TJubel und Schock: Das sagen die Parteien zur Wahl in Harsefeld
Blumen gab es am Sonntagabend für Maren Kleinschmidt. Über die restlichen Ergebnisse für die SPD zieht die Partei in den Tagen nach der Wahl Bilanz. Foto: P. Meyer
Nach den Wahlen ziehen die Harsefelder Parteien Bilanz. Ein Thema, das alle beschäftigt, ist das gute Abschneiden der AfD.
Harsefeld. Die Wahlergebnisse der Kommunalwahl 2026 stehen seit dem frühen Montagmorgen vorläufig fest. Während bei einigen die Freude groß war, legt sich bei anderen der Schock über verlorene Sitze und neu zusammengesetzte Räte allmählich.
FWG wurde stärkste Kraft: Dennoch Bestürzen in Ahlerstedt
Grund zur Freude hatte die FWG: „Zunächst sind wir dankbar für den großen Zuspruch aus der Bevölkerung“, erklärt Susanne de Bruijn, Bürgermeisterin des Flecken.
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Sowohl in der Samtgemeinde, mit 33,52 Prozent, als auch im Flecken, mit 26,89 Prozent Stimmenanteil, wurde die FWG stärkste Kraft. „Das bestätigt uns, dass wir eine gute und verlässliche Arbeit geleistet haben, die auch entsprechend von den Wählerinnen und Wählern gesehen und durch das Wahlergebnis gewürdigt wurde.“

Am Wahlabend: Die FWG verfolgt die Wahl live vom Kino-Hotel Meyer aus. Foto: P. Meyer
In der Gemeinde Ahlerstedt kam die FWG sogar auf 61,16 Prozent. Ein Ergebnis, von dem andere nur träumen können - Bürgermeister Uwe Arndt müsste glücklich sein, zeigt sich generell auch zufrieden mit der Wahl und dem Zuspruch der Bürgerinnen und Bürger. Aber: das Abschneiden der AfD bestürze ihn. „Wir haben hier in Ahlerstedt in den letzten Jahren viel erreicht und eine hohe Lebensqualität geschaffen“, erklärt er.
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Dass die AfD dennoch mit 14,13 Prozent als zweitstärkste Kraft hervorging, sei sehr enttäuschend. Besonders für die engagierten Ehrenamtlichen, die wirklich etwas bewegen wollen, tue es Uwe Arndt leid. „Die müssen künftig mit Menschen zusammenarbeiten, die sich gar nicht für Ahlerstedt interessieren“, meint er.

Ute Kück (von links), Susanne de Bruijn, Rainer Schlichtmann, Ulrich Rathjens und Maren Kleinschmidt warteten gespannt aufs Ergebnis. Foto: P. Meyer
Susanne de Bruijn sieht der politischen Zukunft in Harsefeld positiv entgegen. „Die derzeitige Zusammensetzung in den Räten zeigt uns, dass es möglich ist, eine breite demokratische Mitte zu stellen, sodass wir zuversichtlich sind, die konstruktive, kollegiale und zielführende Ratsarbeit - wie bisher auch - mit den demokratischen Parteien weiterführen zu können.“
SPD zwischen Jubel und Enttäuschung
Mit dem Wahlsieg der von ihr vorgeschlagenen Samtgemeindebürgermeister-Kandidatin, hat der Abend für die SPD mit Jubel begonnen. „Wir sind dankbar und stolz, dass die große Mehrheit Maren Kleinschmidt gewählt hat“, so Ortsvereinsvorsitzender Florian Kunze.

Nach der entschiedenen Samtgemeindebürgermeister-Wahl war die SPD in Feierlaune (von links): Vivian Santjer, Maren Kleinschmidt mit Ehemann Dennis Kleinschmidt. Foto: P. Meyer
Zum ersten Mal werde die Samtgemeinde Harsefeld nun von der SPD geführt. „Ich bin immer noch überwältigt, von dem Vertrauen, das die Menschen mir entgegengebracht haben“, sagt auch Maren Kleinschmidt einige Tage nach der Wahl. Auf ihre neue Aufgabe freue sie sich riesig.
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Über die Ergebnisse bei den Wahlen der Räte zeigt sich die SPD enttäuscht. „Sie spiegeln keinesfalls die Stimmung wider, die wir an Infoständen und Veranstaltungen erlebt haben“, erklärt Florian Kunze. Die SPD verlor Stimmenanteile in der Samtgemeinde, im Flecken sowie in Ahlerstedt. Lediglich in Bargstedt erhielt sie knapp drei Prozent Zuwachs im Vergleich zu 2021. Dieses Ergebnis wolle die SPD ernst nehmen und notwendige Schlüsse daraus ziehen.

