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Afrika-Austausch

TKein deutsches Visum für Besuch aus Simbabwe: Stader Schüler beschämt

Enttäuschung an der IGS Stade: Nur der Schulleiter und eine Lehrerin ihrer Partnerschule in Simbabwe durften kommen. Die Schüler bekamen kein Visum.

Enttäuschung an der IGS Stade: Nur der Schulleiter und eine Lehrerin ihrer Partnerschule in Simbabwe durften kommen. Die Schüler bekamen kein Visum. Foto: Richter

Zum dritten Mal waren Schüler der IGS Stade an ihrer Partnerschule in Simbabwe zu Gast. Der Gegenbesuch kommt nicht zustande. Die Schüler sind fassungslos.

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Von Anping Richter
05.10.2026, 05:40 Uhr

Stade. Ein Jahr lang hatten sich alle auf das Wiedersehen gefreut: Zehn Schüler der Integrierten Gesamtschule Stade (IGS) und ihre Austauschpartner von der Msiteli High School in Bulawayo, Simbabwe, die die Stader schon vor einem Jahr besucht haben.

Sie haben die riesigen Victoria-Wasserfälle und den Hwange-Nationalpark mit Löwen und Elefanten gesehen. Doch vor allem haben sie das Leben in Simbabwe nicht als Touristen, sondern als Schüler kennengelernt - bei der Projektarbeit mit ihren simbabwischen Partnern und zu Hause in deren Familien.

Sie durften nicht nach Stade reisen: Die Austausch-Schülergruppe der Msiteli High School.

Sie durften nicht nach Stade reisen: Die Austausch-Schülergruppe der Msiteli High School. Foto: Msiteli High School

Im September sollten die Partnerschüler zum Gegenbesuch nach Stade kommen. Doch die Deutsche Botschaft hat ihre Visa nicht bewilligt. Damit war der Austausch geplatzt - und für viele der 17- bis 18-jährigen Teilnehmer auch der Traum von der menschlichen Freundschaft über zwei Kontinente. Der Knackpunkt: Geld.

In Simbabwe mit offenen Armen empfangen

„Ich habe mich geschämt, meinem Austauschpartner das zu schreiben. Es wirkte komisch. So, als wollten wir sie nicht hier haben“, sagt Jonte von der IGS. „Die haben uns dort mit offenen Armen empfangen, richtig herzlich. Dass wir das nicht zurückgeben konnten, ist echt beschämend“, sagt seine Mitschülerin Svea.

Empfang im Rathaus: So berichtete das TAGEBLATT 2022 über den Beginn des Austauschs.

Empfang im Rathaus: So berichtete das TAGEBLATT 2022 über den Beginn des Austauschs. Foto: TAGEBLATT-Archiv

Dabei läuft die Schulpartnerschaft der IGS mit der Msiteli High School seit 2022 gut. Von Anfang an wurde sie finanziell und inhaltlich von ENSA gefördert, dem Entwicklungspolitischen Schulaustauschprogramm im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. ENSA übernimmt 75 Prozent der Kosten, der Rest wird durch Spenden und Eigenbeteiligung erbracht.

Wie zuvor hatte die IGS Stade eine sogenannte Verpflichtungserklärung abgegeben: Damit verpflichtet sie sich, die gesamten Kosten des Aufenthalts zu übernehmen, mit Haftpflicht, Kranken- und Unfallversicherung.

Auch Kirchengemeinden in Stade und Bulawayo sind dabei

„Es ist frustrierend, schwer zu verstehen und eigentlich gar nicht zu erklären: ENSA, das Förderprogramm unseres Ministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, finanziert den Austausch, die deutsche Botschaft - der verlängerte Arm des auswärtigen Amts - boykottiert ihn“, sagt IGS-Schulleiter Jörg Moser-Kollenda. Dabei sei der Austausch bereichernd für alle Beteiligten. Auch die evangelisch-lutherische Johannisgemeinde in Stade und die Lutheran Church in Bulawayo begleiten das Projekt.

Bei den zwei Austauschen zuvor war alles glatt gegangen. Auch diesmal hatte Lehrerin Millicent Moyo sich mit den zehn teilnehmenden Schülern auf den sechsstündigen Weg in die Botschaft in der Hauptstadt Harare gemacht, um die Visa persönlich zu beantragen. Doch dann kamen Nachforderungen.

Die Familien der simbabwischen Schüler sollten ihre finanziellen Verhältnisse offenlegen. Zwei weitere Male reiste Millicent Moyo nach Harare, um die Sache zu klären - vergeblich.

Nicht wohlhabend genug für ein Visum

Die simbabwischen Schüler konnten nicht nachweisen, dass sie genug Geld haben. Die Botschaft formuliert das so: „Es bestehen erhebliche Zweifel an ihrer wirtschaftlichen und/oder sozialen Verwurzelung in Simbabwe und somit an der Tatsache, dass sie das Gebiet der Schengener Staaten vor Ablauf der Gültigkeit Ihres begehrten Visums wieder verlassen würden.“

Nur dem Schulleiter und der begleitenden Lehrerin wurde ein Visum gewährt - aufgrund einer „positiven Rückkehrprognose“: Er war schon zwei Mal in Stade und kehrte nach Hause zurück, die Lehrerin hat zwei Kinder, die in Simbabwe auf sie warten.

Für die Schüler forderte die Botschaft nun eine Verpflichtungserklärung der Gasteltern oder anderer Bürgen, die alle Kosten, gegebenenfalls auch die für eine Abschiebung, übernehmen würden. All das wollte die IGS den Eltern nicht zumuten.

Keine Ausnahme mehr für Austausch

„Ich habe beim Auswärtigen Amt nachgehakt, wo man mir sagte, dass für einen Austausch Ausnahmen möglich sind“, erklärt IGS-Lehrerin Kirstin Mbohwa-Pagels, die den Austausch mit ihren Kolleginnen Nele Rieken und Sara Tahmasebi betreut. Bei ENSA erfuhr sie, dass Ermessensspielräume manchmal unterschiedlich ausgelegt werden. Doch zu erreichen war nichts mehr - auch nicht, als die Schule die CDU-Bundestagsabgeordnete Vanessa Zobel um Hilfe bat und diese sich an die Visastelle wandte.

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Christoph Retzlaff, deutscher Botschafter in Simbabwe, antworte auf eine TAGEBLATT-Anfrage nicht. Dafür kam ein Anruf vom Auswärtigen Amt: Man könne sich nur konkret äußern, wenn ein schriftliches Einverständnis der simbabwischen Schüler vorgelegt werde. Mitgeteilt wurde, die Regeln hätten sich nicht geändert, die formalen Anforderungen seien aber nicht erfüllt gewesen. Dass es bisher klappte, sei möglicherweise auf „kulante“ Handhabung in der Vergangenheit zurückzuführen.

Schulleiter Canny Vundla und seine Kollegin Millicent Moyo haben die Reise trotzdem angetreten. Warum ihre Schüler nicht mitkonnten, haben sie mit Kollegen und Schülern der IGS an einem Infostand in der Stader Innenstadt erklärt. „Die Stader waren empört“, sagt Jörg Moser-Kollenda.

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