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Rohstoffe

TKlebstoff statt Rum: Das geschieht im früheren Bacardi-Werk in Buxtehude

Eine Halle (links) in der Halle hat das Technologieunternehmen Lignopure im Sirius Business Park in Buxtehude errichtet. Die Bioverfahrensingenieurin Dr. Wienke Reynolds hält einen Sack Ligninpulver in den Händen.

Eine Halle (links) in der Halle hat das Technologieunternehmen Lignopure im Sirius Business Park in Buxtehude errichtet. Die Bioverfahrensingenieurin Dr. Wienke Reynolds hält einen Sack Ligninpulver in den Händen. Foto: Sulzyc

Lignin aus Holz könnte fossile Rohstoffe ersetzen. Im früheren Bacardi-Werk in Buxtehude arbeitet die Technologiefirma Lignopure daran. Ein Besuch.

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Von Thomas Sulzyc
Freitag, 13.02.2026, 09:00 Uhr

Buxtehude. Als Nebenprodukt bei der Herstellung von Papierverpackungen fällt es an. Oder bei der Produktion von Bioethanol. Megatonnenweise Lignin. Bisher wird es meistens verbrannt, weil es einen hohen Heizwert hat. Es taugt aber auch dazu, fossile Rohstoffe in Kosmetikprodukten oder Mikroplastik zu ersetzen.

Lignin ist das, was Pflanzen zusammenhält. Ihr Klebstoff sozusagen. Es gibt nicht das eine Lignin. Der Begriff bezeichnet sehr ähnliche, aber nicht identische chemische Verbindungen, die die Zellwand von Pflanzen bilden.

Brücke zwischen Labor und Markt

Die Unterschiede in den Molekülen erschweren die Entwicklung von einheitlichen Herstellungsverfahren und Produkten. Als Brücke zwischen Lignin-Herstellern und Produzenten in der Industrie wirkt das Hamburger Technologieunternehmen Lignopure, das in Buxtehude seine Produktion betreibt. Es will aus Einzelkämpfern Verbündete machen.

Lignopure wurde 2019 von den drei Ingenieurinnen Daniela Arango, Joana Gil Chavez und Wienke Reynolds an der Technischen Universität Hamburg gegründet. 2022 nahm Lignopure die Produktionsanlage in Buxtehude in Betrieb.

Die Gründerinnen von Lignopure (von links): Daniela Arango Ospina, Joana Gil und Wienke Reynolds.

Die Gründerinnen von Lignopure (von links): Daniela Arango Ospina, Joana Gil und Wienke Reynolds. Foto: Lignopure GmbH

Im früheren Bacardi-Werk, dem heutigen Sirius Business Park, versucht Lignopure, den Rohstoff Lignin in Produkte zu bringen, die Menschen jeden Tag benutzen. 1000 Quadratmeter hat das Unternehmen gemietet. Eine Halle in der Halle hat es errichtet. Um strenge hygienische Standards zu garantieren, dürfen einige Räume darin nur in Schutzanzügen betreten werden.

Der Sirius Business Park am Alten Postweg in Buxtehude.

Der Sirius Business Park am Alten Postweg in Buxtehude. Foto: Sulzyc

Um die Brücke zwischen Labor und Markt zu schlagen, kann Lignopure in Buxtehude bis zu 90 Tonnen Lignin pro Jahr verarbeiten. Kleine Probemengen in Pulverform verschickt das Unternehmen an Kunden, „Wir haben 60 unterschiedliche Ligninverbindungen getestet“, sagt Dr. Wienke Reynolds, die technische Leiterin von Lignopure.

„Deutschland ist mit Innovationen langsam“

Die 37-Jährige ist Bioverfahrensingenieurin. Das sind Leute, die das Kochen im großen Stil beherrschen. Die Bier brauen können - oder eben Rohstoffe zu Kosmetika verarbeiten.

Braunes Pulver - so sieht technisches Lignin aus.

Braunes Pulver - so sieht technisches Lignin aus. Foto: Lignopure GmbH

Kosmetik gilt als erfolgversprechendes Geschäftsfeld. Im Mai 2025 hat ein südkoreanisches Unternehmen eine Sonnencreme auf den Markt gebracht und darin Lignin von Lignopure verarbeitet. Dass das im Ausland geschah, ist kein Zufall. „Deutschland ist langsam, Innovationen in den Markt zu bringen“, sagt Wienke Reynolds.

Lignopure ist schnell international geworden. Geschäftssprache im Unternehmen ist Englisch. Das Lignin bezieht Lignopure von überall in der Welt - viel aus Skandinavien, teilweise aus Korea und Indien.

Dass es ein ligninbasiertes Produkt in Südkorea auf den Markt geschafft hat, könnte dem Rohstoff zu mehr Popularität verhelfen. Denn die stoffliche Nutzung von Lignin sei noch teurer und risikoreicher als der Einsatz fossiler Rohstoffe, heißt es in einer aktuellen Untersuchung. Erstellt hat sie das Innovationszentrum Rootcamp im Auftrag der Landwirtschaftlichen Rentenbank und des Bundesministeriums für Landwirtschaft und Ernährung.

Lignopure finanziere sich noch nicht selbst. Geldgeber seien Investoren, darunter seien die Hamburgische Investitions- und Förderbank, der Hightech Gründerfonds, Großhändler für Inhaltsstoffe und das Schweizer Unternehmen Tanovis AG.

Überwiegend Frauen arbeiten in der Firma

Zwölf Beschäftigte hat Lignopure, neun von ihnen sind Frauen. Die Mission, mit einem Rohstoff aus Holz Erdöl zu ersetzen, ist hier also weiblich. Der Kosmetikwissenschaftler im Team ist aber ein Mann.

Kosmetikprodukte aus der Lipnopure-Produktlinie: Bronzer und Puder.

Kosmetikprodukte aus der Lipnopure-Produktlinie: Bronzer und Puder. Foto: Lignopure GmbH

In der Kosmetikbranche muss Lignopure eine Barriere in den Köpfen überwinden. Lignin ist braun - mal heller, mal dunkler. „Historisch verfestigt hat sich, dass Kosmetikprodukte weiß sind“, sagt Wienke Reynolds.

Wo im täglichen Leben könnte Lignin noch Rohstoffe aus Erdöl ersetzen? In Dämmstoffen, Farben, Beschichtungen zum Beispiel. Und dann zeigt Wienke Reynolds noch einen Schuh. „Aus Lignin kann man auch Lederersatz herstellen.“

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