Matthias Mittlmejer (links) und Florian Kunze von der Harsefelder SPD. Foto: P. Meyer
Was die künftige Rolle der AfD angeht, ergänzt der Samtgemeindefraktionsvorsitzende Matthias Mittlmejer: In den letzten fünf Jahren sei der AfD-Ratsherr vor allem mit unentschuldigtem Fehlen aufgefallen. „Dass dies von den Wählern nun mit einem starken Stimmenzuwachs belohnt wird ist nicht lokal zu erklären.“
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Dennoch sehe er positiv in die Zukunft: „Unser Job im Rat ist es, Wählerwillen ernst zu nehmen und daraus eine gute, sachorientierte Zusammenarbeit im Rat zu entwickeln“, so Mittlmejer. An die gute Arbeit der vergangenen Jahre will die SPD auch in den nächsten fünf Jahren anknüpfen.
CDU hinter eigenen Erwartungen
Mit gemischten Gefühlen endete die Wahlnacht für die CDU, die sowohl im Flecken als auch in der Samtgemeinde Mandate verlor. „Insgesamt liegen wir hinter dem, was wir uns vorgenommen haben“, erklärt Mirco Dawideit, Vorsitzender der CDU in der Samtgemeinde Harsefeld.

Mirco Dawideit ist Vorsitzender der CDU in der Samtgemeinde Harsefeld. Foto: Fehlbus
In Ahlerstedt behielt die CDU ihre beiden Sitze, in Bargstedt wurde sie erneut stärkste Kraft. „Aus meiner Sicht hat die Stimmung auf Bundesebene einen erheblichen Schatten auf diese Kommunalwahl geworfen“, so Dawideit weiter. Die Partei wolle nun ihre Stärke nutzen und ihre Netzwerke von Gemeinde und Landkreis über Hannover und Berlin nutzen, um möglichst viel zu erreichen.
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Nachdenklich stimmt Mirco Dawideit das starke Abschneiden der AfD, erklärt er. In den vielen Gesprächen mit Bürgern während des Wahlkampfs sei eine Zustimmung in dieser Größenordnung so nicht wahrnehmbar gewesen. „Umso wichtiger ist es, weiter mit den Menschen ins Gespräch zu kommen, zuzuhören und konkrete Probleme zu lösen. Eine Zusammenarbeit mit der AfD kommt für uns nicht infrage.“
Gleichzeitig lobt er eine sachorientierte und konstruktive Zusammenarbeit der vergangenen Jahre in den Räten. Diese wolle man fortsetzen, so der Vorsitzende. „Politik braucht jetzt Macher und weniger Marketing. Was jetzt zählt sind Ergebnisse.“
AfD mangelt es an Kandidaten
Das Abschneiden der AfD verblüffte am Sonntag nicht nur die anderen Parteien, sondern auch viele Harsefelder. Im Samtgemeinderat ist die Partei jetzt die drittgrößte Kraft, ebenso im Flecken Harsefeld.

Die Sitzverteilung im Samtgemeinderat Harsefeld. Foto: KDO
In den Gemeinden Bargstedt und Ahlerstedt sind es je drei Sitze und in Brest ein Sitz. Mit dem Ergebnis in der Samtgemeinde Harsefeld liege man über dem Kreisdurchschnitt, „mit einzelnen Ausreißern“, erklärt Pressesprecher Helmut Wiegers, AfD-Kreisverband Stade auf TAGEBLATT-Anfrage. Ein direkter Vergleich mit anderen Kommunen sei „wegen der traditionell starken Freien Wähler schwierig“.

Im Rathaus versammelten sich einige Interessierte, um das Wahlergebnis am Sonntag live mitzuverfolgen. Foto: P. Meyer
Als bedauerlich bezeichnet Wiegers, gewonnene Mandate mangels Kandidaten in den Mitgliedsgemeinden, nicht besetzen zu können. So hatte die AfD etwa im Flecken sechs Sitze im Rat erlangt - konnte allerdings nur zwei besetzen. Ebenso in Bargstedt, wo statt der drei erlangten, ebenfalls nur zwei Sitze besetzt werden können.
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Kritik lösten nicht zuletzt auch die Wahlbeobachtungen aus, die die AfD am Sonntagabend im Harsefelder Rathaus betrieb. Gleich mehrere AfD-Mitglieder warfen einen genauen Blick auf die Auszählungen der Briefwahllokale. Aus welchem Grund die AfD in Harsefeld genau hinschaute, erklärte Helmut Wiegers auf Anfrage nicht - wohl aber, dass es sich um einen „völlig normalen Vorgang und nichts Ungewöhnliches“ handele. „Wahlbeobachtungen durchzuführen ist ein Recht, das jedem Bürger zusteht“, so der AfD-Pressesprecher.
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