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So tickt die Jugend

TSie kandidiert mit 18 Jahren für Nordkehdingen: „Mehr mit jungen Menschen reden“

Die 18-jährige Helin Captug (SPD) kandidiert am 13. September für den Rat der neu formierten Einheitsgemeinde Nordkehdingen.

Die 18-jährige Helin Captug (SPD) kandidiert am 13. September für den Rat der neu formierten Einheitsgemeinde Nordkehdingen. Foto: privat

Helin Captug will in den Gemeinderat. Sie findet: Junge Menschen werden zu selten gefragt - und genau das will sie in Nordkehdingen ändern.

Von Kilian Kress 28.08.2026, 09:50 Uhr

Nordkehdingen. Helin Captug ist 18 Jahre alt und kandidiert für den Rat der neu formierten Einheitsgemeinde Nordkehdingen. Damit zählt sie zu den jüngsten Kandidatinnen im Landkreis Stade - in Nordkehdingen ist sie die jüngste.

Ihren Namen kenne man in Freiburg, schmunzelt Captug. Ihr Vater war einige Jahre Inhaber des „City Döner“ und dadurch im Ort bekannt. Er war es auch, der seine Tochter für das politische Engagement inspiriert hat. In der Türkei habe er sich politisch engagiert und sich dabei stets für Gerechtigkeit eingesetzt. Das will seine Tochter nun auch in Nordkehdingen.

„Junge Menschen sind nicht zu unterschätzen“

Statt über die jungen Leute zu sprechen, solle man mit den Jugendlichen reden. Nur weil man jung ist, bedeute das nicht, dass die jungen Leute nicht mitreden können, sagt Captug. Sie möchte der Jugend eine Stimme im Gemeinderat von Nordkehdingen geben. Dabei habe sie immer das Thema Gerechtigkeit im Blick - wie einst ihr Vater.

Ein Dorn im Auge ist ihr der ÖPNV. Einmal die Stunde fährt ein Bus aus Freiburg in Richtung Stade. Das will Captug ändern: „Junge Erwachsene sollen nicht immer auf die Eltern angewiesen sein, um von A nach B zu kommen“, erklärt sie mit Blick auf hohe Führerscheinpreise, die sich nicht jeder 18-Jährige leisten könne. Der öffentliche Nahverkehr wird auf Kreisebene geplant, dennoch könne man sich als Gemeinde für einen Ausbau starkmachen.

Rückhalt für die junge Kandidatin

Die 18-Jährige kandidiert für die Sozialdemokraten, weil sie sich mit den Werten der Partei gut identifizieren könne. Soziale Gerechtigkeit, Chancengleichheit und Zusammenhalt gehören auch zu Captugs Credo.

Unterstützung erhält sie unter anderem von dem Parteivorsitzenden Jonny Röndigs und Erika Czerny-Gewalt. „Den beiden ist es wichtig, dass sich junge Leute in der Politik engagieren. Daher haben sie sich für mich stark gemacht“, berichtet die Freiburgerin. Nicht jeder in der Partei habe zunächst hinter ihr als junge Kandidatin gestanden. Am Ende wählte die Mehrheit Captug auf Listenplatz vier. Für den Vertrauensvorschuss sei sie dankbar.

Captug macht eine Ausbildung zur pharmazeutisch-technischen Assistentin (PTA). „Ich bin quasi die rechte Hand des Apothekers“, beschreibt sie ihren Job. Schon bei einem Apotheken-Praktikum in der neunten Klasse wurde ihr klar, dass das der richtige Weg für sie sei. Medizinisch interessiert war Captug schon immer.

Die Gemeinde zu einem Wohlfühlort machen

„Die Gemeinde soll ein Ort bleiben, wo Menschen gerne arbeiten und leben“, erklärt sie. Wichtig sei im Zuge dessen das Thema Wohnungsbau. Gerade für Auszubildende oder Studierende brauche es mehr bezahlbare Wohnungen, um sie in der Region zu halten.

Es ist ein deutschlandweites Problem - konkrete Lösungsvorschläge hat sie nicht. Innerhalb der Partei sei man aber im Austausch darüber. Außerdem komme es auch auf gute Gemeinschaft an.

Die Dorfatmosphäre müsse stimmen. Dazu gehörten auch Respekt, Zusammenhalt und Rücksicht. Auf die Frage, was sie in Nordkehdingen am meisten stört, antwortet Captug: Diskriminierung. Vor allem in der Schule habe sie von Ausgrenzung und Mobbing gehört, unter anderem wegen der Herkunft der Betroffenen. Konkretisiert hat Captug das nicht.

Fehlt jungen Menschen das politische Interesse?

In Nordkehdingen treten nur zwei Kandidatinnen an, die nach der Jahrtausendwende geboren sind. Neben Helin Captug (SPD) ist das Lorelai Sommerfeld (CDU). Fehlt den jungen Leuten also Interesse an der Politik? Captug zeigt sich nachdenklich.

Ein möglicher Grund: „Es wird zu wenig über die Interessen der Jugend gesprochen“, sagt sie. Daher sei es gut, wenn junge Menschen kandidieren und der Jugend eine Stimme geben. Zudem müsse man die Jugendlichen mehr mit kommunaler Politik in Kontakt bringen. Mehr Transparenz über die Gemeindearbeit in den sozialen Medien sei eine Möglichkeit. Man müsse die Jugendlichen dort abholen, wo sie stehen.

Helin Captug ist motiviert, die junge Generation in der Politik zu vertreten. Ob sie das darf, entscheiden die Bürger aus Nordkehdingen am 13. September an der Wahlurne.

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