagt in diesem Zusammenhang „hohe Baukosten, schlechte Finanzierungskonditionen und eine unzureichende Neubauförderung“. Öko-Holzbau gilt als relativ teuer, so dass bei Bauherren vermehrt preisgünstigere Materialien gefragt sind – falls sie überhaupt noch bauen. (tk/bel)

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