Elbmarschenschule

T„Irgendein Vollidiot“: Drochterser AfD-Kandidat poltert auf der Bühne

Sebastian Sieg auf dem Podium in der Elbmarschenschule. Schüler konfrontierten den AfD-Kandidaten mit fragwürdigen Äußerungen.

Sebastian Sieg auf dem Podium in der Elbmarschenschule. Schüler konfrontierten den AfD-Kandidaten mit fragwürdigen Äußerungen. Foto: Wertgen

In Drochtersen konfrontieren Schülerinnen und Schüler den AfD-Bürgermeisterkandidaten Sebastian Sieg mit der politischen Ausrichtung seiner Partei.

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Von Grit Klempow
07.07.2026, 17:50 Uhr

Drochtersen. Die Fragen aus der Schülerschaft der Elbmarschenschule gehen im Anschluss an die Interviewrunde zur Bürgermeisterwahl nur an Sebastian Sieg. Wie er die Einstufung seiner Partei in Niedersachsen als gesichert rechtsextrem durch den Verfassungsschutz sieht?

„Diese Einstufung ist politisch gewollt. Das ist von oben durchdekliniert“, meint er. Der Verfassungsschutz sei instrumentalisiert durchs Innenministerium. Die AfD bekenne sich zum Grundgesetz.

Zur Einordnung: Bestrebungen gegen das Demokratie- und Rechtsstaatsprinzip, die sieht bei der AfD hingegen das Verwaltungsgericht Hannover. Das hatte Anfang Juni einen Eilantrag der AfD abgelehnt. Die AfD hatte gegen ihre Hochstufung zum „Beobachtungsobjekt von erheblicher Bedeutung“ durch den Verfassungsschutz geklagt.

Das demokratische System werde systematisch verächtlich gemacht - verkürzt begründet das Gericht so die Entscheidung. Auch den etablierten Parteien, der Verwaltung sowie der Justiz würden antidemokratische Ziele und ungesetzliches Verhalten unterstellt. Mit der wiederholten Darstellung des Narrativs, dass die „Altparteien“ beziehungsweise die Regierung eine Diktatur herbeiführen und sich dazu der „gleichgeschalteten“ Behörden, Gerichte und öffentlich-rechtlichen Medien bedienen wollen, solle das Vertrauen in den demokratischen Rechtsstaat geschwächt werden, so das Gericht.

Menschen mit Migrationshintergrund sind verunsichert

Viele Menschen mit Migrationshintergrund fühlten sich durch rassistische Äußerungen von AfD-Politikern wie Björn Höcke verunsichert, sagt ein Schüler und erntet Applaus für die Frage: „Was würden Sie Bürgerinnen und Bürgern mit Migrationshintergrund in Drochtersen sagen, damit sie sich in der Gemeinde sicher fühlen können?“

Sieg verweist auf seinen „syrischen Zahnarzt“ und behauptet, der AfD seien Geschlecht, Hautfarbe, Sprache und Religion egal. Wer bereit sei, sich zu integrieren sei willkommen, zumindest dann, lässt Sieg durchblicken, wenn er bereit sei, „sich und uns miteinander durch seine Fähigkeiten auf Erfolgskurs zu bringen“. Es wäre ja Quatsch, die Wirtschaftsleistung zu schmälern, „wenn wir meinen syrischen Arzt rausschmeißen“, findet Sieg. Einige wenige applaudieren.

Weidel-Zitat von der Meinungsfreiheit gedeckt

Das Alice-Weidel-Zitat „Politische Korrektheit gehört auf den Müllhaufen der Geschichte“ sei laut Sieg „eine Ansichtssache, die voll von der Meinungsfreiheit gedeckt ist“.

Konfrontiert mit erschreckend diskriminierenden Äußerungen aus Reihen der AfD poltert Sieg: „Es wird immer wieder kolportiert, dass vor etlichen Jahren irgendein Vollidiot irgendeine Scheiße von sich gegeben hat, und das kommt bei jeder Diskussion immer wieder auf den Teller. Solche Leute schmeißen wir raus.

Kein AfD-Rauswurf trotz rassistischer Äußerung

Der langjährige AfD-Bundestagsabgeordnete Thomas Seitz allerdings sei nicht rausgeworfen worden, sondern habe die Partei erst 2024 freiwillig verlassen, darauf weist ein Schüler den AfD-Kandidaten hin. Seitz solle gesagt haben, dass es richtig sei, Menschen mit schwarzer Hautfarbe auch weiterhin mit einem diskriminierenden Schimpfwort (dem „N-Wort“) zu benennen, was Sieg dazu sage, fragt der Schüler.

Er kenne den Politiker nicht, sagt Sieg, das Wort gehöre nicht zu seinem Wortschatz. Er verweist auf Boris Palmer „von den Grünen, ein hoch angesehenes Mitglied“. Der benutze das Wort, weil es im Duden stehe, behauptet der AfD-Kandidat.

Ein Schimpfwort und Boris Palmer

Ein fragwürdiges Statement: Der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer ist nach viel und immer wieder aufflackernder Kritik an provokanten und zum Teil als rassistisch gewerteten Äußerungen 2023 bei den Grünen ausgetreten.

Und der Duden warnt explizit davor, besagten Begriff zu benutzen: „Die Bezeichnung Nigger ist stark diskriminierend. Ursprünglich diente sie als Bezeichnung für Sklaven in den USA. Es handelt sich um eine rassistisch geprägte Bildung, die bereits im 18. Jahrhundert genutzt wurde und Schwarze degradiert. Die Verwendung dieses Schimpfworts sollte unbedingt vermieden werden.“

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