T„Kein Blankoscheck“: Stadionbau in Drochtersen kontrovers diskutiert
Noch ist das Kehdinger Stadion ziemlich dunkel. Mit dem neuen Flutlicht soll sich das ändern. Foto: Struwe (nomo)
D/A will sein Stadion ausbauen und benötigt das Ja der Gemeinde. Ein Kritiker stellt sich quer. Die Politiker sind sich nicht einig, als es an den Geldbeutel geht.
Drochtersen. Die Vertreter der SV Drochtersen/Assel um Vereinspräsident Rigo Gooßen verlassen nach dem Auftakt in die politische Debatte mit gemischten Gefühlen das Rathaus. D/A will das Kehdinger Stadion ausbauen und selbst bis zu 5 Millionen Euro investieren. Die Regionalligamannschaft peilt den Aufstieg in die 3. Fußball-Liga an. Da stellt der Deutsche Fußballbund (DFB) hohe Ansprüche. D/A benötigt für dieses Vorhaben aber das Wohlwollen der Politik. Schließlich gehört der Kommune das Stadion.
Es ist Montagabend. Punkt 5 der Tagesordnung des Ausschusses für Familie, Soziales, Kultur und Sport lautet „Abschluss einer Vereinbarung mit der SV D/A zur Nutzung des Kehdinger Stadions“. Was unscheinbar daherkommt, ist nichts anderes als die Basis für alles, was noch folgt: der Ausbau des Flutlichts und der Tribünen, um Ende 2026 oder Anfang 2027 mehr als 5000 Menschen Platz zu bieten, und eine Rasenheizung. Diese Vereinbarung soll eben jenes Wohlwollen der Politik widerspiegeln.
Das regelt die Nutzungsvereinbarung
Nur ein Politiker lehnt die Vereinbarung ab. Der Rest nickt das Schriftstück ab und beschreibt detailliert in der Begründung die Bedeutung des Vereins für die Kommune.
Die Vereinbarung zwischen der Gemeinde und D/A regelt, dass der Schul-, Breiten- und Vereinssport unter König Fußball nicht leiden darf. Insbesondere die Leichtathletik. Den von der Verwaltung vorgeschlagenen Passus, dass die Gemeinde „die laufenden Stromkosten für die Flutlichtanlagen sowie die laufenden Bewirtschaftungskosten für den Kabinentrakt im neuen D/A-Vereinsheim für Strom, Wasser und Abwasser“ trägt, hat die Politik gestrichen.
Kehdinger Stadion
So reagiert die Drochterser CDU auf die Stadionpläne von D/A
„Ein tolles Vorhaben. Das kann man als Politik nur unterstützen“, sagt CDU-Fraktionschef Hannes Hatecke zu den D/A-Plänen. Die Politik müsse alles tun, dass es bald losgeht. Die Zeit sitzt D/A im Nacken.
So argumentieren die Drochterser Politiker
Die Tribünen liegen später auf Erdwällen. Die Wälle will D/A demnächst anlegen. Die Hügel müssen sich monatelang setzen, um zu verdichten. Bäume stehen im Weg. Aber die Phase, in der Bäume gefällt werden dürfen, endet Ende Februar.

Die alte Tribüne wird abgerissen. Auf einem Erdwall soll eine neue entstehen. Dafür müssen Bäume gefällt werden. Foto: Berlin
SPD-Mann Dirk Ludewig ist seit vielen Jahren Stadionsprecher. Er hält D/A für „ein Aushängeschild der Gemeinde“. D/A sei in Sachen Jugendarbeit „fulminant unterwegs“. „Besonders die Kritiker sollten das wissen, die, die nur am Mosern sind“, sagt Ludewig. Er nennt keine Namen. Ein Adressat sitzt keine drei Meter neben ihm.
Dass FWG-Fraktionschef Cornelius van Lessen und D/A-Präsident Gooßen keine Freunde mehr werden, ist kein Geheimnis. Als D/A Politik und Verwaltung die konkreten Pläne im Dezember vorstellte, war van Lessen nicht eingeladen. Das findet der Lokalpolitiker bis heute „gelinde gesagt grenzwertig“. Er moniert aber noch etwas anderes.
Das vermisst der Fraktionschef der FWG
Van Lessen vermisst ein verkehrliches Konzept in der Vereinbarung. „Solange das nicht klar ist, stellen wir keinen Blankoscheck für den Bau des Stadions aus“, sagt er. Van Lessen geht von 5000 Zuschauern aus, der Verein kalkuliert mit 2500 im Schnitt pro Spiel in der 3. Liga.

D/A will mit mehr Platz für Zuschauer schaffen. In der 3. Liga verlangt der DFB eine Kapazität von 5001. Foto: Berlin
Außerdem setzt D/A nach Aussagen von Gooßen auf ein ähnliches Parkkonzept wie bei den DFB-Pokalspielen vor einigen Jahren, auf Stellplätze bei Unternehmen und auf Shuttle-Services. „Der Verkehr wird überschätzt“, sagt Gooßen. Die Fans kämen mit öffentlichen Verkehrsmitteln und Bussen. Er macht das fest an vergleichbaren Vereinen, die heute in der 3. Liga spielen. Außerdem stehe der DFB hinter D/A.
Die politische Konkurrenz weist van Lessen am Montag darauf hin, dass ein Verkehrskonzept erst im Zuge der Baugenehmigungen abgearbeitet werde. Der FWG-Mann lehnt die Vereinbarung zwischen Kommune und D/A dennoch ab. Als Einziger. Überraschend ist das nicht. Übrigens würde D/A das Stadion auch ausbauen, wenn es in diesem Jahr mit dem Aufstieg nicht klappt.
Der Zuschuss für das Flutlicht ist in Gefahr
Nach dieser Grundsatzentscheidung geht es ans Eingemachte. Ums Geld. D/A hatte für den Bau des 722.00 Euro teuren Flutlichts die Gemeinde um einen Zuschuss in Höhe von 217.000 Euro gebeten.
„Dass etwas gemacht werden muss, steht außer Frage. Aber dafür reichen unsere Mittel nicht“, sagt van Lessen. Auch Hatecke hält „die Möglichkeiten der Gemeinde für begrenzt“. Vertreter der SPD sprechen sich für 100.000 Euro aus. „Damit Fußball ohne Nachtsichtgerät möglich ist“, sagt Heino Baumgarten.
Die CDU ist im Ausschuss nicht auf einer Linie. Reiner Heinsohn stimmt für den Zuschuss, sein Fraktionschef dagegen. Ebenso van Lessen. Die SPD ist sich einig. Der Zuschuss von 100.000 Euro wird empfohlen. Im Gemeinderat, der am 25. Februar tagt und das letzte Wort hat, können sich die Mehrheiten aber noch mal ändern. Es wird knapp beim Zuschuss für das Flutlicht.
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